Erst am vergangenen Freitag hatte der Europaabgeordnete Sergey Lagodinsky angekündigt, sich gegen seinen umstrittenen Parteikollegen Stefan Gelbhaar um das Direktmandat in Mandat in Pankow zu bewerben. Nachdem es nun innerhalb weniger Tage weitere Kandidaturen gab, zieht Lagodinsky zurück, wie der „Spiegel“ berichtet. Demnach möchte der EU-Parlamentarier nun Julia Schneider, Vizevorsitzende der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, unterstützen.

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„Ich wollte den damals vorherrschenden Zustand der Ratlosigkeit und des Stillstands mit Blick auf die Kandidat*innenlage aufbrechen“, teilte Lagodinsky schriftlich mit. Nach „fünf intensiven Tagen sehe ich, dass ich mein Ziel erreicht habe“. Demnach gebe es mit der Bewerbung von Schneider nun „ein weiteres gutes Angebot, welches es dem Kreisverband ermöglicht, aufgrund der veränderten Situation neu zu entscheiden“. Um eine geeinte Entscheidung zu treffen, ziehe er daher seine Kandidatur zurück.

Mit dem Rückzug Lagodinskys gilt es als immer wahrscheinlicher, dass Schneider Direktkandidatin der Grünen in Pankow wird. Neben ihr treten nur zwei unbekannte Basis-Mitglieder an. Auch Gelbhaar selbst will sich bei der Wiederholung der Nominierungsversammlung erneut bewerben. Seine Bewerbung wird allerdings nicht von der Spitze des Kreisverbandes unterstützt, die ihn aufforderte von einer erneuten Bewerbung abzusehen,

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Gelbhaar will Wahlversammlung verschieben lassen

Gegen Gelbhaar, der seit 2017 im Bundestag sitzt und den Wahlkreis 2021 und 2024 direkt gewonnen hatte, gibt es seit einigen Wochen Vorwürfe, wonach er mehrere Frauen sexuell belästigt haben soll. Der Abgeordnete sieht sich selbst als Teil einer „geplanten Aktion“ und wies die Vorwürfe von sich. Auf seiner Webseite spricht Gelbhaar von „Falschbehauptungen“ gegen die er gerichtlich vorgeht.

Gelbhaar selbst hat nun über seinen Anwalt beim Landesschiedsgericht der Grünen beantragt, die für Mittwoch angesetzte Wahlversammlung um eine Woche „oder einen späteren Zeitraum“ zu verschieben. Der Pankower Grünenvorstand bestätigte, eine Kopie des Antrags erhalten zu haben. Die Zeit für eine Neuwahl wird allerdings immer knapper: Spätestens am 19. Januar muss der Vorschlag für einen neuen Direktkandidaten beim Kreiswahlleiter eingereicht werden.

Grünen-Bundeschef Felix Banaszak sagte in der Sendung „Frühstart“ von RTL/ntv zu Gelbhaars Direktkandidatur: „Das ist seine Entscheidung.“ Er selbst habe keinen Kontakt zu ihm aufgenommen, um ihn zum Rückzug aufzufordern. Der Kreisvorstand, der das getan habe, habe aber sein Vertrauen. Die Grünen in Pankow hätten es sich nicht leicht gemacht. „Und deshalb habe ich keinen Grund, an deren Vorgehen zu zweifeln.“

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jst/dpa