Die Gewerkschaft Verdi hat vor Weihnachten einen viertägigen Streik im Berliner und Brandenburger Einzelhandel angekündigt. Zum Arbeitskampf aufgerufen seien von Mittwoch bis Sonnabend unter anderem Mitarbeiter der Filialen von Edeka, Rewe, Penny, H&M, Edeka, Netto, Thalia und Kaufland. Auch für die vier Berliner Ikea-Einrichtungshäuser sowie die Lager von Kaufland in Lübbenau und Rewe in Berlin-Mariendorf sei Streik angekündigt. Der Handelsverband Berlin-Brandenburg (HBB) versicherte, trotz des Streiks blieben die Läden der Region geöffnet. Die Erfahrungen der letzten Streiks belegten, dass Streiks den Gang der Geschäfte nicht ernsthaft beeinträchtigten.

Hintergrund des Streiks sind die stockenden Tarifverhandlungen, bei denen es nach acht Monaten der Verhandlung noch immer keinen Abschluss gebe, so Conny Weißbach, Verdi-Verhandlungsführerin für den Einzelhandel in Berlin-Brandenburg. Laut Verdi blockierten die Arbeitgeber im Handel eine Tariflösung. Verdi fordert für den Einzelhandel 2,50 Euro mehr pro Stunde bei einer Laufzeit von einem Jahr. „Die Arbeitgeber bieten bislang für 2023 nur eine Tariferhöhung von 1,04 Euro. Das bedeutet jedoch deutliche Reallohnverluste für die Beschäftigten“, so Weißbach. „Die Beschäftigten erwarten ein Angebot, das die Reallöhne sichert und das Risiko von Altersarmut in der Branche reduziert.“

Streik im Berliner Einzelhandel – Handelsverband: „Weihnachtseinkauf ist sicher“

Nils Busch-Petersen, HBB-Hauptgeschäftsführer, widersprach: Die Arbeitgeber hätten ihr Angebot mehrfach deutlich nachgebessert, während die Gewerkschaft Verdi „einfach stur an ihren Maximalforderungen“ festhalte, teilte er in einer Erklärung mit. Das Angebot der Arbeitgeber sehe eine Tarifsteigerung von 10,24 Prozent über die angebotene Laufzeit von 24 Monaten vor, zuzüglich einer steuer- und abgabenfreien Inflationsausgleichsprämie in Höhe von insgesamt 750 Euro. Dieses Angebot sei „in der Höhe historisch und bedeutet für die Unternehmen das Ende der Fahnenstange“.

Auch in den vergangenen Monaten der Tarifverhandlungen sei es immer wieder zu Streiks im Einzelhandel gekommen, so Busch-Petersen. Die Handelsunternehmen hätten aber gezeigt, dass sie die Auswirkungen so gering wie möglich halten können. „Der gewohnte Weihnachtseinkauf ist der Kundschaft des Handels daher sicher.” Bei vorangegangenen Streiks im Einzelhandel waren die Folgen jedoch zum Beispiel durch leere Regale in Supermärkten deutlich sichtbar gewesen.

In Berlin sind laut Verdi von insgesamt 150.0000 Mitarbeitern im Einzelhandel gut 127.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Für 46 Prozent gelten die Tarifabschlüsse zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern. Die Abschlüsse seien jedoch auch für andere Arbeitgeber eine Orientierung, so Weißbach. Inzwischen sei im Handel eine deutliche Abwanderung von Beschäftigten in andere Branchen zu beobachten, sagte sie. Tatsächlich zahlten Arbeitgeber in einzelnen Bereichen bereits mehr, als sie in den Tarifverhandlungen anböten, so Weißbach. Auf diese einseitigen Zusatzzahlungen hätten Arbeitnehmer jedoch keinen dauerhaften Anspruch, sie seien kein Ausgleich für tariflich abgesicherte Gehälter.