Den Ist-Zustand des Tempelhofer Feldes bewahren oder bauliche Veränderungen zulassen: Dieser erbittert ausgefochtene Richtungsstreit geht in eine neue Runde. Am Mittwoch kommender Woche macht Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) ernst. Seine Verwaltung wird auf der Onlineplattform Wettbewerbe aktuell europaweit einen stadt- und freiraumplanerischen Ideenwettbewerb für das Tempelhofer Feld ausloben.

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„Der Wettbewerb ist mit dem Tempelhofer Feld-Gesetz durchaus im Einklang“, betonte Gaebler bei der Vorstellung des Wettbewerbsverfahrens am Freitag. 2014 hatte ein erfolgreicher Volksentscheid ein Bebauungsverbot des Tempelhofer Feldes erwirkt. Dass nun europaweit nach stadt- und freiraumplanerischen Visionen gesucht werde, so der Senator, sei keine Missachtung des Gesetzes. Und auch nicht der Dialogwerkstatt, in der sich 275 per Los ausgewählte Bürgerinnen und Bürger ebenfalls mehrheitlich gegen eine Bebauung des Tempelhofer Feldes ausgesprochen hatten.

Ein Bauauftrag ist im Wettbewerb nicht enthalten

Bei dem zweiphasigen Ideenwettbewerb handele es sich aber eben nicht um einen Realisierungswettbewerb, sagte Gaebler. Der Wettbewerb, der sich an interdisziplinäre Planerteams aus Architekten, Stadtplanern und Landschaftsarchitekten richte, sei daher auch nicht mit einem Auftragsversprechen verbunden. Vielmehr gehe es darum, ein Bild von einer möglichen Weiterentwicklung zu bekommen. Denn, auch das habe die Dialogwerkstatt ergeben, es hätten sich durchaus viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine bessere Nutzbarkeit des Feldes gewünscht.

Planer sollen das ganze Feld in den Blick nehmen

Daher, so Gaebler weiter, habe man die Aufgabenstellung auch bewusst nicht auf eine Randbebauung fokussiert, sondern Entwürfe eingefordert, die das gesamte Feld in den Blick nehmen. Ebenfalls würden keine Vorgaben gemacht, die etwa Hochhäuser oder auch einen See ausschließen würden. Klar sei aber, dass eine behutsame Weiterentwicklung gesucht werde, bei der weder gigantische Rodelberge, wie sie etwa bei einem früheren Ideenwettbewerb eingereicht wurden, noch Hochhauscluster mit 150-Meter-Türmen eine Chance hätten. Gaebler: „Wir suchen keine Utopien, sondern umsetzbare Entwürfe, die die gesamtstädtischen Bedarfe und auch die Empfehlungen der Dialogwerkstatt berücksichtigen.“

Angesichts der zugespitzten Wohnungsnot seit dem Volksentscheid 2014 und der vielen Flächenbedarfe für verschiedenste Nutzungen in der wachsenden Stadt bedürfe es einer neuen Debatte über die Zukunft des Tempelhofer Feldes. Dies habe sich auch die schwarz-rote Koalition 2023 im Koalitionsvertrag vorgenommen. Darin heißt es, man werde, „die Möglichkeiten einer behutsamen Randbebauung“ ausloten. Dennoch seien die Ergebnisse keine Festlegung pro oder contra Randbebauung, sondern ein fachlicher Beitrag für die stadtweite Debatte, sagte der Stadtentwicklungssenator.

Die besten fünf Entwürfe werden gekürt

Der vom Senat ausgelobte Ideenwettbewerb, der kommende Woche startet, ist in zwei Phasen über sieben Monate gegliedert. In der ersten Phase werden aus den Entwürfen durch ein Preisgericht bis zu 20 Konzepte ausgewählt. Im Juni 2025 soll die Jury, in der neben Experten auch Teilnehmer aus den Dialogwerkstätten sitzen, die besten fünf Entwürfe auswählen. Anschließend sollen im Juli 2025 die Ergebnisse in einer dritten Dialogwerkstatt den Teilnehmenden vorgestellt und im September 2025 allen interessierten Berlinerinnen und Berlinern in einer Ausstellung zugänglich gemacht werden.

Wie es danach weitergeht, ist allerdings völlig offen. Ob am Ende den Bürgerinnen und Bürgern alle fünf Entwürfe in einem erneuten Volksentscheid vorgelegt werden oder in einem fakultativen Volksbegehren – also einer Volksbefragung „von oben“ – abgestimmt wird und ob dafür, je nachdem, was die Siegervision vorsieht, das Tempelhofer Feld-Gesetz geändert werden müsste, ließ Gaebler offen.

Ihm sei bewusst, dass es sich bei der möglichen Entwicklung des Tempelhofer Feldes um ein Projekt handele, das erst in ferner Zukunft Gestalt annehmen könne, sagte Gaebler. „Es wäre utopisch anzunehmen, dass da 2030 Wohnhäuser stehen“, so der Senator. Er rechne frühestens für das kommende Jahrzehnt mit tatsächlichen Veränderungen.

Grüne: Ideenwettbewerb ist Geldverschwendung

Kritik an dem Wettbewerb kam umgehend von den oppositionellen Grünen. Die Beteiligten an der Dialogwerkstatt hätten sich mit überwältigender Mehrheit gegen eine Bebauung ausgesprochen, so Julian Schwarze, Sprecher für Stadtentwicklung der Grünen-Fraktion. Statt sich mit Projekten zu beschäftigen, die so oder so in den nächsten Jahrzehnten nicht kommen werden, sollte der Senat lieber Planungen wie zum Baugebiet Neue Mitte Tempelhof wieder aufnehmen und so direkt neben dem Feld Wohnungen bauen. Gerade in der angespannten Haushaltssituation solle deshalb auf einen Wettbewerb verzichtet werden. Das Geld könne an anderen Stellen besser und sozialer eingesetzt werden.

Die Kosten für den Wettbewerb betragen zwei Millionen Euro, die aus Landesmitteln finanziert werden sollen. Darin enthalten sind insgesamt 317.000 Euro Preisgeld, die zwischen den ausgewählten Entwürfen verteilt werden sollen.

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