Drogen werden in Berlin nicht mehr nur an der nächsten Straßenecke oder im Park gehandelt, sondern immer häufiger per Lieferdienst bestellt. „Der Straßenhandel wird weniger und hat – bis auf die kriminalitätsbelasteten Orte – an Bedeutung verloren“, sagte Berlins Polizeipräsidentin Slowik Meisel am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Der illegale Verkauf von Drogen über Lieferdienste, die sogenannten Koks-Taxis, hat den herkömmlichen Verkauf aus Sicht der Polizei demnach inzwischen zu einem größeren Teil ersetzt.

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Nach Angaben der Polizeipräsidentin gilt das für fast alle Substanzen. „Kokain wird über die Lieferdienste verkauft. Aber nicht nur Kokain. Da werden auch Cannabis, Amphetamine und andere Substanzen geliefert. Heroin eher selten“, so Slowik Meisel.
Prinzip Koks-Taxi: Drogen bequem nach Hause ordern
Das Prinzip der sogenannten Koks-Taxis ist simpel. Ein Anruf, eine SMS oder eine Nachricht über WhatsApp genügt, und schon rollt ein paar Minuten später der Drogendealer am vereinbarten Treffpunkt vor, etwa zu Hause oder vor einer Bar. Der Kunde steigt ein, die Ware wird diskret im Auto übergeben. Oft dreht man gemeinsam eine Runde um den Block, um keine Aufmerksamkeit zu erregen.
Längst setzen die Dealer dabei jedoch nicht mehr nur aufs Auto. Neben angemieteten Pkw benutzen die Täter auch unauffällige Fahrräder und E-Roller als Lieferfahrzeuge. „Wir haben seit 2023 bis heute durchschnittlich knapp zwei Lieferdienstfahrzeuge pro Tag polizeilich ‚stillgelegt‘“, sagte Slowik Meisel.
Wie die Polizei in Berlin gegen die Koks-Taxis vorgeht
Vor allem Zivilfahnder werden eingesetzt, um auffälliges Verhalten von Autofahrern und Kunden zu bemerken. Wenn etwa ein Auto kurz anhält und am geöffneten Fenster etwas übergeben wird. Oder wenn jemand einsteigt und nach einer sehr kurzen Fahrt oder einer Runde um den Block wieder aussteigt.
Neben den LKA-Ermittlern haben nach Angaben der Polizeipräsidentin auch örtliche Kriminalreferate, Zivilstreifen der Polizeiabschnitte und der Verkehrsfahndungsdienst das Geschehen im Auge.
Zahl der Drogentoten in Deutschland und Berlin auf Rekordhoch
Bereits im vergangenen Jahr war die Zahl der Drogentoten in Deutschland auf ein Rekordhoch gestiegen. 2023 starben über 2200 Menschen wegen des Konsums illegaler Substanzen. Besonders bei Kokain und Crack gab es einen starken Anstieg. Häufigste Todesursache waren Fälle im Zusammenhang mit Heroin.
Auch in Berlin starben im vergangenen Jahr so viele Menschen durch Drogenkonsum wie noch nie. 271 Drogentote gab es 2023 in der Hauptstadt. In Relation zur Einwohnerzahl gab es damit in Berlin so viele Drogentote wie in keinem anderen Bundesland. Häufigste Todesursache dabei war Mischkonsum.
Kokainschwemme in Europa
Besonders deutlich hat sich der Kokain-Konsum erhöht. Laut Ermittlern herrsche in Europa eine regelrechte Kokainschwemme. Auch hier macht Berlin keine Ausnahme: Der Kokain-Konsum in der Hauptstadt hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verdreifacht, wie aus Abwasseranalysen hervorgeht.
Das weiß auch Polizeipräsidentin Slowik Meisel. Der illegale Handel mit Kokain floriere und laufe vor allem über die großen Häfen Europas, sagt sie. „Das spüren wir natürlich auch in Berlin. Wir arbeiten zusammen mit dem Zoll und der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift (GER) dagegen an“, erklärte sie.
Im Juni dieses Jahres sorgte ein Fall in Baden-Württemberg bundesweit für Schlagzeilen. Dem Landeskriminalamt und dem Zollfahndungsamt war es gelungen, 35,5 Tonnen Kokain (Verkaufswert über zwei Milliarden Euro) sicherzustellen.
mit dpa





