Der Zoo Palast in der City West – Bühne großer Bilder und noch größerer Geschichten. Immer mal wieder öffnet das Kino aber auch seine Türen für andere Veranstaltungen, so wie am Montagabend. Welches filmische Genre die Diskussionsrunde „Morgenpost mittendrin“ im cineastischen Betrieb nun repräsentieren würde, ist aber schwer zu sagen. Zu komplex und vielschichtig waren die Themen, anhand derer die Gäste auf dem Podium über die Zukunft der Stadt debattierten.

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Dirk Stettner (Fraktionsvorsitzender der CDU) und Sven Heinemann (Landesgeschäftsführer der SPD) repräsentierten auf dem Panel die Berliner schwarz-rote Koalition, Stefanie Remlinger (Grüne) als Bürgermeisterin von Mitte die Ebene der Bezirke und Friedrich Kiesinger (Sozialunternehmer der Albatros GmbH) die Perspektive von außen.

Morgenpost mittendrin: Meinungsforscher präsentieren exklusives Stimmungsbild der Berliner

Das Marktforschungsunternehmen Civey präsentierte zu Beginn des Abends eine neue Studie, die im Auftrag der Berliner Morgenpost repräsentative Meinungen über das Selbstverständnis der Hauptstadt abbildete. Bei der Frage, welche Aspekte Berlin lebenswert machen, stach das Kulturangebot und die kreative Szene heraus (39 %). Gefolgt von Grünflächen und Parks (37 %), dem gastronomischen Angebot (27 %) sowie Offenheit und Toleranz (24 %).

Es gibt verschiedene Facetten für die Politiker dieser Stadt zu berücksichtigen, was in den Augen der Bürger momentan eher unzureichend gelingt. Laut der Civey-Studie sagen zwei von drei Berlinern (66 %), dass der Senat nicht die richtigen Probleme angehe. Im Gegensatz dazu sind nur zehn Prozent überzeugt, dass die schwarz-rote Koalition gerade an den richtigen Stellschrauben dreht.

Morgenpost mittendrin: Heinemann spricht über Zukunft des 29-Euro-Tickets

Die Sparzwänge im Haushalt schweben wie eine dunkle Wolke über diesen Themen. Viele Bereiche befürchten aktuell Etatkürzungen angesichts des Drei-Milliarden-Euro-Lochs, das noch gestopft werden muss. „Das findet in allen Bereichen statt, aber politisch gewichtet“, sagte CDU-Mann Stettner am Montag. Die Civey-Umfrage brachte hervor, dass sich die Berliner vor allem in den Bereichen Bildung (60 %) und Innere Sicherheit (50 %) keine Einsparungen wünschen.

Der Bereich Kultur rangierte nur auf dem siebten Platz (17 %), auch wenn Vertreter der städtischen Szene schon seit mehreren Wochen öffentlichkeitswirksam gegen die drohenden Kürzungen protestieren. Stettner versuchte, zu beschwichtigen: „Noch ist nichts beschlossen. Wir werden in allen Bereichen effizienter werden müssen, das betrifft auch den Kulturbereich. Aber nicht in hervorgehobener Art und Weise.“

29-Euro-Ticket soll erhalten bleiben – aber teurer werden

Koalitionspartner Heinemann hob sozialpolitische Maßnahmen heraus, wie die Zukunft des 29-Euro-Tickets, dessen Abschaffung droht: „Das Ticket wird es weiterhin geben, aber nicht für einen Euro am Tag.“ Ob die Entwicklung nun auf den kolportierten Preis von 39 Euro zusteuert, wollte der SPD-Politiker nicht bestätigen. Heinemann sagte aber: „Ich glaube, dass es auch für einen höheren Preis ein attraktives Angebot ist.“

Ein anderes großes Thema der Koalition ist die Verwaltungsreform, in der es auch um eine verbesserte Kooperation zwischen Land und Bezirken geht. Bezirksbürgermeisterin Remlinger sagte dazu: „Wir wünschen uns, dass das Land mehr steuert. Wir wünschen uns, dass der Senat sich aus den Feinheiten heraushält, aber die Verordnungen schreibt, die wir brauchen.“

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Auch Sozialunternehmer Kiesinger machte sich für eine effektivere Organisation in der Stadt stark: „Berlin war ein Magnet für Menschen, die etwas bewegen wollten. Jetzt sind wir zu sehr in eine verwaltende, verkrustete Struktur gekommen.“ Um die daraus resultierende Frage zu klären, welche Bereiche denn in der Lage seien, eine „Aufbruchsstimmung“ (Kiesinger) zu erzeugen, wurde am Montagabend auch das Publikum mit einbezogen.

Stettner will „Zuständigkeitschaos“ in Berlin lösen

Sowohl die Zuschauer im Kinosaal, als auch die im digitalen Livestream auf dem YouTube-Kanal der Berliner Morgenpost, konnten in einer Live-Abstimmung ihre Meinung kundtun, in welchen Bereichen sie sich Investitionen wünschen. Ganz vorne war auch in diesem Ranking das Thema Bildung, in ausformulierten Fragen der Zuhörer am Ende der Veranstaltung wurde aber zum Beispiel auch das Thema Kultur noch einmal verstärkt angesprochen.

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So wurde deutlich, dass in allen Bereichen trotz der aktuell komplizierten Haushaltslage die Visionen in Berlin noch nicht gebrochen sind. „Wenn wir uns hier in ein paar Jahren wieder treffen, sollten wird das Zuständigkeitschaos in Berlin gelöst haben und es sollte jeder kein Problem mehr haben, einen Termin im Bürgeramt zu bekommen, wenn er einen möchte. Optimalerweise muss er gar nicht mehr hingehen, weil wir es in digitale Verfahren übersetzt haben“, sagte Stettner.

Heinemann: „Haben nicht den Turbo wie nach dem Mauerfall“

Bei all den kleinteiligen Problemen, die es auch in der Hauptstadt zu bewältigen gilt, bleibt Berlin aber doch auch immer Spiegelbild des Weltgeschehens. „Ich hoffe, dass die Stadt in einigen Jahren wieder von mehr Frieden in der Welt profitiert, so wie es in den 90er-Jahren war“, erklärte Heinemann zum Abschluss von „Morgenpost mittendrin“.

In der Woche nach den Feierlichkeiten des Mauerfall-Jubiläums werde aber eben auch deutlich, was noch fehle. „Wir haben gerade nicht den Turbo wie nach dem Mauerfall“, sagte Heinemann. Dennoch habe die Geschichte der Stadt gezeigt, dass auch nach schwierigen Phase irgendwann immer wieder eine Zeit des Aufbruchs komme. Und so kann dann vielleicht auch eine Diskussion über die Zukunft Berlins in den Mauern des Zoo Palastes als romantische Komödie betrachtet werden.