Die Dunstglocke aus Alkohol, Gras, Schweiß und Bühnennebel erinnerte eher an ein Festival als eine Demonstration, die Dieselschwaden der Musikwagen an ein Oldtimertreffen. Elf Party-Wagen und mehrere Tausend Teilnehmer zogen am Sonnabend als „Zug der Liebe“ durch Berlin. Erwartet wurden bis zum Abend laut den Veranstaltern bis zu 15.000 Menschen. Die als Demonstration „für mehr Toleranz und Nächstenliebe“ angemeldete Techno-Parade führte, von wummernden Bässen und sphärischen Klängen begleitet, vom Mauerpark in Prenzlauer Berg durch Friedrichshain bis zur Oranienstraße in Kreuzberg.

Dabei mischte sich Party mit ernsten Tönen. Sie seien „für mehr Liebe“ dabei, sagten etwa die Teilnehmer Pepe und David aus Strausberg, zwei junge Männer mit rosa Plüschmützen auf dem Kopf. Er sei auch hier, um gegen den Krieg zu demonstrieren, der allgegenwärtig sei, fügte Pepe hinzu, den Slogan „Slava Ukraine“ („Es leben die Ukraine“) auf einem Plakat im Blick. Er habe Freunde, deren Großeltern in der Ukraine getötet wurden, weil sie nicht hatten fliehen können. „Es muss aufhören, dass Menschen sinnlos getötet werden.“

Die teilnehmenden Wagen fuhren für soziale und gemeinnützige Organisationen, vom Union-Hilfswerk über die Katastrophenhilfe bis zu Tierschützern. Auf Plakaten ging es um Nächstenliebe und Jesus, gegen Vorurteile, aber auch um mehr Wohnraum. Am Rand der Demonstration machten fliegende Händler gute Geschäfte mit kalten Getränken und anderen Dingen. Schon als der Zug mit 90 Minuten Verspätung startete, war ein Großteil der Teilnehmer in gehobener Partylaune. Bis zum Nachmittag sei der „Zug der Liebe“ friedlich verlaufen, teilte die Polizei mit, die mit rund 450 Polizisten im Einsatz war. Man rechne damit, dass es friedlich bleibe, so eine Sprecherin.
Techno-Party: Die besten Bilder vom "Zug der Liebe"
Die Demonstration hat trotz ihres Namens nichts mit der legendären „Loveparade“ zu tun. Sie sei vielmehr 2015 als Gegenveranstaltung zur rechtspopulistischen „Pegida“-Bewegung in Leben gerufen worden, so die Veranstalter. Als Loveparade-Nachfolger gilt die Techno-Party „Rave The Planet“, an der am 9. Juli in Berlin rund 200.000 Menschen feierten. Dieses Event hatte ausschließlich auf der Straße des 17. Juni in Tiergarten stattgefunden.

Am „Zug der Liebe“ hatten im vergangenen Jahr rund 9000 Menschen teilgenommen. Wie damals sollte auch diesmal die Abschlusskundgebung gegen 20.30 Uhr am Waldeckpark in Kreuzberg stattfinden. Dort hatten sich jedoch 2022 Anwohner über zahlreiche Party-Demonstranten beschwert, die in privaten Grünanlagen und sogar auf einem Spielplatz uriniert hätten.
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Exkremente, Müll und Glasscherben sind nach jedem Party-Event in Berlin ein Problem. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) hatte angekündigt, beim „Zug der Liebe“ mit etwa 60 Beschäftigten und 25 Fahrzeugen im Einsatz zu sein. Im vergangenen Jahr seien beim Liebes-Zug 45 Kubikmeter Müll gesammelt worden, so die BSR. Nach dem diesjährigen 1. Mai hatte die BSR in Kreuzberg rund 180 Kubikmeter Müll zusammengekehrt. Bei „Rave The Planet“ waren es immerhin 165 Kubikmeter.









