Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen der Insolvenz der KaDeWe-Guppe. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstag der Morgenpost. Dabei gehe es um die „Tatvorwürfe des Bankrotts, der Untreue und des Subventionsbetrugs“, teilte der Sprecher mit. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung darüber berichtet.

Gegen René Benko (47) selbst, den Gründer der insolventen Signa-Gruppe, wird nach Angaben des Sprechers „noch nicht“ ermittelt. Erst einmal gehe es allgemein um die Insolvenz der Signa-Gruppe, zu der 169 einzelne Unternehmen zu zählen seien. Derzeit würden dazu Unterlagen gesichtet. „Bislang wird nur zur Insolvenz der KaDeWe Group GmbH ermittelt, bei den übrigen Unternehmen laufen Vorprüfungsverfahren“, betonte der Sprecher. „Die strafrechtliche Prüfung befindet sich also gerade in der Anfangsphase.“

Sollten sich Anhaltspunkte für Straftaten ergeben, müsse zunächst geprüft werden, ob die Berliner Staatsanwaltschaft überhaupt zuständig sei. Außerdem müsse festgestellt werden, welche Personen als Beschuldigte zu führen seien. Nach Angaben des Sprechers sei noch nicht abschließend geklärt, ob Benko als faktischer Geschäftsführer der Signa-Gruppe angesehen werden könne.

Das zusammengebrochene Benko-Imperium beschäftigt auch die Staatsanwaltschaften in Bochum und München. Außerdem ermittelt die Wiener Staatsanwaltschaft wegen Kreditbetrugs.

Schummelt die KaDeWe Group bei Angaben zum Umsatz?

Gerrit Heinemann ist nicht überrascht, dass nun auch die Berliner Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen hat. Der Handelsexperte, der an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach lehrt, verweist auf Umsatzmeldungen der KaDeWe Group, die er nicht habe nachvollziehen können. Die Gruppe, die neben dem KaDeWe in Berlin auch das Kaufhaus Oberpollinger in München und das Alsterhaus in Hamburg betreibt, hatte zuletzt für das Geschäftsjahr 2022/23 vom „höchsten Umsatz der Unternehmensgeschichte“ gesprochen. Mit fast 728 Millionen Euro habe der Umsatz den KaDeWe-Angaben nach fast 24 Prozent höher gelegen als noch im Vor-Coronajahr 2018/19.

Heinemann hatte schon vor einigen Wochen gegenüber dem RBB geäußert, dass dort vermutlich auch Umsätze der Mieter mit eingerechnet seien. „Wenn ein Einzelhändler Außenumsatzzahlen von Mietern als eigenen Umsatz deklariert, ist das nicht ganz sauber“, betont der Handelsexperte nun erneut im Gespräch mit der Morgenpost. „Sollte sich herausstellen, dass nicht mit sauberen Zahlen gearbeitet worden ist, begründet das den Tatbestand des Betruges, nämlich das Vortäuschen falscher Tatsachen“, sagt Heinemann. Die KaDeWe Group äußerte sich auf Nachfrage zunächst nicht zu den Umsatzangaben.

Nach Recherchen des RBB ist die Gruppe schon seit Jahren nicht mehr kreditwürdig. Einem Bericht nach sind für die Schieflage weniger die Mietzahlungen an Signa, sondern vielmehr die schwache Geschäftsentwicklung verantwortlich. So sollen die Umsätze schon in den Vor-Coronajahren deutlich zurückgegangen sein. Gleichzeitig soll das Unternehmen immer mehr seiner Flächen an andere Firmen vermietet haben.

Finanzexperten stießen in den kürzlich veröffentlichten Jahresabschlüssen laut RBB zudem auf sogenannte „Mietkompensationszahlungen”, welche die KaDeWe-Gruppe jahrelang von ihrem Vermieter Signa erhalten haben soll. Eine Reduzierung der Miete hätte den Immobilienwert gedrückt. So wäre es wohl schwieriger geworden, neue Kredite zu bekommen.

Berlin gewährt KaDeWe Bürgschaft trotz Überschuldung

Obwohl die KaDeWe-Gruppe im Jahr 2020 überschuldet ist, bekommt sie eine Bürgschaft für einen Kredit über 90 Millionen Euro zur Überbrückung der Auswirkungen der monatelangen Schließungen während der Corona-Pandemie gewährt, an der auch das Land Berlin beteiligt ist. Im Februar dieses Jahres betonte die Gruppe auf Nachfrage der Morgenpost, die Bürgschaft nicht in Anspruch genommen zu haben. „Die Rückzahlung des Kredits erfolgt planmäßig und die KaDeWe Group hat bisher Rückzahlungen in relevanter Höhe an den Kreditgeber geleistet“, hieß es.

Das war kurz nachdem die Gruppe Insolvenz anmelden musste. Noch Ende November 2023 hatte der damalige Geschäftsführer der Gruppe, Michael Peterseim, in einem Interview mit der Berliner Morgenpost betont, dem KaDeWe gehe es blendend.

Das Gebäude des KaDeWe ist mittlerweile an die thailändische Central Gruppe verkauft. Auch an der KaDeWe Group ist die thailändische Gesellschaft mit 50,1 Prozent bereits beteiligt, der Rest gehört zu Signa. Die Central Gruppe zählt unter Handelsexperten auch zu den Kandidaten für die vollständige Übernahme der KaDeWe Group.

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