Es war kein Zufall, dass SPD-Fraktionschef Raed Saleh im Rahmen seiner Besuchstour mit Senatsmitgliedern gemeinsam mit Integrationssenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) am Montag bei der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIGA) Station machte. Im Zuge seiner Kritik an Trägern von Berliner Bildungs- und Integrationsprojekten hatte Bildungs-Staatssekretär Falko Liecke (CDU) kürzlich auch die Qualität der Arbeit der KIGA in Frage gestellt.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Saleh wiederum ist ein großer Fan des Vereins unter dem Vorsitzenden Dervis Hizarci, der seit 20 Jahren gegen Antisemitismus, Rassismus und Intoleranz tätig ist. Der Fraktionschef sorgte dafür, dass KIGA 920.000 Euro Lotto-Gelder bekommt, um für drei Jahre das Projekt Dialogräume aufzuziehen. In allen möglichen Formaten sollen dabei Menschen mit verschiedenen Meinungen und Hintergründen zusammengebracht werden, um moderiert und angeleitet Diskussionen zu führen. Das Ziel sei, Meinungsvielfalt auszuhalten, Schwarz-Weiß-Denken aufzubrechen und Radikalisierungstendenzen zu bremsen, sagte Hizarci.

Ein palästinensisch-stämmiger Polizist hatte die Idee für die Dialogräume

Die Idee für das Vorhaben hatte der wie Saleh palästinensisch-stämmige Polizeibeamte Yasin Khalife. Er stellte fest, dass sich seine Moabiter Moscheegemeinde nach dem Überfall der Hamas auf Israel und der Eskalation des Gaza-Krieges verschließen und sogar den Tag der offenen Tür absagen wollte. Ihre Stimmen würden nicht gehört, ihre Emotionen nicht wahrgenommen, hätten die Gläubigen geklagt, berichtete der Polizist. Daraufhin habe er versucht, Dialogmöglichkeiten zu finden und sei auf die KIGA gestoßen, die sich zutraut, ein solches politisch heikles Projekt auch während des noch laufenden Nahost-Konfliktes professionell umzusetzen. Dabei sollen nicht nur jüdische und palästinensische Menschen zusammengebracht werden, sondern auch in anderen Konstellationen Brücken gebaut werden.

Saleh nutzte de Termin am Montag, um den Koalitionspartner auch offensiv anzugehen. Er ließ keinen Zweifel an seiner Überzeugung, dass die Arbeit der Kreuzberger gut für die Stadt sei. Im Gegensatz dazu sieht Saleh das Wirken von Kultursenator Joe Chialo. Der habe vom Parlament elf Millionen Euro für Prävention gegen Antisemitismus bekommen. davon seien bisher erst 400.000 ausgegeben. „Mich ärgert, dass das Geld bereit steht, aber davon nichts ankommt“, sagte Saleh.