Die Weiternutzung des Kunstrasens von der Fan Zone in Berlin ist offenbar nur in wesentlich kleinerem Umfang möglich, als ursprünglich angenommen: Nach der Fußball-EM 2024 sollten die 24.000 Quadratmeter Rasen, die vor dem Brandenburger Tor lagen, größtenteils auf Berliner Sportplätze verteilt werden. Nach einem Bericht des Tagesspiegel-Newsletters „Checkpoint“ kann nun jedoch nur weniger als die Hälfte wiederverwendet werden. Wie viel genau und in welcher Form, darüber gibt es jedoch unterschiedliche Angaben.

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Lediglich 11.000 Quadratmeter des Rasens könnten weiter genutzt werden, heißt es in der Antwort der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport auf eine Schriftliche Anfrage der Grünen-Abgeordneten Julia Schneider. Die Behörde bezieht sich dabei selbst auf Angaben der Kulturprojekte Berlin GmbH (KPB), die die Fanmeile im Auftrag des Landes veranstaltet hatte. „Die Gründe, warum Rasenteile nicht weitergenutzt werden können, sind unter anderem Verschmutzungen durch Kaugummis oder Spuren von Pyrotechnik“, heißt es von Staatssekretärin Franziska Becker.
Berlin: Wie viel Schwund am EM-Kunstrasen ist eingeplant gewesen?
Besonders schlimm beschädigt sei die Rasenfläche, die direkt vor dem Brandenburger Tor auslag. Dort habe die Bühneninstallation Risse verursacht, die den Abschnitt unbrauchbar machten. Für die Sportverwaltung sei der Schwund eingeplant gewesen. 11.000 Quadratmeter wiederverwendbare Fläche übertreffe die vorherigen Erwartungen sogar um 1000 Quadratmeter, heißt es.
Auf Nachfrage der Berliner Morgenpost gibt es jedoch auch innerhalb der Behörde unterschiedliche Sichtweisen. Pressesprecherin Sabine Beikler sagt: „Wir bleiben bei der Aussage, dass 24.000 Quadratmeter recycelt werden.“ Die Vorgabe, mindestens 95 Prozent des Materials weiter nutzen zu können, werde damit erreicht. Das heißt jedoch nicht, dass diese Fläche auch als Rasen weiterverwendet werden könne. Bei einem Teil gelinge dies nur mit den Bestandteilen. „Der Prozess, wie viel in seiner jetzigen Form weitergenutzt werden kann, läuft noch“, so Beikler. Ziel sei es, die maximal Quadratmeteranzahl so nutzen zu können, ergänzt Kollege Benjamin Raschke.
Noch mehr Widerspruch kommt von den Kulturprojekten Berlin. Eine Sprecherin sagte dem Tagesspiegel, das Unternehmen sei nicht über die neuen Zahlen informiert worden, noch könne sie die von der Staatssekretärin genannte Menge auf Anhieb verifizieren. Ihren Angaben zufolge soll die finale Anzahl der zur Verteilung geeigneten Rasenfläche höher liegen. KPB hatte noch im Juli angegeben, dass ein Großteil des Kunstrasens aus der Fan Zone weiter genutzt werden kann.
Rasen sollte an Bolzplätze, Kitas und Schulhöfe vergeben werden
Während ein Teil des EM-Rasens bereits vorab an Interessenten vergeben wurde, musste der Rest verlost werden, da die Nachfrage die maximal möglichen 24.000 Quadratmeter deutlich übertraf, so die Kulturprojekte noch im Sommer. Man habe Anfragen für rund 60.000 Quadratmeter bekommen.
Auf einigen Bolzplätzen, Schul- und Kitahöfen in mehreren Berliner Bezirken sei jetzt bereits Rasen verlegt. Einige Interessenten sind nach Angaben der Sportverwaltung inzwischen aber wieder abgesprungen, weil sie die Verlegung „baulich oder finanziell“ nicht umsetzen konnten, so etwa die JVA Tegel. Deshalb stehe nun noch Rasen zur Verfügung, der in einer zweiten Auslosung vergeben werden soll. Wie erfolgreich, muss sich zeigen. Zuvor war bereits eine Weiternutzung des riesigen EM-Tors in seiner bisherigen Form gescheitert.
mit os/dpa




