Es herrscht mal wieder Stillstand bei Berlins Bussen und Bahnen: Von Donnerstagmorgen, 3 Uhr, bis Sonnabendmorgen, 3 Uhr, bestreikt die Gewerkschaft Verdi die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Berlinerinnen und Berliner müssen erneut auf andere Verkehrsmittel ausweichen. Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den Arbeitskampf und die Auswirkungen auf den Verkehr in der Stadt.

Wie reagiert die S-Bahn auf den Streik?

Wie die Deutsche Bahn mitgeteilt hat, will die S-Bahn auf Bestellung des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) und des Landes Berlin ihr Angebot auf mehreren Linien ausweiten. Zusätzliche Fahrten sind demnach in der Zeit von circa 9 bis 14 Uhr auf der S1 zwischen Zehlendorf und Potsdamer Platz, der S3 zwischen Karlshorst und Ostbahnhof sowie der S5 zwischen Mahlsdorf und Warschauer Straße geplant. „Damit fährt die S-Bahn auf diesen Abschnitten außerhalb der Hauptverkehrszeiten neun statt sechs Mal pro Stunde und Richtung“, heißt es.

In Spandau wird die Lage mit dem Ausfall der U-Bahn-Linie U7 dagegen schwieriger, weil die S-Bahn derzeit Vegetationsarbeiten an ihrer Strecke durchführt. Zwischen Olympiastadion und Spandau fährt die Linie S3 noch bis Freitag, 15 Uhr, nicht, es bleibt also nur die S9 im 20-Minuten-Takt oder der Regionalverkehr.

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Welche Buslinien und Fähren fahren noch?

Grundsätzlich fahren die Buslinien, die im Auftrag der BVG durch Fremdfirmen betrieben werden. Tagsüber sind das die Linien 106, 114, 118, 133, 161, 168, 175, 179, 204, 218, 234, 263, 275, 316, 318, 320, 326, 334, 349, 358, 363 und 380. Außerdem sind die Fähren F10 (Wannsee–Alt-Kladow), F11 (Baumschulenstraße–Oberschöneweide) und F12 (Grünau–Wendenschloß) wie gewohnt unterwegs.

Wo drohen Staus?

Schon bei den vergangenen Streiks galt: Insbesondere auf den Berliner Stadtautobahnen müssen Autofahrer in den Hauptverkehrszeiten mit Verzögerungen rechnen. Das gilt vor allem im Bereich des Dreiecks Charlottenburg und des Dreiecks Neukölln sowie an der Baustelle auf der A115 zwischen Spanischer Allee und Landesgrenze. Auch auf den großen Zufahrtsstraßen in Richtung Innenstadt wie der B1, B2, B5, B96, B96a und B158 sollten Autofahrer mehr Zeit einplanen, auch dort kann der Verkehr stocken.

Was bedeutet der Streik für die BVG als Unternehmen?

Konkrete Zahlen dazu, wie viel Geld verloren geht, etwa durch fehlende Ticketeinnahmen, benennt die BVG auf Anfrage nicht. Demgegenüber stünden Einsparungen bei Ausgaben für Personal und Energie. Das Unternehmen verweist darauf, dass massive Ausfälle nachhaltige Auswirkungen auf das System und die Fahrgäste und damit auch auf die BVG haben. Vermeintlich entfallenden Kosten stünden demzufolge mittelfristige Positionen mit noch nicht absehbaren Auswirkungen gegenüber, wie beispielsweise Verzögerungen bei Einstellungs- und Planungsprozessen, heißt es. Die BVG hat Verdi schon mehrfach dazu aufgerufen, im aktuellen Tarifstreit Lösungen am Verhandlungstisch zu finden.

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Ist der aktuelle BVG-Streik besonders hart?

Verglichen mit den vergangenen Jahren ja, es gab aber auch schon härtere Streiks. Tatsächlich wurde bei den letzten Tarifverhandlungen in der Regel nur maximal für einen Tag gestreikt, oft waren es auch nur einige Stunden, etwa am Morgen zum Berufsverkehr. Noch deutlich länger als dieses Mal fielen die Arbeitskämpfe im Jahr 2008 aus. Damals wurde in mehreren Wellen gestreikt, zum Teil weit mehr als eine Woche am Stück.

Wer profitiert vom Streik?

Es profitieren insbesondere Unternehmen, die alternative Mobilitätsangebote bieten, etwa durch Mietwagen, E-Scooter oder Leihräder. Das Unternehmen Bolt berichtete für den vergangenen Streik etwa, dass im Bereich der Mikromobilität, also bei Leih-E-Scootern und E-Bikes 150 Prozent mehr Fahrten gegenüber den üblichen Werten. Zudem hätten die Berliner weitere Fahrten unternommen, dazu kamen viele Neu-Nutzer. Im Bereich des Carsharings habe es 84 Prozent mehr Fahrten als üblich gegeben, beim Ride-Hailing, was Mietwagen mit Fahrer meint, sogar 137 Prozent mehr Fahrten, so Bolt. Auch Taxi-Unternehmen dürften mehr Buchungen als gewohnt registrieren.

Wie kommen Fußballfans am Freitag zum Hertha-Spiel?

Im Olympiastadion spielt am Freitagabend, 18.30 Uhr, Hertha BSC gegen den 1. FC Nürnberg. Für die Anreise fällt die Option der U-Bahn weg, viele Fußballfans dürften daher auf die S-Bahn umsteigen. Diese kündigte an, das Fahrten-Angebot für die An- und Abreise aufzustocken. „Ab circa 16.30 Uhr fahren zwischen Innenstadt und Olympiastadion 15 Züge pro Stunde und Richtung. Zur Abreise fährt die S-Bahn mit 18 Zügen pro Stunde vom Olympiastadion Richtung Innenstadt“, teilte das Unternehmen mit. Empfohlen wird Stadionbesuchern dennoch, genug Zeit für die An- und Abreise einzuplanen.

Plant Verdi eine Kundgebung, trotz des Anschlags in München?

Am Donnerstag soll es laut Verdi zunächst keine Kundgebung im Zusammenhang mit dem BVG-Streik geben. Parallel ruft Verdi aber auch zu einem bundesweiten Branchenstreiktag der Versorgungsbetriebe auf, in Berlin betrifft das die Berliner Wasserbetriebe. Vor diesem Hintergrund gibt es um 09.30 Uhr am Neptunbrunnen eine Streikkundgebung, gerechnet wird dort mit 700 Teilnehmern. Es soll auch eine Gedenkminute für die Opfer von München abgehalten werden. Im BVG-Arbeitskampf soll es laut Verdi voraussichtlich am Freitagvormittag eine zentrale Demonstration geben. Details dazu sind aber noch nicht bekannt.