Önder K. wirkte zurückhaltend und verschreckt, als er am Donnerstag auf der Anklagebank hinter dickem Glas Platz nahm. Es scheint schwer vorstellbar, dass der 46-Jährige dazu fähig ist, einen Menschen mit einem Messer zu töten. Brutal, ohne Gnade, aus dem Hinterhalt heraus. Und doch wirft ihm die Staatsanwaltschaft genau das vor, einen Mord aus niedrigen Beweggründen. Das Opfer: Seine 28-jährige Ex-Freundin, die sich von ihm getrennt hatte und einen neuen Lebensabschnitt beginnen wollte. Das Motiv: massive Eifersucht und übersteigertes Besitzdenken. Ein klassischer Femizid also.

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Dieser „Femizid von Friedrichfelde“ fand im vergangenen August nur wenige Tage nach einer ähnlichen Bluttat in Zehlendorf statt und löste damit erneut eine bundesweite Debatte über den mangelnden Schutz von Frauen gegenüber ihren gewalttätigen (Ex-) Partnern aus. Am Donnerstag entschied sich Önder K. beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Berlin zu den Vorwürfen zu schweigen.

Femizid von Friedrichsfelde: Blutspur führte Polizei zum Tatverdächtigen

Die Version der Ermittler ist allerdings folgende: Der Beschuldigte soll die 28 Jahre alte Frau ohne Vorankündigung an deren Wohnanschrift im Bezirk Lichtenberg aufgesucht und ihr insgesamt 28 Stich- und Schnittverletzungen zugefügt haben. Zuvor habe er ihr trotz der Trennung wiederholt nachgestellt und sie bei Treffen mit einem anderen Mann beobachtet. Das habe ihn rasend vor Eifersucht gemacht.

Die Polizei entdeckte die lebensgefährlich verletzte Frau nach der Tat im Hausflur liegend – kurze Zeit später verstarb sie im Krankenhaus. Noch am selben Abend nahm die Polizei K. in der Nähe des S-Bahnhofes Rummelsburg fest. Er hatte sich offenbar selbst verletzt und eine Blutspur hinter sich hergezogen. Seitdem befindet sich der Mann in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind bislang elf Verhandlungstage angesetzt.

Zahl getöteter Frauen in Berlin 2024 gestiegen

2024 wurden insgesamt 31 Frauen und Mädchen Opfer eines Tötungsdelikts, 17 von ihnen starben durch die Hand eines Familienmitglied oder eines (Ex-)Partners. Laut Polizei wurden insgesamt 40.955 Frauen Opfer von Gewaltdelikten, also etwa von Körperverletzungen, Nötigungen, Bedrohungen oder Freiheitsberaubung. 2023 waren es noch 39.616 Frauen gewesen. 2024 wurden zudem 3726 weibliche Opfer von Gewalttaten erfasst, bei denen eine innerfamiliäre oder partnerschaftliche Vorbeziehung bestand. 

Vorschläge, die Situationen von derart bedrohten Frauen und Mädchen zu verbessern, gibt es viele. Dazu gehören etwa interdisziplinäre Fallkonferenzen und Fußfesseln für Verurteilte. Experten raten außerdem dazu, die Dauer der sogenannten Wegweisung von bislang zwei auf künftig vier Wochen zu erhöhen. Die Wegweisung ist eine polizeiliche Maßnahme, der Täter muss in solchen Fällen die gemeinsame Wohnung verlassen.