Berlin. Die Berliner Polizei ermittelt gegen den AfD-Politiker Holger Winterstein. Der hatte am Sonnabend auf dem Holocaust-Mahnmal posiert.

Nachdem er auf dem Holocaust-Mahnmal an der Ebertstraße posierte, ermittelt die Berliner Polizei gegen den thüringischen AfD-Politiker Holger Winterstein. Mit Bekanntwerden des Sachverhaltes sei „von Amts wegen ein Strafermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Störung der Totenruhe sowie des Verdachts der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener“ eingeleitet worden, sagte ein Sprecher auf Nachfrage.

Winterstein war am Sonnabend am Rande einer Großdemonstration seiner Partei auf das Denkmal für die ermordeten Juden Europas gestiegen und hatte sich mit ausgebreiteten Armen fotografieren lassen. Das Bild veröffentlichte er auf seiner Facebook-Seite, löschte es aber später wieder, nachdem Kritik an seinem Verhalten auch aus den eigenen Reihen laut wurde.

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Mittlerweile hat Winterstein auch sein Amt als stellvertretender Vorsitzender des AfD-Gebietsverbandes Sonneberg niedergelegt, wie der Landesverband in Thüringen am Mittwoch bestätigte. Winterstein hätte mit seinem Verhalten „Schande über sich und seine Partei“ gebracht, sagte der israelische Botschafter Ron Prosor. Auch der AfD-Bundesvorstand sprach von einem „äußerst respektlosen Verhalten“.

Auch zahlreiche Strafanzeigen aus der Bevölkerung gegen Winterstein

Man stehe mit der Staatsanwaltschaft im Austausch, so der Sprecher der Berliner Polizei weiter. „Korrespondierend sind dazu mittlerweile eine Vielzahl von Strafanzeigen von Bürgerinnen und Bürgern eingegangen, die dem ursprünglichen Strafermittlungsverfahren zugeordnet wurden.“ Die Ermittlungen dauern an.

Am Sonnabend zogen bis zu 10.000 Anhänger der AfD durch Mitte, die dazu aus dem gesamten Bundesgebiet anreisten. Dabei und bei Gegenprotesten wurden 31 Personen festgenommen und insgesamt 25 Strafermittlungsverfahren eingeleitet – unter anderem gegen eine Frau, die auf dem Leipziger Platz den sogenannten Hitlergruß zeigte.

Zuletzt sorgten vor knapp einem Jahr mehrere Berliner Polizisten für Negativschlagzeilen, nachdem sie Liegestützen an den Stehlen des Mahnmals machten. Dabei sollen sie sich gegenseitig mit ihren Telefonen gefilmt haben. Bilder von dem Vorfall, der sich bereits zu Pfingsten 2021 zutrug, wurden erst im November öffentlich.

2700 Betonblöcke erinnern an sechs Millionen ermordeter Juden

Das Mahnmal besteht aus rund 2700 verschieden hohen, dunkelgrauen Betonblöcken und wurde 2005 eröffnet. Es erinnert an die sechs Millionen Juden, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Die Hausordnung verbietet Lärm, Rennen und das Springen von Block zu Block sowie Rauchen und Alkoholkonsum.

Seit Jahren nutzen vor allem Touristen die Anlage allerdings immer wieder zum Teil unwissend als Picknickort oder für Selfies. Der thüringische AfD-Landeschef Björn Höcke nannte das Mahnmal im Jahr 2017 ein „Denkmal der Schande“, dass sich das deutsche Volk „in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt“ hätte.