„Jetzt geht’s erstmal mit Musik los“, sagt ein Mann auf einer kleinen Bühne vor dem About Blank, einem Technoclub im Osten Berlins. Bässe scheppern bei 14 Grad und Nieselregen über den Markgrafendamm am S-Bahnhof Ostkreuz. „Nie wieder Autobahn“ steht auf der Wand des About Blank. „Autonomendisko vs. A100“ steht auf einem Banner über dem Club. Dann wird die Musik plötzlich abgewürgt. Man müsse die Demo erst noch formell eröffnen, sagt der Mann. Die Menschen im Nieselregen nippen weiter an ihrem Radler, Red Bull und Rotkäppchen. Dann legt die DJane Hang Aoki wieder los. Noch schallern hier Beats statt Autos.

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Im kommenden Jahr soll der neue Abschnitt der Autobahn A100 eröffnet werden: Von der Ausfahrt Treptower Park aus, über die Spree in Richtung Lichtenberg. Dem Ausbau müssten verschiedene Clubs weichen, das About Blank zum Beispiel. Der Club ist deshalb Teil des Bündnisses „A100 wegbassen“, das am Freitag auf dem Markgrafendamm demonstrierte. Vor der Veranstaltung schrieben die Demo-Veranstalter: „Der Protest richtet sich gegen die weitere Betonierung unserer Stadt und unserer Zukunft.“ Der Weiterbau der Bundesautobahn 100 bedrohe das Berliner Stadtleben. Kiezbewohner, Clubs, Kulturorte und queere Safe Spaces seien in Gefahr.

Demo für Club-Kultur und gegen das Auto

Am Freitagabend stampfen, wackeln und stehen dann Menschen in glitzernden Leggings, Leoprints und schwarzen Stiefeln im stärker werdenden Regen. Nicht nur vor dem About Blank wird aufgelegt – vor Clubs und Demonstrationswägen entlang des Markgrafendamms wird geraved.

Kosta trägt eine Lichterkette um den Hals, er ist hier für den ÖPNV, er selbst habe kein Auto. Die Demo gemeinsam mit den Clubs sei eine „gute Kombi“ sagt er. Und: „Die beste Blockade ist ein guter Club.“ Aus dem About Blank kommen Seifenblasen, davor tanzt Yasmin mit ihrer Tochter auf dem Arm – die trägt Kopfhörer. „Sie geht gerne auf Demos“ sagt Yasmin lachend. Die Demo sei ein „Herzensanliegen“ und sie spüre „große Wut“. Der Ausbau der A100 gehe gegen alles, für was sie sei: die Freiräume, das Progressive, das Unperfekte. Sie hofft, dass ihre Tochter Berlin so kennenlernen darf, „wie es für mich war“, sagt Yasmin. Die Straße weiter runter steht Jeremy. In lila Tracksuit, vor ihm auf dem Boden eine Flasche Desperados. „Ich bin wegen der Mukke hier“, sagt er. Das Pieps-Kollektiv legt auf. Gabber Industries Berlin. Mit der Demo habe er sich nicht so auseinandergesetzt, sagt Jeremy.

Autos, ÖPNV, Kultur oder nur wegen der „Mukke“. Trotz Regen sind viele Menschen gekommen zur Demo „A100 wegbassen“. Gegen 18 Uhr setzt sich die Demo dann in Bewegung.  Den Markgrafendamm hinab zur geplanten Autobahn-Anschlussstelle am Treptower Park. Dort, wo irgendwann Autos rollen sollen, soll heute noch getanzt werden.

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