Nachdem die österreichischen Fans vergangenen Montag mit einem riesigen Fanmarsch in Düsseldorf beeindruckten, verwandelten die Fans aus der Alpenrepublik vor der Fußballeuropameisterschafts-Vorrundenpartie gegen Polen auch die Berliner City West in ein rot-weißes Fahnenmeer. Laut Polizeiangaben zogen 2000 Anhängerinnen und Anhänger Österreichs vom Breitscheidplatz aus bis zum S-Bahnhof Charlottenburg.

Wie die Polizei mitteilte, blieb der sogenannte Fanwalk friedlich. Fans skandierten „Immer wieder Österreich“. Die Stimmung war ausgelassen und steckte auch Anwohnende der Kantstraße an: Vor mehreren Häusern blieben die Österreicher stehen und grüßten Personen auf den Balkonen mit La-Ola-Wellen. Die Anwohnerinnen und Anwohnern antworteten ebenfalls mit der bekannten Jubelbewegung.

„Berlin ist gar nicht so schmutzig wie gedacht“

Unter den Fans waren auch Tobias aus Salzburg und seine Freunde, die namentlich nicht erwähnt werden wollten. Seit Sonntag sind sie laut eigenen Angaben unterwegs, waren zuvor in Düsseldorf, um dort ihre Mannschaft im Spiel gegen Frankreich anzufeuern. Am Mittwoch ging es dann nach Berlin - für Tobias das erste Mal. „Düsseldorf war viel überschaubarer, da wusstest du, hier spielt es sich ab, hier sind die Fans.“ In Berlin verlaufe es sich mehr. „Vom Gefühl her merkt man in anderen Punkten der Stadt nicht, dass die Euro stattfindet.“

Aber Tobias und seine Freunde haben auch positive Kritik für Berlin übrig. Anders als erwartet, sei ihr Eindruck von der Stadt sehr gut. „Die Leute sind sehr freundlich und offen und es ist nicht so dreckig, wie wir erwartet haben.“ Bei einem Sieg Österreichs will die Gruppe „durchreisen“, was in Österreich so viel bedeutet, wie nach der Party, ohne schlafen zu gehen, direkt in den Zug einzusteigen.

Stimmung blieb weitestgehend friedlich

Polnische Fans waren am Freitag ebenfalls in großer Masse unterwegs, sogar in der Überzahl, und in gleich zwei Fanmärschen präsent. Vom Pariser Platz liefen laut Polizei etwa 1300 Personen los. Auch dort sei es weitgehend friedlich geblieben. Ein weiterer Treffpunkt war der Hammarskjöldplatz an der Berliner Messe. Insgesamt sind mehr als 20.000 Anhänger beider Fanlager in der Stadt vertreten gewesen. Rund 2000 Polizistinnen und Polizisten begleiteten nach Angaben einer Sprecherin den EM-Spieltag in Berlin, darunter Einsatzkräfte aus anderen Bundesländern und von der Bundeswehr. Auch aus Österreich und Polen seien „szenekundige“ Einsatzkräfte vor Ort. Bis zum Nachmittag sei es abgesehen von einigen Einsätzen von Pyrotechnik weitgehend friedlich gewesen, hieß es.