Der Zoo bereitet sich auf eine neue Sensation vor: In zwei bis drei Wochen sollen wieder Zwillinge bei den Großen Pandas auf die Welt kommen. Das wäre das zweite Mal, dass in Deutschland Pandababys geboren werden. Die ersten Jungtiere, Pit und Paule, haben am 31. August 2019 Berlin zur ersten deutschen Panda-Geburtsstadt gemacht. Mittlerweile sind die Bärenbrüder in China zurück. Seit Sonntag ist es gewiss: Es gibt neuen Nachwuchs. Bei der Ultraschalluntersuchung konnten die Tierärzte wieder zwei Herzen schlagen sehen. Die Hoffnung war seit Monaten groß, die Freude, dass es wirklich wieder geklappt hat, ist riesig. Denn die Fortpflanzung ist bei den Großen Pandas nicht so einfach. Das fängt damit an, dass sie Einzelgänger und Sexmuffel sind. Die Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen.
Seit wann besteht die Hoffnung, dass es wieder Nachwuchs geben könnte?
Wie schon beim ersten Mal vor fünf Jahren vertrauten die Zoo-Mitarbeiter im März zunächst auf den natürlichen Weg. Doch auch diesmal war die Paarung zwischen dem Pandaweibchen Meng Meng und dem Männchen Jiao Qing offensichtlich nicht geglückt. Aus diesem Grund wurde Meng Meng am 26. März 2024 künstlich besamt. Von diesem Moment an bestand theoretisch die Chance, dass es wieder Pandababys im Zoo gibt.
Warum hat es nicht auf natürlichem Weg geklappt?
Die Großen Pandas sind Einzelgänger. Männchen und Weibchen kommen nur einmal im Jahr zusammen. Denn Pandaweibchen sind höchstens 72 Stunden pro Jahr fruchtbar. Dass sie bereit sind, signalisieren sie mit lauten Geräuschen, die einem Quieken ähneln. Zwar wurde die Annäherung der beiden Tiere im Zoo trainiert, sie können sich auch im Innengehege sehen. Dennoch muss genau an diesem drei Tagen alles passen, von der Sympathie bis zur Laune und Lust. Am Ende war der Bambus wohl doch interessanter.

Warum ist es lange Zeit ungewiss, ob es auch wirklich zur Geburt kommt?
Anders als bei anderen Säugetieren nistet sich die befruchtete Eizelle bei Großen Pandas nicht sofort in die Gebärmutter ein. Es ist nicht einmal vorhersehbar, ob sie sich überhaupt einnistet. Das hängt von vielen Faktoren ab, nicht zuletzt aber auch davon, ob der Körper bereit ist für eine Trächtigkeit. Die Zoo-Mitarbeiter können diese Phase nur unterstützen, indem sie Meng Meng jeden Wunsch von den Augen ablesen, ihren Lieblingsbambus reichen und ihr Ruhe gönnen. Denn das Muttertier muss an Gewicht zulegen, damit es zu einer Einnistung kommt.
Wie lange dauert diese Phase an?
Das ist nicht vorhersehbar. Die sogenannte Keimruhe ist der Grund dafür, dass es so lange gedauert hat, bis die Trächtigkeit von Pandadame Meng Meng offiziell bestätigt werden konnte, heißt es aus dem Zoo. Dieser Zeitraum der Keimruhe kann mehrere Monate dauern, währenddessen sich der Embryo nicht weiterentwickelt. Erst wenn alle Bedingungen passen, setzt sich die Trächtigkeit fort und der Embryo beginnt zu wachsen.
Wie erfolgt der Nachweis, dass sich Embryos entwickelt haben?
Endgültige Gewissheit bringt eine Ultraschalluntersuchung. Diese wurde bei Meng Meng in den vergangenen Wochen schon routinemäßig durchgeführt. Doch alle waren bislang erfolglos. Am vergangenen Sonntag gelang Thomas Hildebrandt, Leiter der Abteilung für Reproduktionsmanagement am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), der Nachweis, dass zwei Herzen schlagen und sich zwei Jungtiere entwickeln. Ein erstes Anzeichen war aber auch schon, dass sich Meng Meng unleidlich und nicht mehr so kooperativ bei der medizinischen Untersuchung zeigte. Noch ist es aber ein frühes Stadium der Implantation, also der Einnistung des Embryos in der Gebärmutter, in dem auch noch ein Absterben möglich ist.

Wie groß sind die Babies jetzt und später zur Geburt?
„Die Babies sind etwa 2,5 Zentimeter groß und müssen jetzt bis zur Geburt noch ordentlich wachsen“, erklärt Thomas Hildebrandt. Dennoch sind sie nach der Geburt nicht größer als ein Meerschweinchen. Auch das markante schwarz-weiße Fell fehlt noch. Pandababies sind nackt, rosa und haben dünne weiße Härchen. Pit und Paule wogen bei der Geburt nicht einmal 200 Gramm. Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem rechnet – wenn alles gut verläuft – aktuell mit einer Geburt Ende August.
Wie verläuft die weitere Entwicklung?
Schlafen und Muttermilch trinken, das sind anfangs die einzigen Dinge, die wichtig sind. Ein Pandababy schläft 23 Stunden pro Tag. Mit etwa zwei Wochen beginnt das Fell zu wachsen, nach vier Wochen werden die Jungtiere mobiler und können das Köpfchen heben. Das Muskeltraining beginnt. Anfangs orientieren sie sich nur mit der Nase. Nach sechs Wochen öffnen sie die Augen. Nach einem viertel Jahr geht es mit kleinen Schritten voran. Das Fell sitzt, die Welt kann erobert werden.

Wer unterstützt das Zoo-Team bei der Geburt und Betreuung der Babies?
Am Sonntag sind Experten aus China angereist. Schon 2019 konnte der Zoo Berlin von dem Wissen der Kollegen der Chengdu Panda Base in der Jungtieraufzucht profitieren. Meng Meng ist derzeit sehr schläfrig und wird in den kommenden Wochen für Zoo-Gäste nicht immer zu sehen sein. Männchen Jiao Qing (14) hält solange die Stellung.
Warum muss der Nachwuchs zurück nach China?
Große Pandas sind Leihgaben aus China. Die Jungtiere gehören also den Chinesen. Aber Berliner und Touristen werden sich wieder mindestens zwei Jahre an dem Nachwuchs erfreuen können. Solange kümmert sich die Mutter um den Nachwuchs. Pit und Paule waren vier Jahre im Zoo.



