Die Berliner Grünen ziehen mit Bundesfamilienministerin Lisa Paus auf Platz eins der Landesliste in den Bundestagswahlkampf. Die Politikerin, die sich selbst als Mama und Feministin vorstellte, erhielt 107 Ja-Stimmen bei 21 Gegenstimmen und zwölf Enthaltungen. Eine Gegenkandidatur hatte es nicht gegeben, für Paus gab es nach der Verkündung des Ergebnisses Standing Ovations. Dennoch hatte sie unter den Kandidierenden für die ersten drei Listenplätze die geringste Zustimmung bekommen.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die 56-Jährige sprach in ihrer Rede viel über ihre Vorstellung von feministischer Politik. Es gehe darum, Sorgearbeit anzuerkennen, Investitionen in Kitas, Schulen und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erreichen, „und zwar für alle Geschlechter“, so Paus. Auch der Schutz von Frauen vor Gewalt stehe oben auf der Agenda. „Fast jeden Tag tötet ein Mann in Deutschland eine Frau. Aber 15.000 Frauen mussten im vergangenen Jahr in Frauenhäusern abgewiesen werden, aus Platzgründen.“

Paus, die aus dem Kreisverband Charlottenburg-Wilmersdorf kommt, stand schon bei der Bundestagswahl 2021 auf Platz eins der Landesliste. Auf die Nachfrage eines Delegierten, wie sie dazu stehe, 2026 bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin Spitzenkandidatin zu werden, äußerte sie sich nicht weiter. Sie kandidiere heute für die Bundestagswahl, für alles andere sei dies nicht die richtige Stelle, so Paus.

Wahlkampfleiter von Robert Habeck landet auf Listenplatz zwei

Auf Platz zwei wurde Andreas Audretsch gewählt, der unter den Anwesenden auf große Begeisterung stieß. Knapp 89 Prozent der Delegierten stimmten für ihn. Audretsch, der aus dem Kreisverband Neukölln stammt, ist derzeit stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion und neuer Wahlkampf-Chef unter Kanzlerkandidat Robert Habeck. In seiner Vorstellung sprach er vor allem über Gerechtigkeit. Für das Thema forderte er einen „neuen Diskurs“, nachdem in den vergangenen Jahren etwas in der Gesellschaft gekippt sei. Er sei überzeugt, dass die Grünen den Menschen Hoffnung und Zuversicht geben könnten, ohne nach unten zu treten, so Audretsch.

Listenplatz drei ging an die Landesvorsitzende der Grünen in Berlin, Nina Stahr. Auf sie entfielen rund 83 Prozent der abgegebenen Stimmen. Sollte Stahr in den Bundestag gewählt werden, hätte das auch Folgen für den Landesverband: Langfristig sei der Vorsitz nicht mit einem Bundestagsmandat vereinbar, sagte Stahr am Sonnabend, weshalb sie bei einem Wiedereinzug in das Parlament „schweren Herzens“ ihr Amt aufgeben würde. Stahr hatte den Landesvorsitz an der Seite von Philmon Ghirmai im Dezember 2023 in einer Krisensituation übernommen. Zunächst war sie noch parallel Bundestagsabgeordnete, sie verlor ihren Sitz jedoch in Folge der teilweisen Wiederholungswahl im Frühjahr. Zuvor hatte sie sich vor allem mit Bildungs- und Familienthemen beschäftigt.

Für die Grünen gilt als sehr wahrscheinlich, dass zumindest die beiden Ersten auf der Landesliste in den Bundestag kommen, auch wenn sie das Direktmandat nicht gewinnen.