Umfrage

Energiekrise: Die Berliner schränken sich deutlich ein

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Joachim Fahrun
Berlin: Blick über Wohnhäuser an der Bismarckstraße in Richtung Alexanderplatz mit dem Fernsehturm.

Berlin: Blick über Wohnhäuser an der Bismarckstraße in Richtung Alexanderplatz mit dem Fernsehturm.

Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Der Berlin Trend zeigt die konkreten Folgen der Preisexplosion. Das sind die Ergebnisse der Umfrage.

Berlin.  Der starke Anstieg der Preise für Energie und Lebensmittel trifft die Menschen in der Hauptstadt hart. Auch wenn noch nicht alle Mieter die gestiegenen Rechnungen oder hohen Abschlagsforderungen für ihre Heizung im Briefkasten haben, schränkt sich eine Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner schon jetzt bei den täglichen Ausgaben ein. Das hat der Berlin Trend von Infratest dimap im Auftrag der Berliner Morgenpost und der RBB-Abendschau ergeben.

Jeder zweite Befragte (50 Prozent) gab an, sich wegen der gestiegenen Preise im Alltag weniger einzukaufen, 49 Prozent tun das nicht. Besonders stark treten junge Leute zwischen 18 und 34 Jahren auf die private Ausgabenbremse. Frauen schränken sich mit 57 Prozent deutlich häufiger ein als Männer (42 Prozent). Menschen mit niedrigerer formaler Bildung, die oft auch geringere Einkommen haben, sparen deutlich öfter am Einkauf als besser Gebildete. 59 Prozent der Personen mit Hauptschul- und 54 Prozent der Mittelschul-Absolventen schränken sich bereits ein. Von den Menschen mit Abitur sagen das nur 44 Prozent.

Die Hälfte der Berliner geht weniger in Restaurants und Kinos als vor der Preisexplosion

Wer beim Einkauf schon jeden Euro umdreht, gibt auch für Freizeit weniger Geld aus. Entsprechend gaben auch 50 Prozent der Befragten an, seltener Restaurants, Kinos oder Freizeiteinrichtungen zu besuchen als vor der Preisexplosion. 48 Prozent sind hier noch unterwegs wie zuvor.

Allerdings sind es eher die Älteren, die sich in ihrer Freizeitgestaltung einschränken. Unter den Befragten über 50 Jahren liegt der Wert bei über 50 Prozent, unter den Jüngeren entsprechend leicht darunter. Aber auch in der Freizeit sind es Frauen und formal weniger gebildete Menschen, die kürzer treten. Mit 62 Prozent sagen fast zwei Drittel der Personen mit maximal Hauptschulabschluss, dass sie weniger Restaurants und Freizeiteinrichtungen besuchen.

An einem Punkt aber sind sich die Befragten quer durch alle Gruppen einig: Sie versuchen, beim Stromverbrauch und beim Heizen zu sparen. 83 Prozent sagten, sie achteten darauf, nur 16 Prozent tun das nicht.

Für den Berlin Trend befragte Infratest dimap zwischen 13. und 17. September 1173 Wahlberechtigte online und am Telefon.

77 Prozent unterstützen eine Berliner Nachfolgeregelung für das 9-Euro-Ticket

Die Berliner sind einverstanden mit den von der Berliner rot-grün-roten Koalition in Aussicht gestellten Entlastungen in der Energiekrise und mit deren Forderungen an den Bund. 77 Prozent unterstützen ein eigenes Nachfolgeangebot in Berlin für das ausgelaufene 9-Euro-Ticket, wie es der Senat jetzt mit seinem 29-Euro-Ticket für Oktober bis Dezember einführt. Bei den Jüngeren ist das verbilligte Ticket noch populärer als unter den Älteren. Politisch gesehen unterstützen nicht nur die Anhänger von SPD, Grünen und Linken das Handeln der Koalition. Auch die Sympathisanten von CDU, AfD und FDP sind mit deutlicher Mehrheit für ein Berliner Nachfolgeangebot zum 9-Euro-Ticket.

Das vom Senat von der Bundesregierung geforderte Kündigungsverbot für Mieter, die ihre Energierechnungen nicht bezahlen können, wird breit mitgetragen. 76 Prozent halten es für richtig, auf diese Weise zu verhindern, dass Menschen ihre Wohnung verlieren. 19 Prozent sagen, das sei falsch. Bemerkenswert ist, dass die Zustimmung für ein Kündigungsverbot unter den potenziell einkommensschwächeren Personen mit formal niedriger Bildung mit 69 Prozent geringer ausfällt als unter den in der Regel besser verdienenden Menschen mit Abitur. In allen politischen Lagern wird ein Kündigungsverbot mitgetragen, auch unter CDU-Wählern mit 64 und FDP-Anhängern mit 60 Prozent hat dieses Instrument eine deutliche Mehrheit.

Fast ein Drittel der Befragten sind gegen den Sanktionskurs des Westens gegen Russland

Dass Berlin Bürger und Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten mit Direktzahlungen unterstützen will, finden 74 Prozent gut, 17 Prozent sind dagegen. Die Koalition kann sich auf Zustimmung quer durch alle Gruppen und politischen Lager stützen. Am schlechtesten angesehen sind direkte Finanzhilfen im Lager der FDP. Aber auch unter Liberalen sind 50 Prozent dafür, 40 Prozent dagegen.

Der Kurs der Bundesregierung, trotz negativer wirtschaftlicher Konsequenzen und steigender Energiepreise Russland wegen des Überfalls auf die Ukraine zu sanktionieren, wird in Berlin breit getragen. 63 Prozent sind dafür. In den Westbezirken liegt der Anteil bei 68, im Ostteil bei 57 Prozent. Dagegen ist aber eine starke Minderheit von 29 Prozent, die sich politisch vor allem bei der AfD (76 Prozent), bei den anderen Parteien (44 Prozent) und den Linken (41 Prozent) verortet.