Der ehemaligen RBB-Intendantin Patricia Schlesinger könnte nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung eine Anklage durch die Berliner Staatsanwaltschaft wegen Betrugs und Untreue drohen. Das würde konkret bedeuten, dass Schlesinger Rundfunkgelder veruntreut und ihren Ex-Arbeitgeber dadurch betrogen hätte. Die Hinweise bezüglich der erhobenen Korruptionsvorwürfe hätten sich hingegen nicht erhärtet, heißt es in dem Bericht.
Auf Anfrage sagt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft: „Die Ermittlungen dauern an. Zu ihrem Schutz können derzeit keine Auskünfte erteilt werden.“ Die Ermittlungen seien „umfangreich und kompliziert“, ein Ende nicht zu prognostizieren. Eine drohende Anklage bestätigte die Sprecherin jedoch ausdrücklich nicht.
Schlesinger streitet ab November vor dem Landgericht über ihr Ruhegehalt
Der öffentlich-rechtliche ARD-Sender stürzte 2022 in eine beispiellose Krise. Es kamen Vorwürfe der Vetternwirtschaft und der Verschwendung gegen die Spitze auf. Die damalige Intendantin Patricia Schlesinger wurde fristlos entlassen. Unter anderem wurde ihr vorgeworfen, private Abendessen mit Catering-Service in ihrer Berliner Wohnung sowie private Urlaube dienstlich abgerechnet zu haben.
In die Kritik gerieten auch die Einführung und Gestaltung eines neuen Bonussystems für die RBB-Spitze und ein angebliches System überteuerter „Goldener Handschläge“ durch Vorruhestandsangebote an unliebsame Mitarbeiter, um Vertraute von Schlesinger in Führungspositionen zu installieren.
Schlesinger wies die Vorwürfe stets zurück. Voraussichtlich im November wird sie mit ihrem ehemaligen Arbeitgeber vor dem Landgericht Berlin um ihr Ruhegeld streiten, das ihr aus ihrer Sicht aufgrund ihres Dienstverhältnisses zusteht. Der RBB reagierte mit einer sogenannten Widerklage und fordert von Schlesinger nun im Wesentlichen die Rückzahlung variabler Vergütungen.
Schlesinger weist die Vorwürfe zurück, sieht sich als Opfer einer Kampagne
Der Skandal führte allerdings auch dazu, dass sich die Generalstaatsanwaltschaft Berlin davon unabhängig gegen Schlesinger und weitere Beteiligte einschaltete. Hierfür hat der RBB über eine Anwaltskanzlei umfangreiche Akten zur Verfügung gestellt. Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung.
Schlesinger sieht sich als Opfer einer Kampagne einiger Medien, so ihre Anwälte laut „Bild“. Die Vorwürfe beruhten auf einem falschen Verständnis ihrer Rolle als Intendantin, in der Privates und Berufliches aufgrund des hohen Arbeitspensums oft verschwommen seien.



