Die Forderung der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), Feiertage wie den internationalen Frauentag auf das Wochenende zu verschieben, stößt auf scharfe Kritik. „Feiertage auf Sonntage zu verlegen, ist eine abwegige und schäbige Forderung“, teilte Nele Techen, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds Berlin-Brandenburg, der Berliner Morgenpost mit.

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Die Arbeitsfreiheit an Feiertagen drücke auch eine „Wertschätzung des Anlasses“ aus, betonte sie. „Wer fordert, etwa den Tag der Deutschen Einheit zum Arbeitstag zu machen, entwertet den Anlass“, sagte Techen.

UVB-Hauptgeschäftsführer Alexander Schirp hatte am Dienstag während eines Pressegesprächs zum Jahresauftakt angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise eine Flexibilisierung der Feiertagsregelungen gefordert. „Wir haben Sympathie dafür, wenn der Frauentag dauerhaft flexibilisiert und immer sonntags wäre“, sagte Schirp. Infrage käme dann laut Schirp der Sonntag vor oder nach dem internationalen Frauentag am 8. März. Auch den Tag der Deutschen Einheit und Pfingstmontag sieht er als mögliche zusätzliche Arbeitstage, die in Berlin nach UVB-Berechnungen 230 Millionen Euro zusätzliche Wertschöpfung bringen würden.

Verdi-Sprecher: „Das passt nicht in diesem Jahrhundert“

Die Gewerkschafterin Techen stellt das infrage. „Mehr Arbeitstage führen nicht zu mehr Wirtschaftswachstum und Produktivität, sondern dienen lediglich dazu, Einkommen zu drücken“, betonte Techen. „Schon jetzt leisten Beschäftigte massiv Überstunden, viele von ihnen unbezahlt“, betonte sie.

Kritik kommt auch von der Gewerkschaft Verdi. „Die aktuelle Wirtschaftsflaute hat nichts damit zu tun, dass die Beschäftigten zu wenig arbeiten“, sagt Kalle Kunkel, Verdi-Sprecher für Berlin-Brandenburg. Es fehlten in Deutschland vielmehr wirtschaftliche Impulse durch zukunftsorientierte Investitionen. Darüber hinaus stellten die UVB „ausgerechnet den Tag infrage, mit dem auf die noch immer notwendige Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam gemacht wird“, betonte Kunkel. „Das passt nicht in diesem Jahrhundert und das passt auch nicht zu Berlin“, sagte er.

Wirtschaftssenatorin Giffey sieht „rückwärtsgewandte Debatte“

Kritik zu dem Vorstoß kommt auch von Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). „Der Berliner Frauentag als Feiertag ist eine Errungenschaft und ein echtes Zeichen für Gleichberechtigung und Frauenrechte“, sagte sie der Morgenpost. „Anstatt eine rückwärtsgewandte Debatte über seine Abschaffung anzustoßen, würde ich mir von unseren Unternehmensverbänden einen engagierten Einsatz für mehr Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft und für mehr weibliche Unternehmensgründungen wünschen“, teilte Giffey mit.

Die Wirtschaftssenatorin verweist zudem auf die geringe Zahl von Feiertagen in der Hauptstadt. „Berlin hat zehn reguläre Feiertage“, betonte Giffey, „andere Bundesländer kommen auf mehr“. Wichtig seien für die Stadt Innovationskraft, Gründungsgeist, qualifizierte Arbeitskräfte, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Bereitschaft, Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft zu unterstützen. „Wenn die Verbände sich dafür engagieren, haben sie meine volle Zustimmung, nicht aber für die Abschaffung des Frauentages als Berliner Feiertag.“

IHK und CDU-Politiker offen für Debatte um Feiertage

Rückendeckung kommt hingegen von der CDU. „Einen Feiertag, welchen auch immer, zu streichen, kann ich mir persönlich grundsätzlich vorstellen“, sagte Christian Gräff, CDU-Wirtschaftspolitiker im Abgeordnetenhaus, der Morgenpost. Berlin müsse als größtes Nehmerland beim Länderfinanzausgleich über viele Dinge nachdenken. Dabei müsse es nicht unbedingt um den Frauentag gehen. „Die Wertschätzung für Frauen ist ein wichtiges Thema“, betonte der CDU-Politiker. Man könne auch über den Pfingstmontag reden. Oder den Einheitstag am 3. Oktober. Für viele Ostdeutsche sei schließlich der 9. November „der eigentliche Tag, an den sie sich erinnern“, sagte Gräff.

Offen für die Debatte zeigt sich auch die IHK Berlin. Schon vor der Einführung des Frauentags als zusätzlichen Feiertag im Jahr 2019 hatte sie vor den gesamtwirtschaftlichen Kosten gewarnt. „Natürlich freut sich jeder über freie Tage und die Relevanz des Internationalen Frauentags ist unbestritten“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner. „Aber gerade angesichts der angespannten konjunkturellen Lage ist eine ehrliche Diskussion über Möglichkeiten, die Produktivität zu steigern und Kosten zu senken, berechtigt und notwendig“, betonte sie.

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