S-Bahn-Chef

S-Bahn Berlin: Stromkosten führen in rote Zahlen

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Isabell Jürgens
Rundgang S-Bahnwerk Schöneweide mit S-Bahnchef Peter Buchner (r.) und CDU-Landeschef Kai Wegner. In der Halle wird das Rückgrat der Berliner S-Bahn-Flotte, die Baureihe 481 –  1997 bis 2004 bei Bombardier in Hennigsdorf und Halle gebaut –  für weitere 15 Jahre auf den Gleisen fit gemacht.

Rundgang S-Bahnwerk Schöneweide mit S-Bahnchef Peter Buchner (r.) und CDU-Landeschef Kai Wegner. In der Halle wird das Rückgrat der Berliner S-Bahn-Flotte, die Baureihe 481 – 1997 bis 2004 bei Bombardier in Hennigsdorf und Halle gebaut – für weitere 15 Jahre auf den Gleisen fit gemacht.

Foto: Isabell Jürgens

100 Millionen Euro mehr als im Jahr 2020: Die Energiekrise wird für die Berliner S-Bahn zum Problem.

Berlin. Ohne Strom stehen bei der Berliner S-Bahn alle Wagen still. Das zeigt sich auch im enorm hohen Energieverbrauch: Nach Angaben des Unternehmens verschlingt der Betrieb rund 400 Gigawattstunden pro Jahr – allein auf der Schiene. Zum Vergleich: In Deutschland benötigt ein Drei-Personen-Haushalt in einem Mehrfamilienhaus jährlich durchschnittlich 0,0026 Gigawattstunden pro Jahr. In Zeiten der Energiekrise ist das zunächst ein finanzielles Problem, wie S-Bahn-Chef Peter Buchner erläutert: „Durch die Stromkosten rutschen wir tief in die roten Zahlen“.

Auf einem Rundgang durch das S-Bahnwerk Schöneweide am Dienstagnachmittag ließ sich der Berliner CDU-Landesvorsitzende Kai Wegner vom S-Bahn-Chef über das Ausmaß des Problems informieren. Während im Jahr 2020 die Stromrechnung noch 50 Millionen Euro auswies, habe sich dieser Betrag 2021 auf 100 Millionen verdoppelt. Für 2022, so Buchner, sollen nun sogar 150 Millionen fällig werden. „Und das sind nur die reinen Stromkosten“, betonte Buchner.

Im S-Bahnwerk Schöneweide, in dem seit 2019 vor allem die 309 Viertelzüge der Baureihe 481 komplett auseinandergenommen und modernisiert werden, aber auch die Lokführerausbildung, Verwaltung und die Leitstelle untergebracht sind, hat die Berliner S-Bahn noch ein weiteres Problem: „Das Werk haben wir vor zehn Jahren auf Gasbetrieb umgestellt“, sagte Buchner. Erst im Juli hatte der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, vor einer Verdreifachung der Gaspreise oder einem sogar noch stärkeren Preisanstieg gewarnt. Was das für das Werk bedeute, könne er, wie so viele private Verbraucher, seriös noch nicht beziffern, sagte Buchner.

„Nun geht es darum, so schnell wie möglich weg vom Gas zu kommen, der Liefervertrag läuft noch bis 2024“, blickt Buchner nach vorn. 2024, so seine Vision, wird das gesamte Werk mit allen seinen Abteilungen und Gebäuden mit Holzhackschnitzeln aus Brandenburger Wäldern beheizt. Die Gespräche mit Anbietern liefen bereits. Klar sei aber, dass auf die S-Bahn zunächst weitere Kosten zukämen - denn auch die anderen S-Bahnwerke werden überwiegend mit Gas beheizt.

CDU-Chef Kai Wegner sieht Land Berlin in der Pflicht

CDU-Chef Kai Wegner sieht Land Berlin in der Pflicht: „Land und Bund stehen gemeinsam in der Verantwortung, die Mehrkosten, die nicht von den Verkehrsunternehmen selbst verursacht wurden, zu zahlen“, sagte Landeschef Kai Wegner und versprach, sich dafür stark zu machen. „Mobilität ist schließlich Daseinsvorsorge“, so Wegner weiter. „Diese Kosten dürfen jedenfalls nicht an den Kunden weitergegeben werden.“

Eine Idee wäre auch, die Mehrwertsteuer auf Energie zu senken. Diese liegt aktuell für Strom, Gas und andere fossile Kraftstoffe bei 19 Prozent. Wegner: „Energie ist unglaublich teuer geworden. Deswegen sollte auf Strom und Gas zeitweise keine Mehrwertsteuer anfallen. Das mindeste wäre der reduzierte Satz von sieben Prozent. So können private Verbraucher, aber auch Betriebe wie S-Bahn und BVG, ganz unmittelbar entlastet werden.“

Am Montag will die Bundesregierung bekannt geben, wie hoch die staatlichen Gas-Umlage, die ab Herbst zu Preissteigerungen für die Gaskunden führt, sein wird. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte eine Spanne von 1,5 bis 5 Cent pro Kilowattstunde genannt. Beim Gang durch die beeindruckende Werkhalle wird auch das nächste drängende Problem angeschnitten: Wie weiter mit dem 9-Euro-Ticket? Buchner ließ sich nicht zu einer eindeutigen Stellungnahme hinreißen. „Wir werden pro Kilometer bezahlt, sind bei den Diskussionen um das Ticket damit quasi nur Zaungast“, so der S-Bahnchef. Allerdings habe das 9-Euro-Ticket immerhin dazu geführt, dass die Fahrgastauslastung wieder „zu 100 Prozent“ den Stand vor Corona erreicht habe. Die Berliner CDU plädiere für das 365-Euro-Jahresticket für Berlin, sagte Wegner. „Das wäre ein attraktiver Preis für die Metropolregion“, so der CDU-Landeschef.