Wenn vor dem Amtssitz zweier SPD-Senatorinnen 800 Menschen aus dem Sozialen Sektor protestieren und mit dem „Goldenen Mammut“ einen Negativ-Preis für eine „rückwärtsgewandte Sozialpolitik“ verleihen, dann ist das ein Warnsignal für die Sozialdemokraten. „Liebe SPD, werdet dem ,sozial´ in eurem Namen endlich mal gerecht“, sagte Jörg von der Bühne zu den Demonstranten auf der Oranienstraße.

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Der Paritätische Wohlfahrtsverband hatte die Beschäftigten und die Besucher von Psychosozialen Kontakt und Beratungsstellen (KBS) zum Protest gegen die jüngsten Kürzungen bei den niedrigschwelligen Angeboten für psychologische Hilfe aufgerufen. Der Redner Jörg berichtete, wie er selber nach einer Phase der Depression und Vereinsamung in einem offenen Treff der KBS in Spandau wieder Halt gefunden habe. „Eine KBS funktioniert total unbürokratisch, nicht so wie da oben“, rief der Spandauer mit Blick auf das Dienstgebäude, in dem Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe und Gesundheitssenatorin Ina Czyborra residieren. Beide Politikerinnen waren nicht zugegen, um in ihren Büros die Mammut-Figur entgegenzunehmen.
Demonstranten warnen: Ohne ambulante Hilfe mehr Menschen müssen in teure Psychiatrie
Die Träger der durch Zuwendungen finanzierten Projekte gehen von Kürzungen zwischen 12 und 15 Prozent aus. Viele müssten Angebote einschränken, obwohl die Zahl der seelischen Erkrankungen rasant steige, hieß es. Die Demonstrierenden verwiesen auch auf die finanzpolitischen Folgen der Einsparungen. „Wer ambulant kürzt, zahlt stationär drauf“, stand auf einem Plakat.
Das bestätigte Olaf Hardt, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Chefärztinnen und Chefärzte der Psychiatrien Berliner Krankenhäuser: „Wenn präventive und niedrigschwellige Angebote wegfallen, gerät die gesamte Versorgung unter Druck. Menschen werden kostenintensivere Hilfen in Anspruch nehmen müssen.“
Der Protest richtete sich auch gegen die wachsende Bürokratie. Uwe Brohl-Zubert von der Parität forderte, das sogenannte „Trägerbudget“ wieder einzuführen. „Statt vieler einzelner Geldströme erhalten die Träger eine festgelegte Summe. Das erleichtert die Steuerung der Angebote, reduziert bürokratischen Aufwand und sorgt dafür, dass die öffentlichen Ausgaben besser planbar und kontrollierbar bleiben.“
Psychosoziale Hilfen: Träger mussten trotz wachsender Nachfrage Angebot reduzieren
Für die KBSen gebe es schon lange zu wenig Geld, so die Klage, die Zuwendungen seien seit Jahren unverändert. In der Folge wurden laut Parität zwischen 2019 und 2024 die Angebotsstunden in den Kontakt- und Beratungsstellen um zehn Prozent reduziert. Gleichzeitig seien die Kontakte beim Berliner Krisendienst um 27 Prozent gestiegen.





