Noch strömt fast überall in Deutschland sauberes Trinkwasser in der gewünschten Menge aus den Hähnen. Aber an besonders heißen Tagen stoßen immer mehr Wasserversorger an ihre Grenzen. In einer neuen Umfrage unter 357 deutschen Unternehmen gab ein Drittel an, an Tagen mit besonders hoher Temperatur seine Kapazitäten zu 90 Prozent ausgelastet zu haben.

„Klar ist aber auch, dass es verstärkt Maßnahmen auf unterschiedlichen Ebenen bedarf, um die Wasserversorgung fit für die Zukunft zu machen.“„ sagte der Vorstand des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW), Wolf Merkel, bei der Präsentation einer Umfrage unter den Wasserversorgern am Dienstag in Berlin.

Christoph Donner, Chef der Berliner Wasserbetriebe, wies auf die unterdurchschnittlichen Niederschläge und die sinkenden Grundwasserstände in der Region hin. Das Berliner System liefere auch in Trockenjahren zuverlässig Trinkwasser. "Das bleibt aber nicht von allein so, dafür müssen wir etwas tun." Die Wasserbetriebe investierten deshalb bis 2030 rund 6 Milliarden Euro unter anderem in die Erneuerung unserer Grundwasserbrunnen, in eine noch bessere Abwasserreinigung und in den Umbau Berlins zu einer wassersensiblen Metropole.“

Die Versorger blicken durchaus mit Sorge in die Zukunft. Erste Engpässe bei der Versorgung gab es im vergangenen Jahr bei jedem fünften Unternehmen. Brunnen sind ausgetrocknet, Talsperren waren nicht mal zur Hälfte gefüllt oder Flüsse führten zu wenig Wasser, um sie über die Uferfiltration in gewohntem Umfang anzuzapfen. 36 der befragten Versorger mussten 2022 die Wassernutzung bereits einschränken oder von anderswo Wasserreserven bereit stellen.

Wasserversorgung: Jeder dritte Versorger befürchtet in diesem Jahr Beeinträchtigungen

Für das laufende Jahr befürchtet immerhin fast jeder dritte Versorger eine „geringe Beeinträchtigung“ für die Wasser-Lieferungen, vier Prozent sehen schon eine „hohe Beeinträchtigung“. Berlins Wasserbetriebe gehören zu der Mehrheit, die keine Ausfälle befürchten. Die Versorgungssicherheit liege für den Sommer „im grünen Bereich“.

Experten sehen gleichwohl eine drohende Wasserknappheit vor allem in Ost- und Mitteldeutschland sowie in Ostbayern und Teilen Baden-Württembergs. Für Berlin hat Umweltsenatorin Manja Schreiner (CDU) angekündigt, einen Krisenplan für die Wasserversorgung und -verteilung erarbeiten und im Zuge dessen Wasser auch die Möglichkeit für Rationierungen vorbereiten zu wollen.

Berliner Wasserbetriebe müssen an heißen Tagen an ihre Kapazitätsgrenzen gehen

Berlins Wasserbetriebe müssen in ihre Wasserwerke investieren, hier ein Blick ins Wasserwerk Spandau, das eine Viertelmillion Menschen versorgt.
Berlins Wasserbetriebe müssen in ihre Wasserwerke investieren, hier ein Blick ins Wasserwerk Spandau, das eine Viertelmillion Menschen versorgt.© BM | BWB

Mit solchen Überlegungen steht Berlin nicht alleine da. Mehr als jedes dritte Unternehmen musste an heißen Sommertagen an seine Grenzen gehen, um die Wasserkunden zu versorgen. Die Kapazitäten der Wasseraufbereitung waren in der Spitze bei jedem dritten Unternehmen (35 Prozent) zu mehr als 90 Prozent ausgeschöpft, die Berliner Wasserbetriebe liegen aber unter dieser Marke, haben also in ihren Klärwerken noch Spielraum. Die Fördermöglichkeiten und die wasserrechtlich genehmigten Mengen wurden von 31 Prozent der Versorger zu mehr als 90 Prozent ausgenutzt. Das gilt auch für die Berliner Wasserbetriebe.

2018 arbeiteten erst 25 Prozent der Unternehmen an heißen Tagen an ihrer Kapazitätsgrenze. Höhere Wasser-Bedarfe in Spitzenzeiten können dazu führen, dass die Versorgung eingeschränkt wird. Gärten dürfen dann nicht mehr gewässert werden. Großverbraucher, etwa aus der Industrie, müssten ihre Produktion drosseln.

In der Region gibt es um das Tesla-Werk bereits Konflikte ums Wasser

Mittel- und langfristig könnte es auch in Berlin eng werden. Experten warnen, dass nach dem Ende des Braunkohle-Tagebaus in der Lausitz, für den Grundwasser in die Spree gepumpt wird, die Wassermenge im Fluss um 75 Prozent sinken könnte. Das könnte Folgen haben für die Wassergewinnung etwa im Wasserwerk Friedrichshagen am Müggelsee. Schon gibt es in der Region handfeste Konflikte ums Wasser, etwa um die Mengen, die die Elektro-Auto-Fabrik von Tesla in Grünheide benötigt.

Um Rationierungs-Szenarien möglichst zu vermeiden, müsse das Trinkwassernetz in Deutschland angepasst und ausgebaut werden.„Es gilt, die Versorgungsinfrastruktur zunehmend redundant auszulegen“, sagte DVGW-Vorstand Merkel. Dies könne durch die Erschließung neuer Gewinnungsgebiete, durch den Bau neuer Talsperren, unterirdischer Wasserspeicher, durch den Ausbau des Fernleitungssystems und Verbünden zwischen benachbarten Versorgern.

Berlins Wasserbetriebe planen neue Wasserwerke

Berlins Wasserbetriebe bereiten sich auf eine trockenere Zukunft vor. Neue Gewinnungsanlagen, Wasserwerke und eine bessere Notstromversorgung sind in Planung oder werden bereits gebaut. Selbst bei einem Stromausfall ließe sich die Wasserversorgung Berlins drei Tage lang aufrecht erhalten.

Die Wasser-Branche sieht zudem „dringenden Handlungsbedarf“ bei wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren. „Die Vergabe von Wasserrechten muss beschleunigt und vereinfacht werden“ sagte Merkel.

BUND fordert, Regenwasser aufzufangen und für Toiletten und Bewässerung zu nutzen

Der Umgang mit dem immer kostbareren Nass ist aber nicht nur eine Aufgabe für die Wasserbetriebe. Der Umweltverband BUND Berlin fordert, entsprechende Vorgaben in der neuen Bauordnung zu machen. Regenwasser dürfe nicht mehr in die Kanalisation abgeleitet werden sondern müsse auf dem Grundstück versickern. Sollte das nicht vollständig möglich ist, sollte das Wasser wie Brauchwasser aufgefangen und nutzbar gemacht werden um Toiletten zu spülen, zu putzen oder Pflanzen zu bewässern.