Ende Oktober sorgte der Zufallsfund eines halben Kilos hochexplosivem Triacetontriperoxids (TATP) im Rucksack eines Polen im Bahnhof Neukölln für Aufregung. Der Tatverdächtige und sein mutmaßlicher moldauischer Komplize konnten damals flüchten, die Hinweise deuteten darauf, dass es sich bei ihnen um professionelle Automatensprenger handelt. Nun soll der 34-jährige Pole tot sein, wie die Berliner Morgenpost aus Sicherheitskreisen erfuhr.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Sollte sich das bestätigen, wird die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen ihn einstellen, verkündete sie am Freitag. Noch werde aber die DNA-Identifizierung abgewartet. Den Angaben zufolge starb der 34-Jährige am 24. November bei einem durch eine Explosion ausgelösten Brand in einer Wohnung in Lohne in Niedersachsen. Die aufgefundene Leiche sei bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, so die Staatsanwaltschaft. Die Vermutung liegt nahe, dass er bei einem Unfall mit gelagerten Sprengstoff ums Leben kam, die Ermittlungen dauern aber noch weiter an. Wo sich der flüchtige Moldauer befinde, sei derweil nicht bekannt, hieß es am Freitag.

Sprengungen von Automaten in Berlin haben zugenommen

In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Sprengungen von Geldautomaten in Berlin stetig zugenommen. Experten gehen davon aus, dass dies mit den verstärkten Grenzkontrollen an Deutschlands Westgrenzen zu tun hat. Waren vor fünf Jahren noch organisierte Banden aus den Niederlanden und Belgien vor allem in Nordrhein-Westfalen aktiv, verlagert sich das Geschehen nun verstärkt nach Ostdeutschland.

Gab es 2020 noch vier Sprengungen in Berlin, waren es 2021 und 2022 bereits jeweils sechs und 2023 dann 24. Im laufenden Jahr kam es schon zu 39 Einsätzen von Sprengstoffen – ein absoluter Rekord. 14 davon waren erfolgreich, das heißt, es wurde Geld erbeutet. Die entstehenden Schäden sind enorm. Denn: Beobachter warnen davor, dass Täter immer häufiger zu gefährlichem, hochexplosivem und schwer zu kontrollierendem Sprengstoff wie TATP greifen. Zu Beginn waren Explosionen vor allem durch Gas eingeleitet worden.

Spranger: Banken müssen mehr in ihre Sicherheit investieren

Das Problem war auch Thema bei der diesjährigen Innenministerkonferenz in Brandenburg. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) setzte sich für eine Protokollnotiz ein. Sie forderte Bankinstitute dazu auf, umfassender in moderne Sicherheitsinstrumente zu investieren. „Diese Steigerung von Geldautomatensprengungen ist eine besorgniserregende Entwicklung, die nicht nur erhebliche wirtschaftliche Schäden verursacht, sondern durch die zunehmende Gefährlichkeit von Sprengstoffen auch die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger massiv gefährdet“, so Spranger. Die Banken trügen hier eine besondere Verantwortung, ihre Infrastruktur so zu sichern, dass diese Taten erschwert oder verhindert werden könnten.

„Es darf nicht allein Aufgabe der Sicherheitsbehörden und der Polizei Berlin sein, auf diese Bedrohung zu reagieren“, forderte die SPD-Politikerin. Die Polizeigewerkschaft GdP hatte in der Vergangenheit immer wieder an die Banken appeliert, flächendeckend moderne Videotechnik, Alarm-Sicherung, Vernebelungsanlagen, Tintensysteme und Nachtverschlüsse einzuführen.