„Es hätte ja nur eine Nacht vorher regnen müssen, dann wäre es bestimmt nicht so schlimm geworden“, sagt Christiane L. Bei strömenden Regen steht die 69-jährige Frau im Englischen Park im Tiergarten und blickt auf das zerstörte Teehaus. Mit Gummistiefeln an den Füßen, zum Schutz vor dem Regen einen durchsichtigen Regenumhang samt Kapuze übergeworfen, hat sie ihr Fahrrad durch Pfützen und über die aufgeweichten Wege bis an die Polizeiabsperrung geschoben. „Ich war oft zu Konzerten im Teehaus, ein wunderschöner Ort.“ Die Rentnerin ist an diesem Montagvormittag extra aus Schöneberg durch den strömenden Regen geradelt.

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Viel zu sehen gibt es nicht. Das eingestürzte Reetdach verteilt sich auf der Terrasse, umgestürzte Gartenmöbel liegen im Außenbereich der Gastronomie. Das Grundstück ist weiträumig mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Trotz des Regens liegt ein starker Brandgeruch in der Luft. In der Nacht zu Sonnabend hatte es auf dem Restaurant Teehaus im Englischen Garten gebrannt. Das markante Reetdach des beliebten Ausflugslokals hinter dem Schloss Bellevue in Belin-Mitte fiel zu großen Teilen dem Feuer zum Opfer. Die Polizei meldete am Sonntagnachmittag, das Gebäude sei einsturzgefährdet. 

Teehaus
Ein Tag nach dem Feuer ist das Grundstück des Teehauses in Berlin-Tiergarten gesperrt. © FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Brandkommissariat hat die Ermittlungen übernommen

Am Montagvormittag stehen Polizistinnen und Polizisten vor dem Gebäude. Wie die Polizei mitteilte, sicherten sie den Tatort. Ebenfalls am Montag hat dann auch ein Brandkommissariat des Landeskriminalamts mit den Ermittlungen zur Brandursache übernommen. Auch das für den Tiergarten zuständige Grünflächenamt hatte bereits in der Brandnacht mit ersten Koordinierungs- und Sicherungsmaßnahmen begonnen. Die Gärtnerinnen und Gärtner waren am Montagmorgen vor Ort, um mögliche Schäden am Baum- und Pflanzenbestand zu sichten. Für eine detaillierte Schadensanalyse war es aber noch zu früh.

„Zum jetzigen Zeitpunkt kann das Straßen- und Grünflächenamt keine Angaben machen, da die Ermittlungen der Polizei noch nicht abgeschlossen sind“, teilte eine Pressesprecherin des Bezirksamts Mitte mit. „Erst im Anschluss kann das Straßen- und Grünflächenamt angrenzende Bäume/Pflanzen genau begutachten.“ Für die Dauer der Ermittlungen hat das Landeskriminalamt das Gebäude und Umgebung beschlagnahmt.

Teehaus im Tiergarten gehört dem Bezirksamt

Auch eine Schätzung des entstandenen Schadens an dem denkmalgeschützten Gebäude sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich, heißt es beim Bezirksamt Mitte. Verwaltet wird das Haus vom Straßen- und Grünflächenamt und das teilte mit, dass alle Liegenschaften des Bezirks über eine Gebäudeversicherung verfügen. Betrieben wird das bei den Berlinern beliebte Restaurant von der Vocio Teehaus Betriebs GmbH. Dort war am Montag niemand erreichbar.

Die Feuerwehr wurde in der Nacht zu Sonntag um zwei Uhr in den Tiergarten gerufen worden. Als die Einsatzkräfte am Sonntagmorgen gegen 2.15 Uhr an der Altonaer Straße eintrafen, habe das Dach des Teehauses bereits komplett in Flammen gestanden, hieß es seitens der Feuerwehr. In der Nacht waren bis zu 95 Einsatzkräfte vor Ort, am Sonntagmorgen noch 47. Auch eine Drohne mit Wärmebildkamera kam zum Einsatz. Aus Sicherheitsgründen wurde das Gebäude von der Gas- und Stromversorgung getrennt. Um sechs Uhr gab es dann eine erste vorsichtige Entwarnung: Das Feuer sei unter Kontrolle. An einigen Stellen gab es jedoch noch Brandherde.

Keine stabile Wasserversorgung für Löscharbeiten

Anfängliche Schwierigkeiten hatten die Einsatzkräfte bei der Brandbekämpfung mit der Wasserversorgung. „Auf dem Gelände mitten im Tiergarten hatten wir keine stabile Wasserversorgung“, sagte ein Feuerwehrsprecher. „Den ersten Angriff gegen das Feuer haben wir mit Wasser aus den Tanks der Löschfahrzeuge unternommen. Dann haben wir aus einem nahegelegenen Grundwasserteich im Tiergarten Wasser raus gepumpt und damit gelöscht.“ Später wurden dann die Löschschläuche für eine stabile Wasserversorgung an Hydranten im Tiergarten und im Straßenland angeschlossen.

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So sah das historische Teehaus im Berliner Tiergarten vor dem Feuer aus. Nun ist das markante Reetdach komplett abgebrannt.© IMAGO | Schoening

Die Löscharbeiten für die Feuerwehrkräfte waren schwierig, da die Zufahrten für Einsatzfahrzeuge sehr eingeschränkt waren, wie die Feuerwehr mitteilte. Eine Ausbreitung der Flammen auf den Park wurde aber verhindert. Am Sonntagmorgen war die Lage dann überschaubar, die Feuerwehr war aber noch mit der Bekämpfung von Glutnestern beschäftigt. Auch am Sonntagnachmittag gegen 15 Uhr wurde erneut nach weiteren Glutnestern gesucht. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich schon etliche Schaulustige, Spaziergänger, Anwohner und Hobbysportler an den Absperrungen versammelt.

Königin Elisabeth II. pflanzte eine Eiche im Englischen Garten

Der Englische Garten liegt in der Nähe von Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten. Das Lokal war für Berliner und Touristen seit West-Berliner Tagen ein Anziehungspunkt, da man dort nahe dem Kurfürstendamm in der geradezu ländlichen Stille und dem edlen Ambiente der 40.000 Quadratmeter großen Gartenanlage saß, wie sonst nirgendwo in der Stadt.

Der Ort ist von der Nachkriegsgeschichte geprägt. Nach 1946 war der Tiergarten nahezu abgeholzt. Der britische Stadtkommandant General Geoffrey Bourne rief daraufhin zu Pflanzenspenden auf. Briten und Königshaus steuerten mehr als 5000 Gewächse bei. Letzteres stiftete darüber hinaus die Anlage des Englischen Gartens, die 1952 eröffnet wurde. Zur Zeremonie am 29. Mai erschien neben dem damaligen Regierenden Bürgermeister Ernst Reuter aus London Außenminister Anthony Eden. Die Berliner bezeichneten das feine Areal in jener Zeit daher ein wenig respektlos als „Garten Eden“. Königin Elisabeth II. pflanzte 1965 nahe dem Teehaus eine Eiche aus ihrem heimischen Windsor.