Mit scharfen Worten hat Ryanair-Chef Eddie Wilson die Entwicklung des Flughafens Berlin-Brandenburg kritisiert. Der BER habe viel Geld gekostet, betonte er zur Vorstellung des Sommerflugplans am Donnerstag in Berlin, sei aber nun wegen der hohen Standortkosten kaum wettbewerbsfähig. „Der Flughafen wird nicht genug genutzt“, sagte Wilsen. Ohne Rabatte sehe seine Airline aktuell keine Möglichkeit, den Flugplan am Hauptstadtairport auszubauen.

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Der Flughafen BER gehöre bei den Standortkosten zu den teuersten Flughäfen Europas, betonte der CEO von Ryanair. Die irische Fluggesellschaft werde deshalb am Kürzungsplan für den kommenden Sommer festhalten. Der Billigflieger will am BER rund 20 Prozent weniger Flüge anbieten. Der Hauptstadtflughafen verliert damit in der Sommer-Saison 750.000 Sitzplätze.
Die Zahl der stationierten Ryanair-Maschinen soll von neun auf sieben sinken. Sechs Flugstrecken fallen komplett weg. Betroffen sind die Verbindungen nach Brüssel, Chania, Kaunas, Krakau, Luxemburg und Riga.
Ryanair-Chef fordert mehr Rabatte am Flughafen BER

Den BER-Verantwortlichen warf Wilson vor, seiner Airline zu wenig entgegenzukommen. „Sie denken nicht über Wachstum nach“, sagte der Ryanair-Chef. Stattdessen lege man die Hände in den Schoss und sage, es gebe nichts, was man tun könne. „Es fehlt das Engagement“, betonte Wilson und meint damit offenbar vor allem die Bereitschaft zur Gewährung von Rabatten. Wilson sagt, seine Fluggesellschaft sei bereit, die Kapazitäten zu erhöhen. Der Flughafen müsse der Airline dafür aber bei den anfallenden Entgelten entgegenkommen.

Bei vielen Regionalflughäfen in Deutschland funktioniere das schließlich auch, berichtete der Ryanair-Chef. So will die Billigfluglinie ab März wieder Flüge vom Flughafen Lübeck anbieten. „Die kleineren Flughafen können es, den für sie geht es ums Überleben“, betonte Wilson. Hingegen zeigte sich große Flughäfen wie der BER bei Flughafenentgelten zu unflexibel. „Wenn man mit diesen größeren Flughäfen spricht, denkt man manchmal, man verhandele mit einem kleinen Staat“, berichtet Wilson. Einige nähmen sich dort zu wichtig, sagte der Ryanair-Chef, ohne Namen zu nennen.
Flughafen BER: Ryanair hat 2024 am meisten Passagiere befördert
Ryanair ist im vergangenen Jahr die wichtigste Airline am Hauptstadtflughafen gewesen. Die Airline beförderte nach Angaben der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg rund 5,2 Millionen Passagiere. Verglichen mit dem Vorjahr konnte die Airline mit 18,4 Prozent auch die höchste Wachstumsrate aller großen Fluggesellschaften am BER vorweisen. Easyjet konnte nur um 5,7 Prozent zulegen und beförderte 4,1 Millionen Fluggäste. Mit Eurowings flogen rund 2,1 Millionen Menschen.
Insgesamt nutzten im vergangenen Jahr 25,5 Millionen Passagiere den Flughafen BER. Im Jahr 2019 waren es an den Flughäfen Tegel und Schönefeld mit 35,6 Millionen aber noch deutlich mehr gewesen. Dieses Jahr rechnet Flughafen-Chefin Aletta von Massenbach mit 26 bis 27 Millionen Passagieren.
Auf Nachfrage zu den Vorwürfen des Ryanair-Chefs teilt von Massenbach mit: „Wir tun alles uns Mögliche dafür, attraktive Rahmenbedingungen für alle Airlines am BER zu schaffen.“ So habe man zu Beginn dieses Jahres die Luftsicherheitsgebühr gegen den Bundestrend senken können. Der wesentliche Kostenunterschied zu anderen europäischen Standorten liege in der vom Bund erhobenen Luftverkehrssteuer, betont die Flughafenchefin. Sie fordert: „Wir brauchen wettbewerbsfähige Standortbedingungen in Deutschland, um nicht weitere Verbindungen und damit Konnektivität für die Reisenden zu verlieren.“




