Die Pegelstände der Oder in Brandenburg steigen weiter an. Am Dienstagmorgen kletterte der Wert in Ratzdorf (Oder-Spree) über die Marke von 5,60 Meter. Nach Angaben des Brandenburger Landesumweltamts könnten Keller, Straßen oder einzelne Grundstücke überflutet werden. Angesichts des weiter steigenden Oder-Hochwassers in Brandenburg hat der Landkreis Oder-Spree am Vormittag die höchste Alarmstufe ausgerufen. Sie betrifft in einem bestimmten Deichabschnitt östliche Gebiete an der polnischen Grenze, dazu gehört etwa auch die Stadt Eisenhüttenstadt am Ufer der Oder.
Mit Blick auf die Prognosen: Höchste Warnstufe an der Oder
Landrat Frank Steffen (SPD) sagte: „Für uns ist es wichtig, immer vor der Lage zu sein. Deshalb rufen wir die Alarmstufe 4 mit Blick auf die Prognosen jetzt aus.“ Hintergrund sei der steigende Pegelstand, der in Ratzdorf heute Nachmittag zwischen 15 und 17 Uhr bei 5,90 Meter erwartet wird und somit offiziell die höchste Alarmstufe auslöst. Die Alarmstufe 4 bedeutet nicht gleichzeitig den Katastrophenfall, aber die Einsatzkräfte sind in erhöhter Alarmbereitschaft. Große Mengen Treibholz schwimmen bereits die Oder abwärts. Deichläufer sind im Einsatz, um die Schutzdämme zu kontrollieren. Sicherungsarbeiten gingen weiter, um ufernahe Gebiete vor Wassermassen abzuschirmen.
Das Technische Hilfswerk (THW) ist mit etwa 60 Einsatzkräften in Eisenhüttenstadt vor Ort, die rund um die Uhr im Einsatz sind. „Unsere Leute kümmern sich um die Sandsäcke und bleiben so lange, wie es nötig ist“, sagt Barbara Schwarzwälder, Pressesprecherin des THW-Landesverbands Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. 30 weitere Helferinnen und Helfer unterstützen die blauen Engel – unter anderem in Form eines mobilen Pegeltrupps, der den Anstieg der Oder an verschiedenen Orten misst. Gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen und der Feuerwehr werde die Lage stündlich neu bewertet. „Es ist alles sehr dynamisch, deshalb bleibt es teilweise schwer zu kalkulieren“, so Schwarzwälder weiter. Auch aus Berlin kommt Hilfe: Verpflegungstrupps aus der Hauptstadt versorgen alle THW-Helfer, die in Brandenburg unterwegs sind.
Frankfurt (Oder): Wird evakuiert oder nicht?
„Wir sind auf alle Szenarien vorbereitet. Im Falle einer Evakuierung könnten alle Menschen in Hotels und Internaten unterkommen. Keiner muss in eine Sporthalle rein“, sagt Uwe Meier, Pressesprecher der Stadt Frankfurt (Oder) auf Nachfrage der Berliner Morgenpost. 835 Anwohnerinnen und Anwohner im Süden der Stadt leben in Häusern, die lediglich durch eine Wiese von der Oder getrennt sind. Dass wirklich evakuiert werden muss, glaubt Uwe Meier nicht: „Wir konnten uns aufgrund der Prognosen bereits seit Tagen darauf vorbereiten und unser Krisenstab hat gehandelt.“

Eine Hochwasser-Hotline wurde bereits am vergangenen Wochenende eingerichtet – auf Deutsch und auf Polnisch – die bisher von etwa 250 Anrufern pro Tag wahrgenommen worden ist. Die polnischen Odergebiete um die Stadt Słubice wären aufgrund ihrer niedrigeren Höhenlage mehr gefährdet. Bei den aktuellen Prognosen könnte man nicht immer davon ausgehen, dass sie ganz genau sind: „Es kann immer abweichen. Regenfälle vor Ort oder auch an weiter entfernten Orten können den Pegelstand der Oder beeinflussen.“
Hochwassertouristen seien in den letzten Tagen vermehrt auf die Deiche an der Oder geklettert. Deshalb verbietet die Stadt Frankfurt den Schaulustigen jetzt das Betreten der Anlagen. Nur noch Einsatzkräfte dürfen die Deiche begehen oder befahren, wer gegen das Verbot verstoßt, müsse mit einer Geldstrafe rechnen.
Zum Ende der Woche sollen sie Pegel wieder sinken
Mit dem Pegel-Höchststand wird in Ratzdorf dann am Mittwochabend gerechnet. Die Wassermassen bleiben voraussichtlich einige Tage, wie es hieß. Am Freitag sollen die Pegelstände wieder auf unter 5,90 Meter sinken. In Ratzdorf wurde am Montag bereits eine 152 Meter lange Schutzwand errichtet. Die Landkreise Oder-Spree und Märkisch-Oderland haben bereits Katastrophenschutzstäbe gebildet. Es sind bereits Deichläufer an mehreren Stellen im Einsatz.
Das Dorf Ratzdorf liegt am Zusammenfluss von Oder und Neiße etwa 40 Kilometer südlich von Frankfurt (Oder). Im Juli 1997 drohte das Örtchen bei einer Hochwasserkatastrophe beinahe unterzugehen. Damals wurde ein Pegelstand von fast 6,90 Meter gemessen. Das Dorf war damals nicht durch einen Deich geschützt, inzwischen haben Investitionen von mehreren Millionen Euro den Hochwasserschutz verbessert.
mit dpa



