Berlins Lehrkräfte sind durch ihre Arbeit stark belastet – und so auch einem höheren Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Universität Göttingen, die am Montag mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin vorgestellt wurde. Für diese sind 2744 Berliner Lehrerinnen und Lehrer befragt worden, unter anderem zu ihrem Wohlbefinden, ihrer Arbeitszufriedenheit oder dem empfundenen Arbeitstempo. Demnach ist der Belastungsgrad bei Lehrern höher als bei anderen Berufen, teilweise sind die erzielten Werte auch schlechter als bei früheren Studien unter Lehrern in anderen Städten oder Bundesländern.

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Das zeigt sich etwa daran, wie Lehrkräfte ihre Gesundheit selbst beurteilen. 44 Prozent derjenigen, die an der Befragung in Berlin teilnahmen, schätzten diese gut oder sehr gut ein. Für Deutschland lag dieser Wert laut DGB Index Gute Arbeit bei 60 Prozent, unter Frankfurter Lehrkräften bewerteten 53 Prozent ihre Gesundheit als gut oder sehr gut. Noch schlechter war das Ergebnis allerdings vor zwei Jahren in Sachsen, als nur 40 Prozent der Lehrkräfte eine positive Bilanz für ihren Gesundheitszustand zogen.

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Berlins Lehrer haben hohes Gesundheitsrisiko – eine Gruppe besonders betroffen

Auch bei der psychischen Erschöpfung und dem Risiko für ein Burnout liegen die Werte von Berlins Lehrkräften unter dem Durchschnitt. Lediglich 21 Prozent liegen der Studie zufolge im Normalbereich, 58 Prozent haben ein moderates und 21 Prozent ein hohes Burnout-Risiko. Man sehe auch insgesamt die Tendenz, dass die psychische Erschöpfung kontinuierlich zugenommen hat, sagte Frank Mußmann, Leiter der Studie. „Aber das Niveau bei den Berliner Lehrkräften ist schlichtweg höher.“

Besonders schlecht schnitten in der Studie die Grundschulen ab. „Die Grundstufe ist stärker belastet und hat höhere Gesundheitsrisiken als der Sekundarbereich“, sagte Mußmann. Nur ein Viertel ziehe dort eine positive Bilanz zum Verhältnis zwischen Anstrengung und Gratifikation, etwa durch die Anerkennung von Kollegen und Vorgesetzten oder eine als fair empfundene Bezahlung. Über alle Schulformen hinweg ist es ein Drittel. 34 Prozent sehen an Grundschulen wiederum, dass Anstrengung die Gratifikation überwiegt.

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Grundschullehrkräfte beurteilen Wohlbefinden am schlechtesten

Auch ihr Wohlbefinden bewerten Grundschullehrer im Schnitt schlechter als Lehrkräfte im Sekundarbereich. Im Bereich der Arbeitszufriedenheit sind die Werte sogar noch schlechter als sie es für die Grundstufe 2020 in Frankfurt und 2022 in Sachsen waren. Nur 22 Prozent der befragten Grundschullehrer gaben eine hohe Arbeitszufriedenheit an. Als Gründe, warum die Grundstufe so schlecht abschneidet, wird etwa gesehen, dass die körperliche Anstrengung dort höher sei und eine Verschlechterung der Arbeitssituation wahrgenommen werde.

Stehen Anstrengung und Gratifikation in einem negativen Verhältnis, hat das noch weitere Folgen: Wie Thomas Hardwig von der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften erklärte, führe das dazu, dass die Attraktivität eines Berufes abnimmt – was in der Konsequenz auch einen Personalmangel und fehlenden Nachwuchs nach sich ziehen kann. Fehlt Personal, ist für die verbliebenen Lehrkräfte wiederum die Belastung höher. „Das ist eine Art Teufelskreis“, so Hardwig. Einen noch schlechteren Wert als Lehrkräfte erzielte einer anderen Studie zufolge unter anderem die Krankenpflege.

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Berliner Lehrkräfte mit pessimistischer Erwartung für die Zukunft

Optimismus, dass sich die Situation der Berliner Lehrkräfte zeitnah verbessert, gibt es den Experten zufolge nicht. „Es gibt eine flächendeckende pessimistische Erwartung, was die Zukunft in den Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen in diesem Beruf betrifft“, sagte Hardwig. „Das ist natürlich extrem schlecht für die Gesundheit, wenn man keine positive weitere Erwartung mehr hat.“ Helfen könne nur eine „glaubhafte Entlastungsstrategie“ für Berliner Schulen. Laut Hardwig erfordert das etwa: mehr Personal, kleinere Klassen oder die Möglichkeit, Verwaltungsaufgaben oder die IT-Betreuung an andere Beschäftigte zu übergeben, damit sich Lehrkräfte wieder stärker auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können.

Ähnlich äußerte sich Anne Albers, Leiterin des Vorstandsbereichs Beamten-, Angestellten- und Tarifpolitik der GEW Berlin. „Die Ergebnisse unterstreichen, dass ein großer Teil der Berliner Lehrkräfte unter dauerhaft zu hoher Arbeitsbelastung leidet“, sagte sie. Es brauche nun „schnell ein Signal der Senatorin, dass sie gewillt ist, für eine geeignete Entlastung zu sorgen“. Sie sprach sich außerdem für Verbesserungen bei der Digitalisierung aus, um Stress zu reduzieren, sowie ein Pilotprojekt zur Arbeitszeiterfassung.

BM/dpa