Über einen Mangel an Bewerbungen für Ausbildungsplätze oder ein duales Studium kann sich die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg nicht beklagen. Rund 675 habe man im vergangenen Jahr erhalten, berichtet Michael Halberstadt, Geschäftsführer Personal beim Flughafenbetreiber. Es seien aber nur 43 Plätze zu vergeben gewesen. „Wir haben hier eine andere Situation als in der Wirtschaft“, betont der Personalchef am Dienstag bei einem Pressetermin zur Ausbildungssituation am Flughafen.
Allerdings wird die Lage in Zeiten des demografischen Wandels auch für den Flughafen nicht einfacher in den kommenden Jahren. Vor allem in technischen Berufen sowie im IT-Bereich würden Leute gebraucht, erläuterte der Geschäftsführer. Erschwerend kommt hinzu, dass der verschuldete Flughafen etwa im IT-Bereich bei der Bezahlung nicht mit anderen Unternehmen mithalten kann. „Wir werden nicht der höchstbezahlende Arbeitgeber der Region sein können“, betont Halberstadt.

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Schon jetzt sind viele ausgeschriebene Stellen den Bereichen Technik und IT zuzuordnen. Gesucht werden aktuell etwa Servicetechniker für Systemsicherheit und Techniker für das Gebäudemanagement. Außerdem sind Jobs als Konstruktionsmechaniker und als Anlagenschlosser am Flughafen ausgeschrieben. Die Webseite für offene Stellen beim Flughafenbetreiber hat derzeit 26 Einträge.
Flughafen BER: Ein Drittel mehr Ausbildungsplätze
Die Flughafengesellschaft hat aktuell rund 2000 Beschäftigte. Damit ist nur ein kleiner Teil des am BER tätigen Personals beim Betreiber angestellt. Insgesamt haben knapp 20.000 Beschäftige ihren Arbeitsplatz am Airport, darunter viele bei den großen Airlines und den Bodenverkehrsdiensten.

Um Stellen in den kommenden Jahren zu besetzen, setzt die Flughafengesellschaft auf Ausbildung. „Nach Corona haben wir entschieden, die Ausbildungsleistung deutlich auszubauen“, erläutert Halberstadt. Seitdem habe sich die Zahl der Auszubildenden um etwa ein Drittel erhöht, berichtet der Geschäftsführer. Aktuell bietet der Betreiber Ausbildungsplätze in 17 Berufen an.
Darunter sind Plätze für Industriemechanik, Elektrotechnik und Mechatronik. Auch Werkfeuerwehrleute, Luftverkehrskaufleute und Fachleute für Informatik bildet sich die Flughafengesellschaft selbst aus. Ein duales Studium ist in fünf Fachrichtungen möglich: Informatik, Wirtschaftsinformatik, Elektrotechnik, Bauingenieurwesen und technisches Gebäudemanagement.
Flughafen BER: Betreiber zahlt 13 Gehälter pro Jahr
Marc Fischer ist gerade im zweiten Lehrjahr. Er will Industriemechaniker werden. „Wir stellen Bauteile für den Flughafen her“, berichtet der 19-Jährige am Dienstag bei einem Pressebesuch in der Airport-Werkstatt. Nötig sei das etwa dann, wenn an der Gepäckförderanlage oder anderen Maschinen etwas kaputt gehe, berichtet Fischer. „Ich mag es, mit Maschinen zu arbeiten“, betont der Auszubildende. Der Ausbildungsplatz am Flughafen sei im Bewerbungsprozess seine erste Wahl gewesen.
Es gebe bei den Auszubilden eine „hohe Identifikation“ mit dem Arbeitsplatz, sagt Geschäftsführer Halberstadt. Darüber hinaus verweist er auf die Bezahlung nach Tarif. So bekämen Auszubildende bei der Flughafengesellschaft aktuell zwischen 1260 und 1450 Euro im Monat. Allerdings 13 Mal im Jahr. Dazu komme noch ein Urlaubsgeld von 475 Euro, betont Halberstadt.
Zum Ende der Ausbildung können die Azubis mit einem Übernahmeangebot rechnen. „Allen Nachwuchskräften wird eine Übernahme angeboten“, betont Halberstadt. Zum Einstieg bekommen sie dann ein Gehalt von rund 3250 Euro, berichtet der Geschäftsführer. Wer ein duales Studium bei der Flughafengesellschaft gemacht hat, bekomme mit 3600 Euro etwas mehr. Auch ein ausgebildeter Fachinformatiker bekomme mit 3500 bis 3600 Euro etwas mehr als Absolventen anderer Ausbildungsberufe. Ausgezahlt wird auch dieses Gehalt 13 Mal im Jahr. Das Urlaubsgeld steige auf 900 Euro, berichtet Halberstadt.
Flughafengesellschaft hat 130 Auszubildende
Alexander Baumgärtner hat sich für eine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik entschieden. Nun sorgt er zusammen mit etwa 100 weiteren Beschäftigten dafür, dass die Gepäckförderanlage des Flughafens funktioniert. Die Beschäftigten kümmern sich am BER um mehrere Tausend Meter Fördertechnik. Viele der rund 3000 Störungen im Monat sind gepäckbedingt, etwa weil Gurte von Rucksäcken in der Technik hängen bleiben.

„Es wird nie langweilig“, sagt Baumgärtner. So habe er einmal einen Ehering aus der Förderanlage an den Sicherheitskontrollen retten müssen. Eine Frau hatte ihn dort verloren, berichtet er. Ausschlaggebend für die Ausbildung am Flughafen sei für ihn aber die Jobsicherheit gewesen, betont er.
Rund 130 Auszubildende hat die Flughafengesellschaft derzeit. Für die meisten Ausbildungsberufe sind die Auswahltage im Herbst. Für technische Berufe können sich Interessiere hingegen bis zum 31. Januar bewerben. Am 15. Februar folgt dann der Auswahltag mit Bewerbungstest, Persönlichkeitstest und Auswahlgespräch. Halberstadt betont: „Wir schauen nicht nur auf Noten.“ Es gehe vielmehr darum, wie Bewerber in den Tests miteinander umgingen und nach Lösungen suchten.
Flughafen BER: Zwei Geschäftsführer gehen
Neues Personal braucht die Flughafengesellschaft auch an der Spitze. Denn in den kommenden Monaten werden zwei Geschäftsführer die Flughafengesellschaft verlassen. Thomas Hoff Andersson, Geschäftsführer für den operativen Flugbetrieb, wird an den Flughafen München wechseln. Am 30. April scheidet er am BER aus. Personal-Geschäftsführer Halberstadt verabschiedet sich ebenfalls am 30. April in den Ruhestand. Die Nachfolge sei noch nicht geklärt, berichtet der Personalchef. Vorsitzende der Geschäftsführung bleibt Aletta von Massenbach.




