Am Sonntagmorgen zogen noch immer Rauchschwaden in den Himmel. An einigen Stellen brannte es, doch das Schlimmste war überstanden: In der Nacht hatte es auf dem Restaurant Teehaus im Englischen Garten gebrannt. Das markante Reetdach des beliebten Ausflugslokals hinter dem Schloss Bellevue in Belin-Mitte fiel zu großen Teilen dem Feuer zum Opfer. Die Polizei meldete am Nachmittag, das Gebäude sei einsturzgefährdet. Ein Übergreifen der Flammen auf das gesamte Gebäude sowie die renommierte Gartenanlage konnte verhindert werden. Was den Brand verursachte, ist bislang offen.


Als die Einsatzkräfte am Sonntagmorgen gegen 2.15 Uhr an der Altonaer Straße eintrafen, habe das Dach des Teehauses bereits komplett in Flammen gestanden, hieß es seitens der Feuerwehr. 85 Feuerwehrleute kämpften gegen den Brand. Sicherheitshalber wurde das Gebäude von der Gas- und Stromversorgung getrennt. Um sechs Uhr gab es dann vorsichtige Entwarnung: Das Feuer sei unter Kontrolle. An einigen Stellen gab es jedoch noch Brandherde.
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— Berliner Feuerwehr (@Berliner_Fw) 8. September 2024
Teehaus im Tiergarten in Flammen: Löscharbeiten dauerten am Vormittag an
Und auch am Sonntagvormittag waren Feuerwehrleute noch damit beschäftigt, aus drei Krankörben sowie zu Fuß auf dem Dach zu löschen. Der Aufwand, mit dem der Bereich um das Teehaus abgesperrt wurde, ist ungewöhnlich: Auch die Wiese daneben war nur eingeschränkt zu begehen, zwei Polizisten hielten Fußgänger an. Vom Großen Stern aus war der Zugang zur Altonaer Straße blockiert. Denn von den dort geparkten Feuerwehrfahrzeugen aus wurde der Einsatzort mit Material versorgt. Dass sich das Lokal im Park befindet, erschwerte laut Feuerwehr die Löscharbeiten.
Verletzt wurde bei dem Feuer niemand. Die Schadenskosten an dem Gebäude lassen sich bisher nicht beziffern.
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Während Feuerwehrleute mit Sauerstoffflaschen auf das per Flatterleine abgesperrte Restaurantgelände liefen, sammelten sich Schaulustige, Spaziergänger, Anwohner und Hobbysportler auf ihrer Joggingrunde durch den Park vor der Zufahrt. Eine 65-jährige Mieterin aus dem nahegelegenen Hansaviertel sagte, sie habe den Qualmgeruch beim morgendlichen Lüften bemerkt. „Es ist ein Jammer, ich war gern dort.“

Mit dem Restaurant verbinden viele schöne Erinnerungen
Die Anwohner Michael (58) und Birgit (57) aus Moabit sagten, das Lokal sei wie der Tiergarten: ein Ort für alle. So habe man dort hochpreisig essen können, aber auch gern schlicht und günstig an Biertischen gesessen. Auf der Wiese daneben feierte man Geburtstagspartys der Kinder. „Uns verbindet mit dem Teehaus auch die Erinnerung an die Fußball-Weltmeisterschaft 2014“, sagte Birgit. „Damals haben wir dort die Spiele gegen Brasilien und Argentinien gesehen: Das ganze Lokal war eine einzige Party.“ Begleiter Michael sagte, er hoffe, die Versicherung der Betreiber werde schnell zahlen, sodass das Restaurant bald wieder eröffnen kann.
Zur Aufklärung des Brandes setzte die Feuerwehr indes Digitaltechnik und eine Drohne ein, die den Bereich des Dachs überflog. Unten war die Terrasse übersät mit Mobiliar. Die hölzernen Pfeiler des Vordachs waren schwarz. Feuerwehrleute stießen verbrannte Teile des Reetdachs hinunter. Weiterhin stieg von dort Qualm auf. Schon am Vormittag waren Ermittler der Kriminalpolizei am Einsatzort.

Beliebter Veranstaltungsort unter freiem Himmel
Der Englische Garten liegt in der Nähe von Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten. Das Lokal war für Berliner und Touristen seit West-Berliner Tagen ein Anziehungspunkt, da man dort nahe dem Kurfürstendamm in der geradezu ländlichen Stille und dem edlen Ambiente der 40.000 Quadratmeter großen Gartenanlage saß, wie sonst nirgendwo in der Stadt.

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Der Ort ist von der Nachkriegsgeschichte geprägt. Nach 1946 war der Tiergarten nahezu abgeholzt. Der britische Stadtkommandant General Geoffrey Bourne rief daraufhin zu Pflanzenspenden auf. Briten und Königshaus steuerten mehr als 5000 Gewächse bei. Letzteres stiftete darüber hinaus die Anlage des Englischen Gartens, die 1952 eröffnet wurde. Zur Zeremonie am 29. Mai erschien neben dem damaligen Regierenden Bürgermeister Ernst Reuter aus London Außenminister Anthony Eden. Die Berliner bezeichneten das feine Areal in jener Zeit daher ein wenig respektlos als „Garten Eden“. Königin Elisabeth II. pflanzte 1965 nahe dem Teehaus eine Eiche aus ihrem heimischen Windsor.
Das am Sonntag schwer beschädigte Restaurant wurde wegen seiner mehr als 140 Sitzplätze außen und 120 Plätze innen gern für geschlossene Veranstaltungen genutzt. Beliebt ist dort die Reihe „Musiksommer“. Dabei standen im laufenden Jahr bis Anfang September sieben Gratis-Nachmittage mit jeweils zwei Bands auf dem Programm.




