Der diesjährige Pfingstsonntag ist in Berlin ein Feiertag mit hohem Gewaltpotenzial. Grund sind gleich zwei Risikospiele der Regionalliga Nordost zum Saisonfinale, die parallel ab 13 Uhr in der Hauptstadt stattfanden. Im Jahnsportpark in Prenzlauer Berg kam es zum Berlin-Brandenburg-Derby zwischen Hertha BSC II und dem FC Energie Cottbus, während im Sportforum Hohenschönhausen in Lichtenberg BFC Dynamo und der Berliner AK aufeinander trafen. Gerade die Fanszenen von Dynamo und Energie gelten als extrem gewaltbereit und politisch „rechtsoffen“, die gegenseitige, fast schon offizielle „Fanfeindschaft“ führte in der Vergangenheit immer wieder zu brutalen Auseinandersetzungen. Die Polizei ist mit 700 Kräften im Einsatz und erhält Unterstützung aus Brandenburg und Niedersachsen, um der Lage Herr zu werden.

Beide Mannschaften gewannen ihre jeweiligen Spiele, Cottbus mit 2:0, Dynamo mit 3:1. Die Sicherheitskräfte rechnen damit, dass es nach den Partien zu verabredeten Kämpfen zwischen Cottbussern und Dynamo-Anhängern kommen könnte. „Gerade beim Thema Fußball müssen die Vereine ihrer Verantwortung mehr gerecht werden“, fordert daher Benjamin Jendro, Sprecher der Berliner Polizeigewerkschaft GdP, gegenüber der Berliner Morgenpost. „Sie kennen ihre gewaltsuchenden Protagonisten und sollten nicht vergessen, dass auch Kinder zu den Zuschauern gehören.“ Es könne nicht sein, dass ständig Amateurspiele zu Polizei-Großeinsätzen werden würden, so Jendro.

Cottbus steigt auf – Fans feiern ausgiebig im Stadion

Für die Lausitzer ging es dabei um besonders viel, sie sind mit circa 9000 Fans nach Berlin gereist. Cottbus reichte ein Remis gegen Herthas Amateure, um erstmals seit 2018 in die dritte Liga aufzusteigen. Das Jahnstadion war mit seinen 10.000 Plätzen restlos ausverkauft, allein 7500 Tickets waren an die Gästefans aus Cottbus gegangen.

Die Fans von Energie Cottbus feierten dementsprechend ausgiebig im Jahnstadion den Aufstieg ihrer Mannschaft in die dritte Liga – unter den wachsamen Augen der Polizei. Ein Polizeihubschrauber kreiste auch weiterhin über dem Stadion. Ein Stadionsprecher warnte allerdings davor, dass in der Ferne ein Gewitter aufzieht. Mittlerweile ist die Abreise der Energie-Anhänger abgeschlossen.

Zuvor hatte es einen Fanmarsch mit etwa 3500 Teilnehmern vom Bahnhof Gesundbrunnen bis hin zum Mauerpark gegeben. Gegen 10 Uhr erwartete ein Großaufgebot der Berliner Polizei die Fans aus der Lausitz und geleitete sie mit deeskalierenden, teils witzigen Lautsprecheransagen zum nahen Humboldthain. In der Grünanlage sammelte sich schon bald ein Meer aus rot angezogenen Fans, das gemeinsam in die üblichen Fangesänge einstimmte. „Hurra, die Cottbusser sind da!“ und „Auswärtssieg“ gehörten noch zu den harmloseren Hymnen, während „West-Berliner Scheiße“ und „Scheiß Dynamo!“ schon eher auf die befürchteten Krawalle hindeuteten.

Anfang Mai eskalierte ein Spiel zwischen Cottbus und Dynamo zum Großeinsatz

Vereinzelt kam es beim Fanmarsch vom Bahnhof Gesundbrunnen aus zum Einsatz von Pyrotechnik.
Vereinzelt kam es beim Fanmarsch vom Bahnhof Gesundbrunnen aus zum Einsatz von Pyrotechnik.© BM | Dennis Meischen

Bei beginnendem Nieselregen setzte sich der Zug über Volta- und Bernauer Straße in Bewegung. Abgesehen von dem Einsatz von Pyrotechnik hier und da blieb die Lage zunächst friedlich, über dem Zug kreiste die ganze Zeit lang ein Helikopter. Ärgerlicher war da wohl das viele Wildpinkeln in den Hinterhöfen entlang der Strecke, misstrauisch und angeekelt von den Balkonen der Anwohner aus beäugt. Dennoch kam es schon vor dem Anpfiff zu vereinzelten Festnahmen, wie die Polizei vermeldete. Insgesamt waren es 16 an der Zahl, primär wegen des Anzündens von Pyrotechnik. In einem Fall war es jedoch auch zum Zeigen eines Hitlergrußes und danach zu einem tätlichen Angriff gegen Vollstreckungsbeamte gekommen. Auch wegen Sachbeschädigungen werde ermittelt. Angesichts der vielen anwesenden Fans sei es aber ein „störungsarmer Verlauf“ gewesen, so die Polizei.

Zuletzt erst eskalierte ein Spiel zwischen Cottbus und Dynamo Anfang Mai im Sportforum sowohl im als auch neben dem Stadion. Mehrmals musste die Partie unterbrochen werden, im Nachhinein kam es zu heftigen Ausschreitungen zwischen den jeweiligen Fangruppierungen und der Polizei. Dabei setzte die Berliner Polizei auch Wasserwerfer ein. Über einhundert Beamte wurden verletzt. Ob sich diese unschönen Bilder an diesem Sonntag wiederholen, bleibt abzuwarten. Laut Angaben eines Polizeisprechers gebe es derzeit aber keine Hinweise auf eine sogenannte „dritte Halbzeit“. Die Einsatzkräfte der Polizei seien bemüht, die Fanströme von Cottbus und Dynamo so weit es geht „auseinander zu halten“.