Volle Fan Zonen, Party zum Public Viewing und mit dem 5:1-Sieg über Schottland ein Schützenfest der deutschen Mannschaft: Der Auftakt zur Fußball-EM 2024 in Berlin geriet zu einem Auftakt nach Maß für Nationalmannschaft und Stadt. Aber der Reihe nach.
Schon am späten Freitagnachmittag strömten Tausende Frauen und Männer in Trikots aller Herren Ländern in Richtung der Fanmeilen am Brandenburger Tor und vor dem Reichstag. Schnell bildeten sich lange Schlangen, Stunden vor Anpfiff tanzte eine Menschenmenge ausgelassen vor der Bühne zu den Beats des Wilmersdorfer Rappers Ski Aggu, der passenderweise gleich ein Trikot des bis dato letzten Turniers auf heimischem Boden übergestreift hatte.
Berlin: Menschenmassen strömen in die Fan Zonen
Rund eine Stunde vor Spielbeginn mussten die Zugänge zum Public-Viewing-Areal zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule geschlossen werden. 60.000 Menschen passen laut Veranstalter auf das umzäunte Areal. Während es direkt vor dem Hauptmonitor eng zu ging, gab es etwas weiter hinten auf der Straße des 17. Juni genug Gelegenheit, sich auf den Kunstrasen zu setzen, um zu picknicken oder sich an einem der zahlreichen Gastro-Stände anzustellen.

Entsprechend gut ist die Atmosphäre kurz vor dem Anpfiff. „Ich bin hier für die Stimmung und die tollen Menschen“, sagt etwa Belli. Freund Olli weiter: „Deutschland wird das Ding auf jeden Fall 3:0 holen.“ Kroatische Fans, die extra zur Unterstützung ihres Teams angereist sind, wollen das Spiel als „Warm-up“ nutzen, so Daniel. „Deutschland gewinnt 2:0. Mindestens“, ist er überzeugt.

Schottische Fans hoffen auf ihre Chance
Die Unterstützer Schottlands sehen das natürlich anders. „Schottland gewinnt 2:0. Das wird der größte Moment in der Geschichte des schottischen Fußballs in den vergangenen 50 Jahren“, ist Stuart überzeugt.
Zu Spielbeginn ist es trotzdem erst einmal erstaunlich leise auf der Fan Zone in der Party-Metropole. Es liegt ein Hauch Anspannung in der Luft, wie sich die deutsche Nationalmannschaft präsentieren wird. Doch die Fans haben Glück, werden unerwartet schnell von ihrem Leid erlöst. „Tooor“, schallt es über die ganze Fanmeile, als Florian Wirtz bereits in der 10. Minuten den Ball für Deutschland im gegnerischen Netz versenkt.

Eine Ruhe, die nicht unbemerkt bleibt von den Schotten, die die deutsche Stille aufs Korn nehmen, singen: „Is This a Library?“. Doch dann der Brustlöser: Kai Havertz befördert nach einem Foul an Ilkay Gündogan den Ball kurz vor der Halbzeitpause ins Netz. Fans mit lockiger Rudi-Völler-Perücke feiern, die Schotten mit Karo-Mütze lassen sich die gute Laune nicht nehmen und machen einfach mit. Jetzt beginnt die Party in Berlin.
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Kurz vor Schluss dann zwei Dämpfer: Niclas Füllkrug stand beim vermeintlichen 5:0 im Abseits, wenig später gelingt den Schotten noch ein Ehrentreffer. Doch dann fällt in der Nachspielzeit ein Tor für Deutschland, das Spiel ist aus. Fans tanzen über den Kunstrasen auf der Straße des 17. Juni. Bier spritzt, eine TV-Kollegin kann ihre Schalte kaum beenden, weil so viele feiernde Fans ins Bild drängen. Was für eine Stimmung!
Faire Schotten und ein Autokorso am Kudamm
Unterdessen gaben sich die Schotten als faire Verlierer. „Wir sind sehr enttäuscht“, sagt John. Das Spiel sei ein Kampf gewesen, „aber wir machen sechs Punkte in den nächsten beiden Spielen“, ist der Schotte überzeugt. „Wir hatten trotzdem unseren Spaß. Danke an Deutschland für die Gastfreundschaft.“

Wenig später ein ähnliches Bild auf dem Kudamm. Hupend fahren Anhänger der deutschen Mannschaft über den Boulevard, recken schwarz-rot-goldene Fahnen aus dem Fenster und genießen einen EM-Auftakt, der das Potenzial hat, den Geist des Sommermärchens von 2006 zu erwecken.



