Fünf Traktoren hatten es schon am Samstagmorgen fast bis vor das Brandenburger Tor geschafft. Im Vergleich zu den vielen Fahrzeugen und Lastwagen mit Deutschlandflaggen, politischen Botschaften und Friedenssymbolen, die um sie herum auf der Straße des 17. Juni bis runter zur Siegessäule standen, fielen sie kaum auf.

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Ein passendes Bild für die Kundgebung des in Bayern ansässigen Vereins „Hand in Hand für unser Land“, die als eine Art Erneuerung der Bauernproteste des Vorjahres angekündigt wurde und doch nur wenige Landwirte angezogen zu haben schien. Im Vorfeld hatten sich die großen Bauernverbände einhellig von der Veranstaltung distanziert, die den ganzen Samstag lang stattfand und auf die zahlreiche prominente Verschwörungstheoretiker eingeladen worden waren..

Davon zeigte man sich auf der Bühne am Platz des 18. März allerdings betont unbeeindruckt. Der Verein selbst sieht sich als Vertretung der „arbeitenden Mittelschicht“, neben Bauern würden auch Handwerker, Unternehmer, Familien und Rentner zu seinen Mitgliedern zählen. „Die Verbände lieben die Nähe zur Politik und zu Politikern“, sagte ein Redner unter großem Applaus der Zuhörerschaft.

„Und wir wollen hier keine Politiker, sondern wir wollen Bürger!“ 10.000 Menschen waren zuvor für die Demonstration angekündigt worden, die Teilnehmer hatten sich bereits vor einigen Tagen in Polizeibegleitung aus allen Ecken Deutschlands in die Hauptstadt aufgemacht. Ganz so viele wurden es dann doch nicht. Die Polizei sprach von einer Teilnehmerzahl im „hohen dreistelligen Bereich“.

Demonstration des Vereins "Hand in Hand für unser Land"
Die Teilnehmer der Demonstration „Hand in Hand für unser Land“ weisen teils sehr drastisch auf die derzeitige ökonimische Lage in Deutschland hin.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Unklarheit über politische Ziele des Vereins

Nach Angaben der Polizei gesellten sich im Laufe des Tages noch Dutzende Traktoren zu der Demonstration am Brandenburger Tor. Ein Polizeisprecher sprach von einer niedrigen dreistelligen Zahl von Fahrzeugen. Zwei kleinere Kolonnen bewegten sich durch die Stadt. Es gebe Verkehrsbeeinträchtigungen, aber zunächst keine größeren Störungen, sagte der Sprecher vor Beginn der geplanten Kundgebung am Nachmittag. Die Veranstalter selbst hatten 1000 Fahrzeuge angekündigt.

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Das Anliegen der Demonstration indes ist diffus. In der Ankündigung für die Versammlung wird unter anderem „Rederecht“ im Bundestag gefordert, zugleich gehe es um Energiesicherheit, Gesundheitspolitik und agrarpolitische Themen. Zahlreiche Schilder und Plakate wiesen zudem auf die derzeit schwierige wirtschaftliche Lage in Deutschland hin, vielleicht am eindrücklichsten dargestellt durch einen Holzsarg mit Aufschrift „Deutschland stirbt!“.

Auch Frieden und diplomatische Gespräche mit Russland wurden gefordert, „andere Meinungen“ dürften in der gesellschaftlichen Debatte nicht mehr kriminalisiert und unterdrückt werden. Viele Teilnehmer äußerten Sorge vor einem dritten Weltkrieg. Einige Botschaften enthielten Drohungen gegen die Bundesregierung und riefen dazu auf, vom Widerstandsrecht des Grundgesetzes Gebrauch zu machen. Trommeln, Trillerpfeifen und Kuhglocken waren zu hören.

Verschwörungstheoretiker auf der Rednerliste

Nur wenige Traktoren waren am Samstag auf der Straße des 17 Juni zu sehen.
Nur wenige Traktoren waren am Samstag auf der Straße des 17 Juni zu sehen.© BM | Dennis Meischen

„Arbeit muss sich wieder für alle lohnen und das Leben für die Bürgerinnen und Bürger muss wieder lebenswert werden“, sagte Frank Wolfgang Hirdes, Sprecher von „Hand in Hand“, dieser Redaktion. Der Mittelstand in Deutschland sterbe gerade leise, die Menschen bräuchten grundlegende Veränderungen, um ihren Lebensstandard auch im Vergleich zum europäischen Ausland wieder zu heben. Konkrete Vorschläge hierfür nannte Hirdes allerdings nicht.

Medienberichte hatten die Veranstaltung im Vorfeld in die Nähe der Reichsbürgerbewegung und der Freidenkerszene gerückt. Am Reichstag fand eine Antifa-Gegendemonstration mit zehn Teilnehmern statt. Grund ist, dass mit Anselm Lenz und Axel Turck zwei Personen auf der Rednerliste der Kundgebung stehen, die in der Vergangenheit mit verschwörungstherotischen Aussagen aufgefallen waren. Auf der Veranstaltung selbst wies man das zurück. „Wir sind weder links noch rechts, wir sagen nur unsere Meinung“, hieß es. Auch Sprecher Hirdes widersprach den Vorwürfen.

Als vielleicht prominentestes Gesicht sprach am Nachmittag auch der Politiker Jürgen Todenhöfer vor dem Brandenburger Tor. „Wir wenden uns gegen das Chaos in der Außenpolitik“, sagte Todenhöfer und hetzte gegen führende Bundespolitiker: „Sie führen einen Krieg gegen ihr Volk und ihre Wirtschaft.“

Demonstration des Vereins "Hand in Hand für unser Land"
Hunderte Traktoren, Lastwagen und Autos sollten sich an der Demonstration beteiligen. Es waren am Ende viel weniger.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Besonders viel Mühe gaben sich die Redner derweil nicht, die Bedenken gegen sich zu zerstreuen. Eine Rednerin etwa forderte einen „Trump für Deutschland“, der in Brüssel aufräumen und in Europa für Frieden sorgen sollte. Der bekannte Verschwörungstheoretiker Ken Jebsen sandte eine Videobotschaft.