Innere Sicherheit

Berlins Polizei jetzt auch mit Lastenrädern unterwegs

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Polizistinnen und Polizisten können zum Transport von Material jetzt auch die neu angeschafften Lastenräder nutzen.

Polizistinnen und Polizisten können zum Transport von Material jetzt auch die neu angeschafften Lastenräder nutzen.

Foto: Paul Zinken / dpa

Die Ordnungshüter erhalten weitere Fahrräder. Der als Modellversuch gestartete Einsatz per Muskelkraft gehört in der Behörde längst zum Alltag

Berlin. Die Verkehrswende hat in Berlin längst auch die Polizei erfasst. Ordnungshüter sorgen schon seit 2014 auch auf zwei Rädern und mit reiner Muskelkraft für Recht und Ordnung. Nun hat die Polizei weitere Fahrräder in Betrieb genommen – und nutzt jetzt auch Lastenfahrräder.

Wie viele neue Räder hat die Polizei angeschafft?

Polizeipräsidentin Barbara Slowik und der Leiter der Landespolizeidirektion, Andreas Sydow, übergaben den Beamten am Donnerstag in einem symbolischen Akt 70 neue „normale“ Fahrräder und elf neue Lastenräder. „Die Mobilitätswende in Berlin ist in vollem Gange“, sagte Innensenatorin Iris Spranger (SPD). Die Neuanschaffung sei „ein wichtiges Signal für die Verkehrsunfallprävention“. Insgesamt verfügt die Polizei nun über rund 630 Fahrräder. Die Beamten sind damit in sämtlichen Direktionen unterwegs.

Wie sind die Räder ausgestattet?

Die Polizei hat sich für Fahrräder mit Acht-Gang-Nabenschaltung, „unplattbaren“ Reifen, sowie V-Brakes bei den „normalen“ Rädern und Hydraulik-Scheibenbremsen bei den Lastenrädern entschieden. Die Beamten müssen gut in Form sein – denn über Elektroantrieb verfügen die Räder nicht. Außerdem müssen sie das Gewicht ihrer Ausstattung tragen. Neben der Dienstwaffe gehören dazu etwa Pfefferspray und Handfesseln, Schlagstock und Funkgerät. Außerdem dabei: Fahrradschloss, wasserdichte Gepäcktasche, Erste-Hilfe-Set sowie ein Multifunktionswerkzeug.

Wer benutzt die Fahrräder für welche Einsätze?

Die „Strampel-Polizisten“ – so eine in der Polizei kursierende Selbstbezeichnung für die Beamten von Fahrradstaffel und Fahrradstreife – können die gleichen Aufgaben wahrnehmen wie ihre motorisierten Kollegen. Der Fokus liegt aber auf Ahndung von Verstößen im Zusammenhang mit dem Radverkehr. Autofahrer werden auf Fehler beim Abbiegen hingewiesen. Das Überfahren einer Kreuzung bei rotem Ampellicht wird – „ohne Pardon“, wie eine Beamtin sagte – für Rad- und Autofahrende, mit Bußgeld geahndet. Zahlen muss auch, wer sein Auto auf dem Fahrradstreifen abstellt. Die Zweirad-Beamten kontrollieren natürlich auch Radfahrende. Fürs Fahren mit Handy am Ohr oder beim Ignorieren des Rotlichts müssen auch sie Strafe zahlen. Seit Gründung der Einheit im Jahr 2014 bis Ende 2020 schrieben die Fahrrad-Beamten knapp 120.000 Strafzettel. Ihr wichtigste Einsatzmittel sei aber die Sprache, sagte einer der Beamten. Man werbe man für mehr Verständnis zwischen Radfahrern, Fußgängern und Autofahrern. Gelegentlich werden „Strampel-Polizisten“ auch von motorisierten Kollegen zu Hilfe gerufen. Sie nahmen schon Taschendiebe fest, erwischten den Dieb eines Motorrollers oder Drogenverkäufer.

Und wozu braucht die Polizei jetzt Lastenräder?

Die Lastenräder dienen weniger für den Einsatz sondern als Transportmittel. Konkret werden sie von Verkehrssicherheitsberatern genutzt. Diese Beamten organisieren beispielsweise Veranstaltungen zur Verkehrsunfallprävention. Zudem beraten sie Kindertagesstätten, Grund- und Sonderschulen, und unterstützen Kinder beim Schulwegtraining. Außerdem bilden Verkehrssicherheitsberater Schülerlotsen aus. Die Lastenräder nutzen die Beamten, um beispielsweise Flyer oder Materialien zur Markierung eines Parcours zu transportieren.

Seit wann nutzt die Berliner Polizei Fahrräder?

Die ersten Rad-Polizisten wurden im Sommer 2014 in einem Modell-Versuch in der Innenstadt eingesetzt. Später fuhren die Zweirad-Polizisten auch in der City-West auf Streife. Seit 2018 sind die Fahrrad-Polizisten als feste Truppe verankert. Seit März 2021 sind sie auch in Außenbezirken unterwegs. Bis Ende 2023, so der Plan, soll es 160 Fahrradpolizisten geben.

Wie reagieren die Verkehrsteilnehmer?

Bei einer Umfrage vor dem Start befürworteten nur 43 Prozent das Projekt. Ende 2016 waren es zwei Drittel. Studien zeigten, dass Polizisten auf Rädern das Unfallgeschehen positiv beeinflussten. Fahrradpolizisten berichteten, als „die Guten“ wahrgenommen zu werden. Bei Kontrollen seien viele aber aber auch ignorant. „Das machen doch alle“, sei eine der Lieblingsausreden.