Im Netz sind jetzt erschreckende Bilder aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Tegel aufgetaucht. Häftlinge erheben darin auf dramatische Weise Vorwürfe zu den Lebensbedingungen im Gefängnis. Dabei ritzen sich die Männer zuletzt mit Rasierklingen die Arme auf.

Der 79 Sekunden lange Clip wurde unter anderem auf Instagram hochgeladen. Zu sehen sind rund ein halbes Dutzend Männer, die um einen weiteren Häftling stehen, der eine Erklärung vorliest. Zuschauer können nur sein Gesicht erkennen.

Schwere Vorwürfe wegen der Behandlung von Häftlingen

Der Mann trägt vor, dass ausländische Gefangene in der JVA diskriminiert werden und schlechtere oder gar keine Arbeit erhielten. Außerdem gebe es keine Entlassungsvorbereitung für Häftlinge. Ein ehemaliger Häftling habe keine Unterstützung erhalten, weshalb er in der Nacht nach dem Verlassen der JVA vor der Pforte geschlafen habe. „Wir dürfen uns nicht beschweren. Dienstaufsichtsbeschwerden werden ignoriert und entsorgt, Lebensmittelversorgung wird drastisch reduziert“, so der Häftling.

Weitere Vorwürfe: „Ärztliche Anordnungen werden von Beamten ignoriert.“ Es gebe „keine Einhaltung der Beschlüsse von Gerichten und des Berliner Strafvollzugsgesetzes“.

Schnitte mit Rasierklingen

Am Ende des Videos ritzen sich mehrere Gefangene die Unterarme auf. „Durch diese Aktion möchten wir uns Gehör verschaffen und die Aufmerksamkeit auf uns richten“, heißt es. Zu hören ist dann aufgrund der Schnitte Stöhnen der Männer, abschließend fordert sie jemand auf: „Nicht übertreiben!“

Die Senatsverwaltung für Justiz bestätigte die Echtheit des Videos. „Das Video ist in den Kellerräumen der Teilanstalt VI der JVA Tegel aufgenommen worden“, teilte man mit. „Der erkennbare Gefangene ist identifiziert.“

Mobiltelefone sind nicht gestattet

Gefangene könnten sich während der Aufschlusszeit frei bewegen und auch Kontakt zu anderen Inhaftierten pflegen. „In jeder Vollzugsanstalt werden Hygieneartikel – so auch Rasierer – ausgehändigt.“ Im Video sind Rasierapparate nicht zu erkennen, die Klingen halten die Häftlinge offenbar zwischen ihren Fingern.

Nicht erlaubt, so die Justizverwaltung weiter, seien Mobiltelefone. Wegen welcher Delikte die Gefangenen einsitzen, teilte man nicht mit. Die Verwaltung gehe den erhobenen Vorwürfen gründlich nach, hieß es. „Bekannt sind Unzufriedenheiten bezüglich der ausgegebenen Kaltspeisen bezogen auf die gesamte JVA Tegel.“ Unabhängig von diesem Video setze sich Senatorin Lena Kreck (Linke) „seit geraumer Zeit für die Neuaufstellung des Beschwerdemanagements in den Berliner Justizvollzugsanstalten ein“.

mit dpa