Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Stefan Gelbhaar will sich ungeachtet des Drucks aus den eigenen Reihen erneut für die anstehende Bundestagswahl als Direktkandidat in Pankow aufstellen lassen. Doch er muss sich nunmehr gegen vier Mitbewerber behaupten, die am Wochenende ihre Ambitionen bekannt gaben, den Amtsinhaber abzulösen. Ein Sprecher des Grünen-Kreisverbands Pankow bestätigte zunächst am Samstag, dass Gelbhaar, gegen den es Vorwürfe sexueller Belästigung gibt, mitgeteilt habe, erneut kandidieren zu wollen. Zuvor hatte der „Spiegel“ berichtet.

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In einem Schreiben von Gelbhaars Anwälten, das dem „Spiegel“ in einem Auszug vorliegt, heißt es, dass Gelbhaar „dem Kreisvorstand seine erneute Kandidatur für den 8.1.2025 fristgemäß angekündigt“ habe. Auf Nachfrage habe Gelbhaar per SMS bestätigt: „Ich kandidiere.“ Gelbhaar bekommt aber Konkurrenz. Der Europaabgeordnete Sergey Lagodinsky kandidiert ebenfalls – genau wie bislang drei weitere Mitbewerber: Yüksel Calis und Reginald Grünenberg – und Julia Schneider, die Pankow im Berliner Abgeordnetenhaus vertritt, als bislang einzige Frau in der Runde.
Man habe in Pankow eine besondere Situation, sagte Sergey Lagodinsky am Wochenende mit Blick auf die Vorwürfe gegen Gelbhaar der Deutschen Presse-Agentur. Dies sei auch ein Grund für seine Kandidatur. Er wolle dafür sorgen, „dass wir den Kreisverband einen und stark positionieren in Richtung Wahlkampf“. Der 49-Jährige sitzt seit 2019 für die Grünen im Europaparlament.

Kreisverband Pankow bittet Gelbhaar um Verzicht auf Kandidatur
Zuvor hatte der Vorstand des Kreisverbands Pankow Gelbhaar, der die Vorwürfe als „frei erfunden“ zurückgewiesen hat, darum gebeten, auf eine Kandidatur für die Bundestagswahl zu verzichten. Der Kreisverband teilte mit, ein Wahlkampf mit ihm sei unter den aktuellen Vorzeichen mit großen Risiken verbunden. „Diese Bewertung haben wir Stefan Gelbhaar mitgeteilt und ihn daher aufgefordert, von einer Direktkandidatur bei der Bundestagswahl 2025 abzusehen.“
Gelbhaar selbst hatte an Silvester auf seiner Website ausführlich Stellung bezogen. „Die Vorwürfe sind gelogen“, erklärte er. Bei dem Vorgang müsse es sich „um eine in Teilen geplante Aktion“ mit dem Ziel handeln, ihn massiv zu diskreditieren. Nach Angaben des Senders sollen mehrere Frauen dem RBB zum Teil anonym, zum Teil eidesstattlich versichert, von Gelbhaar belästigt worden zu sein.
Gelbhaar, Lagodinsky, Schneider: Abstimmung über Direktkandidaten am 8. Januar

Der Kreisverband will bei einer erneuten Wahlversammlung am Mittwoch (8. Januar) über die Direktkandidatur abstimmen lassen. Bei einer früheren Wahlversammlung Mitte November war Gelbhaar mit 98,4 Prozent der Stimmen zum Direktkandidaten für Pankow gewählt worden.
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Seine Kandidatur für einen Platz auf der Landesliste hatte Gelbhaar Mitte Dezember kurzfristig zurückgezogen und das mit Vorwürfen gegen ihn begründet, damals ohne dabei konkreter zu werden.
BM/dpa




