Der Tod eines 29-jährigen Polizisten am Sonntag nach einer Messerattacke in Mannheim hat auch in Berlin für Bestürzung gesorgt. Die Berliner Polizei ließ ihren Account auf dem sozialen Medium X auf Trauerflor umstellen. Unter dem Hashtag „Einer von uns“ sprachen Dienstellen bundesweit der Familie und den Hinterbliebenen des Toten ihr Beileid aus. „Dieser tragische Vorfall erinnert uns daran, welche Risiken unsere Polizeikräfte täglich tragen, um die Sicherheit und den Schutz unserer Gesellschaft zu gewährleisten“, ließ Innensenatorin Iris Spranger (SPD) verkünden. „Ihr unermüdlicher Einsatz verdient unseren höchsten Respekt und unsere volle Unterstützung.“

Ein mutmaßlich islamistischer Angreifer hatte dem 29-Jährigen bei einer Attacke auf den Mannheimer Marktplatz am Freitag mehrmals in den Kopfbereich gestochen. Zunächst war er notoperiert und in ein künstliches Koma versetzt worden. Die Polizeigewerkschaft DPolG warnte am Montag, dass etwas Derartiges allen Kolleginnen und Kollegen jeden Tag überall in Deutschland geschehen könne - besonders auch in Berlin. „Berlin hat ein Messerproblem, das nur mit einer starken Polizei im Einklang mit deutlichen Urteilen bekämpft werden kann“, sagte der DPolG-Landesvorsitzende Bodo Pfalzgraf. „All das geht nur mit dem unbedingten politischen Willen, diese Stadt nicht zum Messerstecher-Hotspot verkommen zu lassen.“

Messerattacken nehmen auch in Berlin stetig zu

Tatsächlich sind die Zahlen der Messerattacken in Berlin seit Jahren steigend. 2023 wurde in 3482 Fällen ein Messer als Tatwaffe benutzt, was 165 Fälle mehr als im Vorjahr waren und einem Anstieg von fünf Prozent entspricht. Zudem wurden insgesamt 9603 Dienstkräfte der Polizei Berlin im Einsatz angegriffen – ebenfalls eine Zunahme um 10,1 Prozent.

Dennoch warnt die konkurrierende Gewerkschaft der Polizei GdP vor vermeintlich einfachen Lösungen. „Es ist Zeit für Trauer und nicht für populistische Forderungen“, sagt GdP-Sprecher Benjamin Jendro. „ Auch Messerverbote werden solche gezielten Attacken nicht verhindern, davon lässt sich kein Täter abhalten und man hat eh nicht das Personal, um sie auch sinnvoll zu kontrollieren.“ Sonntagsreden oder hohle Phrasen seien jetzt nicht angebracht.

Grundsätzlich sind Messer leicht zugänglich und jederzeit auch verdeckt mitführbar. Die Polizeigewerkschaft DPolG fordert die Strafverfolgungsbehörden daher auf, effektive Mittel zur Aufklärung und Abschreckung einzusetzen. Dies könne die Durchsetzung strengerer Waffengesetze, verstärkte Polizeipräsenz in gefährdeten Gebieten sowie die zügige Ermittlung und Verfolgung von Straftätern umfassen.

Polizeigewerkschaft: Bessere Ausrüstung für Einsatzkräfte

Das Land Berlin sollte außerdem öffentliche Gebäude waffenfrei machen und sein Hausrecht durchsetzen. Die Polizei selbst bräuchte bessere Ausstattung. „Wenn wir nüchtern und objektiv auf die Ausstattung und unserer Basiskräfte schauen, dann fällt sofort auf: Der Schutz ist unzureichend”, so Pfalzgraf. Heutzutage sei es einfach, Arbeitskleidung mit dem Einsatz von entsprechenden Stoffen und Materialien zu produzieren, die weder das Gewicht wesentlich erhöhen noch die Beweglichkeit einschränken, betonte der DPolG-Landesvorsitzende.