Am Mittwoch arbeitete das Amtsgericht Tiergarten in Höchstgeschwindigkeit. Nicht einmal eine Stunde dauerte es, bis feststand: Der 45-jährige Ahmed K., Ex-Betreiber eines einschlägig bekannten Festsaals am S- und U-Bahnhof Wedding, muss wegen Strafvereitelung eine Geldstrafe von knapp 1000 Euro zahlen. Der wegen Diebstahls Vorbestrafte hat außerdem die Kosten des Verfahrens zu tragen. Die Gründe für seine Tat seien „persönlich nachvollziehbar“ gewesen, sagte Richter Oestreich bei der Urteilsverkündung: „Es stimmt, dass eine Schießerei rufschädigend ist.“

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Die Hintergründe des Falls sind dabei gelinde gesagt skurril. Am 23. Januar 2024 löste sich während Bau- und Elektroarbeiten im Festsaal ein Schuss. Am Oberam getroffen wurde einer der Mitarbeiter des Etablissements. K. - der den Festsaal seit 2015 als Selbstständiger betrieb, ihn aus finanziellen Gründen aber Anfang des Jahres abgab - habe den Verletzten sofort medizinisch versorgt und im Anschluss ins Krankenhaus gebracht, betonte am Mittwoch auch sein Verteidiger. Doch wer hatte geschossen? Das war den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft zufolge ein Bekannter von K., der ihm regelmäßig bei Ausbesserungsarbeiten im Laden half. Die Schusswaffe will er gefunden haben - wo, das ist nicht abschließend geklärt.

Angeklagter log über den Schuss in seinem Festsaal

Mit dem Schuss habe er aber niemanden ernsthaft verletzten wollen, er habe sich versehentlich gelöst. Einen Streit oder eine Auseinandersetzung habe es nicht gegeben. Der eigentliche Schütze wurde dafür bereits am 27. Mai 2024 rechtskräftig wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verteilt. Anstatt dieses Tatgeschehen zuzugeben, hatte Ahemd K. im Januar vergangenen Jahres den eintreffenden Polizeibeamten allerdings eine Lügengeschichte aufgetischt.

Gegenüber der Polizei behauptete er, der Geschädigte sei auf offener Straße vor dem Laden überfallen und angeschossen worden. Damit hat sich K. der Strafverteitelung schuldig gemacht. „Seine Falschaussage führte zu Mehrarbeit der Polizei und erschwerte die Aufklärung des Falls“, so die Staatsanwältin. Hintergrund der Lüge soll gewesen sein, dass K. die Aufmerksamkeit unbedingt von seinem Festsaal weglenken wollte. Es sei ihm nicht darum gegangen, den Schützen vor einer Bestrafung zu bewahren, sagte der Verteidiger des 45-Jährigen. Er habe lediglich verhindern wollen, dass potenzielle Kunden durch eine Berichterstattung abgeschreckt werden würden, gestand Ahmed K.

Immer wieder Polizeieinsätze in der Lindower Straße in Wedding

Tatsächlich schaffte es der Festsaal in der Vergangenheit immer wieder in die Schlagzeilen. Im Juli 2023 versuchten drei uneingeladene Männer dort auf eine Abiturfeier zu gelangen. Als ihnen der Zutritt verweigert wurde, attackierten sie acht Jugendliche im Eingangsbereich mit Reizgas. Erst im Februar diesen Jahres wurde ein 18-Jähriger während einer Hochzeitsfeier von einem Unbekannten mit einem Messer an der Schulter verletzt.

Die Lindower Straße, die schmale Sackgasse am Bahnhof, an der der Festsaal und viele weitere Geschäfte liegen, ist allerdings regelmäßig Schauplatz von Auseinandersetzungen. Nach Angaben der Polizei rückte sie hier in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 81-Mal aus.

Interessanterweise war am Mittwoch nicht Thema, warum überhaupt eine Waffe im Festsaal zum Einsatz kommen konnte, ob sie vor Ort oder außerhalb der Lokalität gefunden wurde und welchem eigentlichen Zweck sie diente. Denn: Aus juristischer Sicht war diese Frage bei der Urteilsfindung im Fall der Strafverteilung nicht relevant und musste deswegen auch nicht beantwortet werden.