Cosmo S. Wheeler (52)* steht in seinem Restaurant auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain und kann es selbst noch kaum glauben. Gerade erst hat ihm ein Nachbar zu seiner „Rezension“ beglückwünscht. Das gehe so schon den ganzen Tag, sagt er - dabei öffnet Wheelers Geschäft an diesem Freitag erst in wenigen Minuten. Er wirkt so, als müsse er selbst noch verarbeiten, was da vor wenigen Tagen passiert ist. Eine Gruppe von 18 Personen hat die gesamte Innenfläche des Restaurants gemietet, der Emma Pea. Die Direktüberweisung nach der Buchung kam aus Kalifornien. Wheeler schnauft kurz durch und zeigt auf einen Stuhl, der fast direkt vor der offenen Küche steht. „Hier saß Billie Eilish“, sagt er.
Am Donnerstag überraschte der US-Weltstar (22) mit einem kleinen Fan-Event in Berlin. Eilish lud ein paar glückliche Fans ins Prince Charles am Moritzplatz ein. Der Ort wurde bis zum letzten Moment geheim gehalten, um Anstürme von begeisternden Fans zu vermeiden. Der Auftritt fand im Rahmen ihrer Promotour für das neue Album „Hit me hard and soft“ statt. Am Freitagvormittag war Eilish dann bei einer Werbeaktion vor der East Side Mall zu sehen. Sie umarmte Fans und unterschrieb auf der „Billie Eilish Mauer“.

Billie Eilish kündigte sich eineinhalb Monate im Vorfeld an
Der Name ist vor allem auf der Plattform Tiktok geläufig. Es handelt sich um einen Mauervorsprung an einem Treppengeländer vor dem Einkaufszentrum. Ein Bild aus dem Jahr 2019 zeigt den Superstar auf dem Vorsprung, seither ist er eben als „Billie Eilish Mauer“ bekannt. Während der Fanaktion am Freitag sagte Eilish, die für Wheeler wohl folgenschwere „Rezension“ - ausgehend von dem Hype, der um den Vorsprung gemacht wird: „Ich mag das Essen hier wirklich sehr. Es ist schwer für mich, unterwegs Essen zu gehen - ich bin Veganerin, und ich finde, dass Berlin immer sehr gastfreundlich und lecker war“, so Eilish. „Es gab einen Laden, der hieß „Emma Pea“, und die hatten einen Burger, den ich wirklich mochte. Das war‘s dann auch schon.“
Ganz so überraschend war Eilish aber nicht in Berlin. Wie Wheeler erzählt, hätte sich eine Delegation aus Kalifornien bereits vor eineinhalb Monaten angekündigt. Zu diesem Zeitpunkt wusste er allerdings noch nicht, wer da kommen wird. „Da gab es einen regen Mail-Verkehr und die Frage, ob das alles gemanagt werden kann“, sagt Wheeler. Kurzfristig habe sich dann auch noch die Uhrzeit verschoben. Dann am Dienstag, um 19 Uhr, tauchte die Gruppe auf.
Wheeler: „Ich habe mir aber nichts anmerken lassen“
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich sie erkannt habe. Ich habe mir aber nichts anmerken lassen“, sagt der Inhaber des Emma Pea. Während des Servierens habe er ihre Bestellung aufgenommen. Was sie dabei genau gesagt hat, kann er aber nicht mehr sagen. „Das sind Dinge, die routinemäßig ablaufen, da macht man sich keine Gedanken“, so Wheeler. Viele Eilish-Fans hätten diesen Moment wahrscheinlich für immer in ihren Gedächtnissen festgesetzt. Bilder habe er aber keine gemacht, sagt Wheeler. „Man geht in ein Restaurant und will nicht fotografiert werden.“
Zwei Stunden hätte die Gruppe in etwa dort gegessen. Es gab Drinks, Vorspeisen, Hauptgericht, Nachspeisen. „Es war ein richtiges Abendessen, der Abend war aber eher unspektakulärer. Wir haben serviert und sie haben gegessen.“ Dabei sei ihm aber eines aufgefallen. „Sie waren spartanisch, keiner hat seinen Teller leergemacht“, so Wheeler. Dann verrät er auch noch, was Billie Eilish als Hauptgang hatte. Es war der „berlin beast Burger“. Das Patty wird aus roten Bohnen und Champignons zubereitet, darauf süßsaure Gurken, Salat und Tomate. Dazu gibt es Kartoffelecken in Tandoori-Sauce. Kostenpunkt: 15,80 Euro.

Wheeler machte ein Catering für Universal Music
Doch weshalb wählte Eilish gerade das „Emma Pea“ aus? Es gibt wahrscheinlich zwei Gründe. Billie Eilish lebt seit rund 10 Jahren vegan und im „Emma Pea“ gibt es seit 2017 auch nur noch veganes Essen. Wheeler spricht von „veganisierten“ Gerichten, also bekannten Gerichten, die vegan zubereitet werden, wie etwa ein Burger. Als er 2011 mit dem Emma Pea anfing, bot er zunächst vegetarische Speisen. Das sei aber nichts Halbes und nichts Ganzes gewesen, so Wheeler. Daher habe er umgestellt - auch und vor allem im Sinne des Tierwohls und der Umweltbelastung.
Der zweite Grund für den Besuch von Billie Eilish könnte aber noch ein anderer gewesen sein, mutmaßt Wheeler. Der Superstar steht beim Musikkonzern Universal Music unter Vertrag. Das Büro steht nur wenige hundert Meter entfernt. Und kurz bevor die Anfrage aus Kalifornien bei Wheeler im Mail-Postfach landete, hatte er für den Musikkonzern ein Catering organisiert. Damals habe es veganes Curry gegeben. „Vielleicht hat sich das herumgesprochen“, so Wheeler.
Wheeler hofft durch den Eilish-Hype auf bessere Tage
Wie er mit seinem neuerlichen Ruhm umgehen will, weiß er noch nicht so genau. „Ich denke, der Besuch wird noch Erwähnung auf unserer Instagram-Seite finden.“ Er hofft aber zumindest auf bessere Tage. Das Emma Pea sei bis zum Jahr 2015 gut gelaufen. Dann berichtete die Sängerin der Band „Jennifer Rostock“, Jennifer Weis von einer Messerattacke auf einen Freund. Ein Unbekannter soll ihn auf dem RAW-Gelände schwer am Hals verletzt haben. „Das war ganz schlechte Presse für das Gelände“, sagt Wheeler. In den vergangenen Jahren kam dann die Corona-Pandemie. Nun mit der „Rezension“ von Billie Eilish hofft er wieder auf bessere Tage.
Das Emma Pea befindet sich auf dem RAW-Gelände in Berlin Friedrichshain. Die Adresse: Revaler Str. 99, 10245 Berlin. Das Restaurant öffnet montags bis samstags um 17 Uhr.
*Cosmo S. Wheeler lautet der Aliasname des Besitzers. Er wollte unter dem Namen veröffentlicht werden. Sein richtiger Name ist der Redaktion bekannt.



