Mit einem Gedenkgottesdienst in der Synagoge der Jüdischen Gemeinde Chabad in der Münsterschen Straße in Wilmersdorf hat am Montag die Reihe von Gedenkveranstaltungen zum 7. Oktober begonnen. Vor genau einem Jahr hatten Hamas-Terroristen Israel überfallen, mehr als 1000 Zivilisten umgebracht und mehr als 200 Geiseln in den Gaza-Streifen verschleppt. Der Jahrestag des schlimmsten Massakers an Juden seit dem Holocaust steht im Zeichen der Trauer, der anhaltenden Sorge um die von der Hamas festgehaltenen Menschen und der Sorge wegen der weiteren Gewalteskalation in Nahost.

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Viele Vertreter der Stadtgesellschaft waren am Morgen in die Synagoge gekommen, um der durch zunehmenden Antisemitismus bedrängten jüdischen Gemeinschaft in Berlin ihre Solidarität auszudrücken. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und CDU-Fraktionschef Dirk Stettner waren ebenso gekommen wie Oppositionsführerin Bettina Jarrasch (Grüne), Grünen-Landeschefin Nina Stahr, Kultursenator Joe Chialo (CDU), der Vorstandsvorsitzende der Charité Heyo Kroemer, Abgeordnetenhaus-Präsidentin Cornelia Seibeld, Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra (SPD), Linken-Fraktionschefin Anne Helm und der Springer-Vorstandsvorsitzende Matthias Döpfner, der im überfüllten Gotteshaus die Zeremonie wie viele andere im Stehen verfolgen musste. Auch mehrere Staatssekretäre der Bundesregierung waren anwesend, SPD-Chefin Saskia Esken und Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau und Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik.

Rabbiner Yehuda Teichtal: „Ein Jahr voller Trauer und Schmerz“

Kai Wegner (l, CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin, spricht mit Yehuda Teichtal, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde und Vorsitzender des Jüdischen Bildungszentrums in Berlin
Kai Wegner (l, CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin, spricht mit Yehuda Teichtal, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde und Vorsitzender des Jüdischen Bildungszentrums in Berlin© dpa | Sebastian Gollnow

Rabbiner Yehuda Teichtal begrüßte zunächst die Schüler der jüdischen Schule Chabad und dann die Ehrengäste, darunter auch Botschafter und Vertreter von Religionsgemeinschaften. Rabbiner Teichtal sagte, es sei nun ein Jahr her, „seit die Erde bebte. Ein Jahr voller Trauer und Schmerz. Zehntausende Israelis könnten nicht in ihre Häuser im Norden Israels zurückkehren“, sagte der Rabbiner mit Blick auf die Angriffe der Hisbollah.

Er dankte Wegner für seine Aussagen, es dürfe keinen Antisemitismus in Berlin geben. „Wir werden nie aufgeben“, sagte Teichtal. Wir werden stärker. Juden, Christen und Muslime, die gemeinsam für eine tolerante Gesellschaft stehen“, sagte der Rabbiner. „Jeder Stein, der auf uns geworfen wird, wird zum Grundstein für eine neue jüdische Gemeinde werden“, so Teichtal: „Wir werden in Berlin ein Leuchtturm sein für ein gemeinsames Zusammenleben in der Zukunft.“ Das sei „kein Kampf nur gegen Juden, sondern gegen alle Menschen, die die Demokratie respektieren“. Er forderte alle auf, gerade an diesem Tag eine gute Tat zu tun.

Kai Wegner: Berlin geht weiter gegen Judenhass vor

Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin, spricht während eines Gedenkgottesdiensts der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin
Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin, spricht während eines Gedenkgottesdiensts der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin© dpa | Sebastian Gollnow

Kai Wegner sagte, der 7. Oktober stehe für eine „Art der Unmenschlichkeit, die es seit Jahrzehnten nicht gegeben“ habe. „Was wir erlebt haben, hat alles überstiegen, was man sich hätte vorstellen können“, so Wegner. Israel habe nicht nur das Recht, sondern die Pflicht sich zu verteidigen. „Meine Gedanken sind auch bei den Menschen im Gazastreifen“, sagte Wegner. Die Verantwortung für das Leid trügen aber „einzig und allein die Terroristen der Hamas“.

Er versicherte, Berlin werde weiter gegen Judenhass vorgehen. „Ich bin stolz darauf, dass wir in Berlin eine starke jüdischen Gemeinschaft haben, die weiter wächst. Wir werden jüdisches Leben weiter beschützen“, sagte der Regierende Bürgermeister: „Wer Hass und Hetze und Antisemitismus auf unseren Straßen skandiert, gehört nicht zu unserem vielfältigen Berlin.“ Solange noch Geiseln festgehalten würden , so lange werde Israels Fahne vor dem Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters hängen.

Alina Gat, der in seinen Kibbuz das Massaker vor einem Jahr überlebte, aber seine Mutter und Schwester verlor, sagte, es seien viele Gelegenheiten verpasst worden, leben zu retten. Er mahnte, die Bürger der freien Welt müssten zusammenstehen. „Der Terror steht auf der Schwelle nach Deutschland. Wir dürfen ihn nicht reinlassen“, sagte Gat. Nach kurzen Gebeten für die entführten Geiseln und für den Frieden entzündeten die Ehrengäste 12 Kerzen, wie ne für jeweils 100 Menschen, die vor einem Jahr von den Terroristen ermordet worden waren.