Sie gehört zu den größten laufenden Bahnhofsprojekten in Berlin: die Modernisierung der Gleishallen des Ostbahnhofs. Im Herbst 2020 wurde mit den Arbeiten begonnen, bei denen unter anderem Bestandteile der Stahlkonstruktion instandgesetzt und verstärkt wurden. Außerdem erhalten die beiden rund 100 Jahre alten Gleishallen eine neue Dacheindeckung samt neuer Verglasung. Ein weiterer wesentlicher Punkt für die Deutsche Bahn: den Bahnhof vor Tauben schützen.

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„Die Tauben beschäftigen uns sehr, wir haben am Ostbahnhof ein massives Problem“, sagt Projektleiter Steffen Dieckmann. Dazu trage auch bei, dass manche Menschen die Tiere unerlaubterweise füttern. Als problematisch gilt, dass Taubenkot auf bestimmte Baustoffe wie Stahlbleche eine ätzende Wirkung hat, die Alterung beschleunigt oder den Korrosionsschutz zerstört. Dieckmann zufolge hat sich auch bei den alten Bauteilen des Ostbahnhofs gezeigt, dass Materialien von der Kombination aus Wasser und Taubenkot angegriffen wurden. „Da waren richtige Löcher im Stahl“, sagt er. Mit großem Aufwand versucht die Bahn deshalb zu verhindern, dass sich Tauben an der Station ansiedeln.

Alte Dachkonstruktion am Ostbahnhof ist heute nicht mehr zulässig
Gearbeitet wird mit Gittern und Drähten, die unter dem Hallendach viele Flächen bedecken. Würde man die Spikes in einer Reihe platzieren, käme man laut Dieckmann auf eine Länge von 121 Kilometern. Weit mehr als eine Million Euro werde für den Schutz des Bahnhofs vor Tauben ausgegeben, sagt er. Die Erneuerung der Gleishallen an Berlins drittgrößten Bahnhof kostet insgesamt 120 Millionen Euro.
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Mit dem Austausch der Oberlichter ist die Bahn inzwischen schon weit vorangekommen. In beiden Hallen befinden sich die Arbeiten im letzten Drittel. Aus den bisherigen Spitzdächern – „Gartenhaus-ähnlich“, wie es Dieckmann beschreibt – werden dabei Flachdächer. „Das alte Dach war eine Drahtglaskonstruktion, die heute gar nicht mehr zulässig ist“, sagt Architektin Patricia Deurer. Zudem sei die Konstruktion zunehmend marode geworden, eine Erneuerung war deshalb dringend erforderlich. Statt auf Drahtglas, das scharfkantig splittern kann, wird nun auf betretbares Verbundsicherheitsglas gesetzt.
Spezielle Schutzbrücke half am Ostbahnhof, schneller zu bauen
„Wir haben lange überlegt, wie wir den Bahnhof offenhalten und trotzdem die Bauarbeiten durchführen können“, sagt Dieckmann. Vorgeschrieben ist, dass es dazu eine Schutzbrücke geben muss, die verhindert, dass während der Arbeiten beispielsweise Material auf die Bahnsteige hinabstürzen kann. Diese wurde über den Hallendächern errichtet, wiegt 100 Tonnen und kann bis zu 1,6 Tonnen heben.
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Für die Konstruktion, in die am Ostbahnhof auch noch ein Hebezug integriert ist, zieht er ein positives Fazit. „Sie hat sich für uns mehr als bewährt. Weil wir während des Bahnbetriebs arbeiten können, bauen wir nur halb so lange, als wenn wir die Infrastruktur in kleinen Abschnitten immer wieder komplett sperren müssten. Das ist natürlich ein Erfolg.“ Gearbeitet wird am Ostbahnhof in einem Zwei-Schicht-System an sechs Tagen in der Woche, um möglichst schnell voranzukommen.

Sanierung am Ostbahnhof: Großteil der Arbeiten soll 2024 fertig werden
Bei der neuen Konstruktion wurde auch die spätere Reinigung der Hallendächer mitgedacht – immerhin werden bei den Dächern insgesamt 4660 Glasscheiben verbaut. „Es muss niemand aufs Glas steigen, sondern die Arbeiter können mithilfe einer sogenannten Befahranlage die Flächen Stück für Stück abfahren und die Reinigung vornehmen“, erklärt Dieckmann. Auch der Austausch soll im Zweifelsfall problemlos funktionieren, weil es sich um standardisierte Scheiben handelt. „Das macht es für die Instandhaltung wesentlich einfacher“, sagt er. Das ist ein Unterschied zum Berliner Hauptbahnhof. Dort sind die Scheiben Spezialkonstruktionen mit verschiedenen Maßen, was den Austausch komplizierter macht.
Das neue Glasdach ist zu zwei Dritteln bereits verlegt. Noch stehen von außen jedoch beispielsweise Schweißarbeiten aus, damit das Dach am Ende auch wirklich dicht ist. Die letzten Monate der Bauarbeiten laufen aber: Mit allem Wesentlichen will die Bahn Ende des Jahres fertig sein. „Das wird uns auch gelingen“, ist Dieckmann überzeugt. Danach müssen die Gerüste in den Hallen abgebaut werden, zum Teil wurde damit auch schon begonnen. Für den Abbau werden Arbeitszüge eingesetzt, auf die das Material geladen wird, weil der Abtransport über die Bahnsteige zu lange dauern würde. „Wir haben bis jetzt 50 bis 60 Arbeitszüge im Einsatz gehabt“, sagt Dieckmann. Im kommenden Frühjahr sollen alle Gerüste verschwunden sein.
Auch Rolltreppen werden noch ausgetauscht
Im Mai 2025 wird dann die Schutzbrücke über den Hallendächern zurückgebaut. Danach, bis 2026, finden noch Nacharbeiten statt, bei denen unter anderem auch ein aktuell für das Bauprojekt gesperrtes Gleis wieder aufgebaut wird. „Für die Kunden wird die Erneuerung der Hallen aber Anfang 2025 richtig sichtbar. Von den Nacharbeiten bekommen sie auch nicht mehr viel mit“, sagt Dieckmann.
Die Erneuerung der Hallendächer ist nicht das erste große Bauprojekt am Ostbahnhof. Zwischen 2010 und 2012 wurden die sogenannten Rahmenstiele der Stahlgerüste, die die Hallendächer stützen, saniert. Außerdem haben diese damals eine neue Beschichtung zum Korrosions- und Brandschutz erhalten. In dieser Zeit wurden auch die Nordfassade und das komplette Entwässerungssystem erneuert. Im kommenden Herbst steht auch noch ein weiteres großes Projekt an: Ab Oktober werden die vier Rolltreppen in der Empfangshalle ausgetauscht: die beiden in das Untergeschoss und die beiden auf die Empore. Abgesehen davon soll – mit aktuellem Stand – dann aber erstmal Schluss sein mit dem Bauen am Ostbahnhof.






