Verkehr

"Letzte Generation": Neue Blockaden in Berlin

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Aktivisten der der Gruppe „Letzte Generation“ sitzen an einer Ausfahrt der Stadtautobahn und blockieren die Straße. (Archivbild)

Aktivisten der der Gruppe „Letzte Generation“ sitzen an einer Ausfahrt der Stadtautobahn und blockieren die Straße. (Archivbild)

Foto: Paul Zinken / dpa

Es geht weiter: Auch am Montag sorgte die Klima-Protestgruppe „Letzte Generation“ in Berlin wieder für Verkehrsbehinderungen.

Berlin. Neue Woche, neue Blockaden: Die Aktivisten der Klima-Protestgruppe "Letzte Generation" waren auch am Montag wieder aktiv.

Sie setzten sich auf vier Kreuzungen in verschiedenen Stadtteilen, wie eine Polizeisprecherin sagte. Einige von ihnen klebten sich auch fest. Es kam zu längeren Staus. Auf der Frankfurter Allee am Ringcenter in Friedrichshain gab es laut Polizei körperliche Auseinandersetzungen von Autofahrern mit Blockierern. Blockiert wurden am Vormittag außerdem die Puschkinallee an der Elsenbrücke in Treptow und die Bornholmer Straße an der Schönhauser Allee in Pankow. Am Bundesplatz kletterten einige Demonstranten auf Schilderbrücken. Nach Angaben der Verkehrsinformationszentrale VIZ gab es auch eine Demonstration auf dem Mehringdamm in Kreuzberg. Die Kreuzung Yorckstraße war blockiert.

A100: Autofahrer stehen 1,5 Stunden im Stau

Am Mittag gab es eine weitere Blockade-Aktion auf der A100 in Richtung Wedding. "Demonstranten haben zwischen Oberlandstraße und Gradestraße eine Schilderbrücke besetzt", twitterte die VIZ. Der rechte und mittlere Fahrstreifen sei gesperrt. Es kam zu einem Stau mit einer Dauer von 1,5 Stunden. Verkehr in Berlin: Hier sehen Sie eine Livekarte.

Aktivisten demonstrieren in Gefangenenkleidung

Die Protestgruppe "Letzte Generation" teilte mit, einige ihrer Leute hätten schwarz-weiß-gestreifte Gefangenenkleidung getragen, um dagegen zu protestieren, dass Demonstranten in München wegen wiederholter Blockaden eingesperrt würden. Sie forderten von der Bundesregierung mehr Maßnahmen gegen den Klimawandel.

"Unsere Mitstreitenden sind im Gefängnis, der Protest in #Berlin geht weiter‼ Diese Menschen hier bitten die Bundesregierung am Do um 10 Uhr zum Gespräch über erste Sicherheitsmaßnahmen im Klimanotstand zu erscheinen. Liebe Bundesregierung – wegsperren oder reden?"

Zuletzt standen die Aktivisten der "Letzten Generation" in der Kritik. In Berlin war am vergangenen Montag eine Radfahrerin von einem Lastwagen erfasst und überrollt worden. Ein Spezialfahrzeug, das helfen sollte, die Verletzte unter dem Lastwagen zu befreien, stand nach Angaben der Feuerwehr in einem Stau auf der Stadtautobahn. Dieser soll durch eine Aktion der Klima-Protestgruppe "Letzte Generation" ausgelöst worden sein.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete jedoch unter Berufung auf einen Einsatz-Vermerk, dass es nach Einschätzung der behandelnden Notärztin keine Auswirkungen auf die Rettung der verletzten Frau hatte, dass der Wagen nicht zur Verfügung stand. Die Radfahrerin starb nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag an ihren schweren Verletzungen. Mehrere Dutzend Menschen gedachten der Frau am Sonntagabend bei einer Mahnwache.

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Kanzler Olaf Scholz übt Kritik

Kanzler Olaf Scholz kritisierte die Proteste der Gruppe "Letzte Generation" deutlich. "Ich gebe gerne zu, dass ich das nicht gut finde, wenn jetzt Kunstwerke irgendwie bemalt oder mit Brei beworfen werden", sagte Scholz am Samstag auf dem Debattenkonvent der SPD in Berlin auf die Frage, wie man mehr Verständnis für die Anliegen der Aktivisten schaffen könne. Scholz sagte, man müsse sich überlegen, was man mit Aktionen anrichte. Er glaube, dass das Gegenteil zu ihrem Anliegen erreicht werde, wenn sich Aktivsten auf die Straße klebten und den Verkehr behinderten.

Franziska Giffey: "Wir greifen durch"

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) sagte der "Bild am Sonntag" auf die Frage, wie lange die Politik die Klimaaktivisten gewähren lasse: "Wir greifen durch. In Berlin laufen mehr als 700 Strafverfahren gegen Klima-Aktivisten, davon wurde bislang nur eines eingestellt. Es sind bereits mehr als 240 Strafbefehle ergangen."

Markus Söder fordert härtere Strafen

CSU-Chef Markus Söder fordert härtere Strafen für Klima-Aktivisten der "Letzten Generation" - in besonders schweren Fällen bis hin zu Haftstrafen. "Ich habe kein Verständnis, wenn Menschenleben gefährdet werden, ich habe kein Verständnis dafür, wenn Sachbeschädigung stattfindet. Und ich denke, der Staat muss hier auch eine klare Kante zeigen", sagte der bayerische Ministerpräsident am Sonntag in München. Es müsse "ganz klar" Strafen geben, "und zwar Strafen, die wirksam sind: nicht leichte Geldstrafen, sondern auch mal tatsächlich beispielsweise einen Arrest oder eine entsprechende Haftstrafe, wenn es dann um besonders schwere Fälle geht".

Der Chef der CSU-Abgeordneten im Bundestag, Alexander Dobrindt, äußerte sich ähnlich. "Klima-Protest darf kein Freibrief für Straftaten sein", sagte er der "Bild am Sonntag". Nach einem Bericht der Zeitung will die Unionsfraktion im Bundestag einen Antrag für härtere Strafen einbringen. Aktivisten, die etwa Straßen blockieren oder die Durchfahrt von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten behindern, soll demnach künftig eine Mindestfreiheitsstrafe drohen. Auch für die Beschädigung oder Zerstörung von Kulturgütern fordert die Union demnach eine Mindestfreiheitsstrafe statt Geldstrafen.

FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai betonte dagegen im "Tagesspiegel": "Unser Rechtsstaat hat genügend Instrumente zur Verfügung, um gegen radikale Aktivisten vorzugehen." Die rechtspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Sonja Eichwede, sagte der Zeitung, man brauche den "populistischen Ruf nach strafrechtlichen Verschärfungen seitens der Union" nicht. Dies helfe weder den Ermittlungsbehörden, noch verhindere es weitere Straftaten.

Proteste auch in anderen Metropolen

Auch in anderen Metropolen gingen die Proteste weiter. Am Amsterdamer Flughafen Schiphol war es 500 Aktivisten am Samstag gelungen, einen Zaun an einem Parkplatz zu durchbrechen und so auf das Flughafengelände zu gelangen. Die Gruppierungen Greenpeace und Extinction Rebellion blockierten nach Angaben der Polizei Privatjets auf dem Flughafengelände. Einige ketteten sich auch an Flugzeugen fest. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben rund 200 Menschen fest.

In Madrid klebten sich zwei Aktivisten im Prado-Museum an die Rahmen zweier berühmter Bilder des spanischen Meisters Francisco de Goya. Auf die Wand zwischen den Gemälden "Die nackte Maja" und "Die bekleidete Maja" schrieben sie "+ 1,5 C", wie auf Videobildern zu sehen war. Im Pariser Klimaabkommen von 2015 ist das Ziel festgehalten, die Erderwärmung möglichst bei 1,5 Grad zu stoppen und damit die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern. Es gilt inzwischen jedoch als wahrscheinlich, dass sich das Klima wesentlich stärker erwärmen wird.

( JP/dpa )