Schlag gegen den Neonazi-Nachwuchs: Die Polizei hat im Zuge von Ermittlungen am Mittwoch zwölf Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt. Es gab Razzien in Hellersdorf, Köpenick, Marzahn, Neu-Hohenschönhausen sowie in den brandenburgischen Orten Letschin und Wandlitz. Etwa 160 Kräfte durchsuchten zehn Wohnanschriften von neun Tatverdächtigen im Alter zwischen 16 und 23 Jahren. Sieben Verdächtige wurden von den Polizisten vor Ort angetroffen. Von ihnen wurden unter anderem Fingerabdrücke genommen. Festgenommen wurde laut Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft aber niemand.

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Den Tatverdächtigen werden räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung, Diebstahl mit Waffen und Verstöße gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Die Beschuldigten sollen teilweise in Verbindung zu den Organisationen „Jung und Stark“ und „Deutsche Jugend voran“ stehen. Die Staatsanwaltschaft betrachtet diese Organisationen als rechtsextrem. 

Bei den Durchsuchungen wurden Beweismittel sichergestellt, darunter unter anderem mutmaßliche Tatbeute und Tatkleidung, Kommunikationsmittel, verbotene Schlagwerkzeuge, PTB-Waffen, Waffenteile sowie Pyrotechnik. Zudem fanden die Ermittler Hinweise zu einer weiteren Gewalttat. 

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Den Männern werden drei Taten vorgeworfen:

  • Am Abend des 13. September 2024 sollen sieben der Beschuldigten in der Mehrower Allee in Marzahn einen Mann, der ein T-Shirt der linksextremen Antifa-Bewegung trug, zunächst verfolgt und umstellt haben. Sie sollen ihm anschließend gegen den Kopf geschlagen und ihm weitere Gewalt angedroht haben, wenn er nicht sein T-Shirt ausziehen und ihnen geben würde.
  • Am Abend des 20. September 2024 sollen sechs der Beschuldigten, zum Teil vermummt, an einer Bushaltestelle in der Hellersdorfer Straße in Hellersdorf auf einen bislang unbekannten Mann eingeschlagen, diesen zu Boden gebracht und auf ihn eingetreten haben. Der Mann flüchtete dann in einen Bus. Polizisten konnten in der Nähe des Tatorts drei Tatverdächtige vorläufig festnehmen. Mithilfe von Videoaufnahmen der BVG konnte ein Teil der Angreifer identifiziert werden.
  • Außerdem steht ein 20 Jahre alter Sympathisant der rechten Szene im Verdacht, zwischen April und Dezember 2023 aus einer Polizeiliegenschaft in Berlin Waffen gestohlen zu haben. In den sozialen Medien wurden Fotos veröffentlicht, auf denen der Tatverdächtige mit einer augenscheinlichen Langwaffe und mit Kurzwaffen zu sehen ist. Dabei trug der Mann eine ballistische Schutzweste der Polizei Berlin. Ermittlungen führten zur Identifizierung des Mannes. Wie sich herausstellte, arbeitet der Mann als Handwerker. Deswegen verfügte er über eine Zugangsberechtigung zu Liegenschaften der Polizei Berlin.

Bei den Razzien wurden Beamte des Staatschutzes von Hundertschaftskräften, Spezialeinsatzkräften sowie Spezialeinheiten der Polizeidirektionen und Polizeikräften aus Brandenburg unterstützt.

Rechtsextremistische Organisationen in Berlin aktiv

Die Gruppen „Jung und Stark“ und „Deutsche Jugend Voran“ sind zuletzt bundesweit durch Störaktionen beim Christopher Street Day aufgefallen. Am vergangenen Wochenende beteiligten sich etwa 100 Menschen in Marzahn an einer Neonazi-Demonstration. Diese war als Gegenveranstaltung zu einer linken Versammlung angemeldet worden, die ebenfalls am Samstag in Marzahn erfolgte und an der laut Polizei 1300 Menschen teilnahmen. 

Laut Verfassungsschutz wird auch die rechtsextremistische Kleinstpartei „III. Weg“ in Berlin immer aktiver und löst so zunehmend die NPD ab. Demnach zählt die Gruppierung derzeit etwa 80 Mitglieder. Teil der Kleinstpartei ist auch eine eigene Jugendorganisation, die „Nationalrevolutionäre Jugend“ (NRJ). Diese tritt laut Verfassungsschutz besonders in den Bezirken Pankow und Hellersdorf in Erscheinung. BM/dpa