• Der All-Inclusive-Weihnachtsmarkt in Friedrichshain ist eine Kuriosität in Berlin
  • Der Eintritt zu „Weihnachten an der Spree“ ist teuer – doch lohnt sich das Angebot?
  • Wir haben es getestet

Erste Reaktion: Nö. Ein Weihnachtsmarkt mit Eintritt ist ja für viele Besucher schon schwierig, aber statt zwei Euro wie am Bebelplatz gleich 65 Euro auf den Tisch legen? Pro Person, nur für einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt? Also ehrlich. Andererseits: Die Preisliste des All-Inclusive-Weihnachtsmarkts „Weihnachten an der Spree“ schockt zwar auf den ersten Blick. „Aber wenn man es mit anderen Weihnachtsmärkten vergleicht, gibt man Ende dort mindestens genauso viel aus“, sagt Besucherin Jeannine aus Steglitz. „Und hier muss man dafür weder Schlange stehen noch im Gedränge“, sagt ihre Kollegin Thora.

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Die beiden Steglitzerinnen gehörten, mit Kollegen und Anhang, zu den ersten Besuchern des weihnachtlichen Marktes am Spreespeicher in Friedrichshain, der seit Montag wieder geöffnet hat. Seit 2021 gibt es den All-You-Can-Eat-Weihnachtsmarkt, der sein Angebot und auch die Fläche inzwischen erweitert hat. Einmal bezahlen und so viel essen und trinken, wie man will. Um 17 Uhr öffnet der Markt – und wer auf die geheizten Sitzplätze im „Vip-Zelt“ verzichtet und bereit ist, am Eingang kurz Schlange zu stehen, ist mit rund 45 Euro dabei, ab 19 Uhr sogar nur noch rund 30 Euro pro Person.

All-Inclusive-Weihnachtsmarkt an der Spree
Daniel, Thora, Ronald und Jeannine sind Kollegen und auch Steglitz an die Spree gekommen. © BM | Uta Keseling

All-Inclusive-Weihnachtsmarkt: „Schmeckt alles super“, loben die vier

„Auf vielen Märkten kostet allein ein Glühwein schon fünf oder sechs Euro, wenn man dann noch was isst, kommt es aufs Gleiche hinaus“, rechnen Thora und Jeannine vor. „Und hier ist die Atmosphäre einfach schön und entspannt.“ Den Tipp, mit Kollegen nach Feierabend herzukommen, hätten sie von Freunden, erzählen sie. Mit den Burgern, der Pilzpfanne, Glühwein und heißer Schokolade seien sie zufrieden: „Schmeckt alles super“, loben die vier.

All-Inclusive-Weihnachtsmarkt an der Spree
Jenny und Jasmin servieren Spätzle mit Gulasch. © BM | Uta Keseling

Um 17 Uhr sind viele Besucher Arbeitskollegen, Freunde aus verschiedenen Stadtteilen von Spandau bis Hohenschönhausen. Was auffällt: Touristen und laute, trinkfreudige Gruppen sind an diesem Abend nicht mit dabei. Ein Pluspunkt bei Weihnachtsmärkten mit Eintritt sind die Sicherheitsleute, die einen Blick auf das Publikum haben.

Wie funktioniert der All-Inclusive-Weihnachtsmarkt in Berlin?

Das Prinzip des Markts an der Spree erinnert ein bisschen an Pauschalreisen. Tickets können nur vorab (und nur online) gebucht werden. Am Einlass wird ein QR-Code gescannt, dafür gibt es eine Marke, die wiederum in einen Pfandbecher getauscht wird. Wer den Vip-Tarif gebucht hat, bekommt ein Bändchen. Und darf sich im Zelt aufwärmen und, so das Versprechen, kann sich Getränke an einer eigenen Station abholen.

Am ersten Abend bleibt das Zelt allerdings weitgehend leer. Zwar sind tatsächlich schon einige hundert Besucher gekommen, auch wenn die Adventszeit erst in zwei Wochen beginnt. Entlang der Spree sind rustikale Stehtische aufgebaut, viele mit Dach und Terrassenheizern mit Gasflammen daneben – die meisten Gäste stehen hier. Sie sind eher zum Essen gekommen als zum lauten Feiern – und für die Aussicht, die hier tatsächlich besonders schön ist.

Weihnachtsmarkt-Flatrate: Wie schmeckt‘s?

Das „All inclusive“-Angebot umfasst neben Pulled-Pork-Burger, Chili con Carne oder Spätzle mit Käse oder Gulasch auch Baguette mit gegrilltem Lachs, Vegetarisches wie Pilzpfanne, Kartoffelpuffer oder Kürbissuppe. An anderen Ständen gibt es Crêpes, Waffeln, Quarkbällchen und gebrannte Mandeln. Die Burger sind frisch, knusprige Buns, zartes Fleisch, handhabbare Größe. Die Spätzle haben, zumindest am ersten Abend, vielleicht etwas zu lange auf die Besucher gewartet und sind teilweise hart. Das Gulasch zart, die Baguettes werden frisch belegt. Pluspunkt im Vergleich zu anderen Märkten: Alles wird frisch zubereitet, die Stände wirken sauberer und aufgeräumter als auf den überfülltem Standardmärkten.

Allerdings sollten die kulinarischen Erwartungen nicht zu hoch sein. Holzofenpizza gibt es ebenso wenig wie Lebkuchenherzen, dafür aber auch kein ungenießbares Stockbrot oder mit Käse überbackene Seltsamkeiten wie auf anderen Märkten. Bratwurst gibt es, Pommes offenbar nicht. Größter Vorteil aus Sicht der Erstbesucherin sind die freundlichen Bedienungen an den vielen Tresen – kein Verkaufsdruck bedeutet eben auch: kein Stress für die Gäste.

Was gibt‘s auf dem Weihnachtsmarkt zu trinken?

Und die Getränke? Im Ticketpreis inbegriffen sind natürlich weihnachtliche Getränke wie Glühwein, Kinderpunsch oder heiße Schokolade aus Plastikbechern – die allerdings leicht umkippen. Aber glücklicherweise ist der Boden mit Holzspänen belegt, und es gibt ja die Flatrate. Auch Bier, Sekt und Softdrinks sind darin enthalten. Gegen einen Euro Aufpreis gibt es außerdem Obstler oder Glühwein mit Schuss.

Ein bisschen Abenteuerspielplatz, ein bisschen Betriebsausflug

Im Eintrittspreis enthalten sind auch weihnachtliche Spiele wie Eisstockschießen, „XXL-Jenga“ oder Wettnageln. Die ambulant aufgebauten Spiele erinnern eher an irgendwas zwischen einen Abenteuerspielplatz und Betriebsausflug, aber immerhin nicht an die Jahrmarkt-Rummel anderer Märkte. Was vielen Besuchern gefällt. Gelächter gibt es am „XXL-Jenga“, das sind Bauklotztürme, die immer wieder zusammenfallen. Das Eisstockschießen kommt ohne Eis aus, das Wettnageln besteht aus zwei schlichten Hackklötzen, zwei Hämmern und einer Schachtel Nägel.

All-Inclusive-Weihnachtsmarkt an der Spree
Die Freundinnen Ramona und Gabi aus Grunewald loben die Atmosphäre – und versuchen sich am Wettnageln.© BM | Uta Keseling

Hier versuchen sich als erste des Abends Gabi und Ramona. Die Freundinnen sind aus Grunewald gekommen. Ihr Lieblings-Weihnachtsmarkt sei der „Märchenhafte Weihnachtsmarkt“ im Jagdschloss Grunewald, der aber immer nur an einem Advents-Wochenende öffnet – dieses Jahr am 7. und 8. Dezember. Den Markt an der Spree finden die beiden sehr schön, „zur Einstimmung in die Adventszeit, aber auch wegen der Lage“. Am Ufer haben die beiden Fotos der bunt angestrahlten Oberbaumbrücke gemacht, über der schimmernden Spree, samt Fernsehturm und den Lichtern der Stadt. Berlin ist ja, wenn man mal einen Schritt zurücktritt, eigentlich selbst ein Weihnachtsbaum.

All-Inclusive-Weihnachtsmarkt an der Spree
Sein erster Tag als Weihnachtsmann : Norbert, 66 Jahre, ist Rentner und arbeitet neuerdings. © BM | Uta Keseling

Für Weihnachtstimmung sorgen dezente Musik, auch das loben viele Besucher, vor allem aber Norbert, der Weihnachtsmann. Der 66-Jährige läuft mit Sack und großen Buch durch die Menge, stellt sich zu Selfies und scheint den Abend selbst am meisten zu genießen. Tatsächlich ist es auch für ihn eine Premiere: „Mein erster Abend als Weihnachtsmann überhaupt.“ Er habe sich eigens den Bart stehen lassen, er lacht. Er arbeite als Rentner für eine Weihnachtsmann-Agentur, erzählt er, „bei der der echte Bart als Bedingung dazugehört.“

All-Inclusive-Weihnachtsmarkt in Berlin: Wie lautet das Fazit?

Was man auf dem Weihnachtsmarkt an der Spree nicht erwarten sollte: Holzwindmühlen, Schwibbögen, Duftkerzen und das Angebot an Jahrmarktsramsch wie auf manch anderem Markt. Bis auf einen Stand mit Schmuck und einen mit Strickwaren gibt es kein Shopping. Die Mützen und Schals sind immerhin eine gute Idee, am Spreeufer ist es doch kälter und windiger als in der Stadt.

Fazit: Kulinarische Höhenflüge sollte man nicht erwarten, fürs weihnachtliche Vorglühen mit Freunden und Kollegen (die es sich leisten können) ein toller Ort – und für Weihnachtsmarkt-Hasser ein Angebot für den Wiedereinstieg.

  • Weihnachten an der Spree
  • Adresse: Spreespeicher, Stralauer Allee 2, 10245 Berlin-Friedrichshain
  • Öffnungszeiten: täglich 17 bis 22 Uhr, bis 30. Dezember; am 24. und 25. Dezember ist der Markt geschlossen
  • Preis: 29,90 bis 45,90 Euro, je nach Uhrzeit
  • Anfahrt: Über U-Bhf Wahrschauer Straße
  • Weitere Infos: www.weihnachten-an-der-spree.de.