Vielleicht lag es am legendären Ruf des Berliner Flughafens BER, vielleicht sind Reisende den hiesigen Flughafen-Kummer mittlerweile einfach gewohnt. Jedenfalls führte der Warnstreik des BER-Sicherheitspersonals am Dienstag nicht zu Chaos – noch nicht einmal zu größeren Warteschlangen.

Schon ab vier Uhr in der Frühe hatten sich rund 200 Sicherheitsleute im Flughafengebäude und auf dem Willy-Brandt-Platz zum Warnstreik mit Demonstration versammelt. Weil die Verhandlungen um eine Erhöhung und Angleichung der Gehälter nicht voran kamen, so Verdi-Gewerkschaftssekretär Helge Biering, sollte die Aktion den Forderungen jener Flughafen-Mitarbeiter Nachdruck verleihen, „die maßgeblich für die Sicherheit aller Reisenden verantwortlich sind“. Auch in Frankfurt, Bremen, Hamburg, Hannover, Leipzig, Stuttgart, Düsseldorf und Köln/Bonn hatte Verdi Kontrolleure aufgerufen, die Arbeit niederzulegen.

100 von 150 geplanten Starts am Flughafen BER gestrichen

Von 150 geplanten Starts seien in Berlin am Dienstag etwa 100 gestrichen worden, so die Berliner Flughafengesellschaft FBB. Von den 150 geplanten Ankünften fielen wiederum 50 aus. Weil der Warnstreik einige Tage vorher angekündigt worden war, hätten sich jedoch viele Fluggäste darauf eingestellt.

Am Vormittag standen lediglich an den Check-in-Schaltern der betroffenen Fluglinien etwas mehr Fluggäste an um umzubuchen. In ihrem Fall sei das auch problemlos verlaufen, berichtete die Berlinerin Martha Dudzinski, die am Dienstagmorgen eigentlich in den Urlaub nach Ägypten hatte starten wollen. „Easyjet hat uns kostenlos auf morgen umgebucht.“ Wie viele andere Reisende auch genoss sie vor der ungeplanten Rückfahrt nach Hause am Flughafen BER noch für einen Moment die unerwartet warme Frühlingssonne. Sie nahm die Verzögerung mit Humor: „Willy-Brandt-Platz statt Meeresblick, das hat doch auch was!“

Warnstreik soll bis Mitternacht dauern

Am Rand des Platzes hatten die Streikenden einen Infostand samt einer großer Batterie Kaffeekannen aufgebaut. In Berlin sollte der Warnstreik bis Mitternacht andauern. Rund 1500 bis 1700 Sicherheitsleute seien derzeit am BER beschäftigt, erklärte Gewerkschaftssekretär Biering. Zum einen würden die Kollegen unterschiedlich bezahlt. An den „Linien“ der Personenkontrollen liege der Stundensatz etwa 19 Euro, bei der Warenkontrolle nur zwischen 13 bis 15 Euro. Auch zwischen West und Ost gebe es immer noch einen Lohnunterschied. Außerdem sei das Personal nach wie vor knapp. Zwar werde diese Woche das Terminal 2 des BER in Betrieb gehen, so einer der Streikenden, „aber neues Sicherheitspersonal wurde nicht eingestellt“.

In vier Verhandlungsrunden war bislang keine Einigung zustande gekommen. „Die Arbeitgeber haben es versäumt, endlich ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen“, so Verdi. Arbeitgeber und Verbände wiederum kritisierten die Aktionen. „Obwohl weder die Flughäfen noch die Fluggesellschaften mit Verdi im Tarifkonflikt stehen, trifft dieser Streik in erster Linie den Luftverkehr und viele Tausende Reisende“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Matthias von Randow.

Warnstreik am BER bereits vergangene Woche

Bereits in der vergangenen Woche war es am Flughafen BER zu einem Warnstreik gekommen, was zu Protesten bei den Flughäfen und Fluggesellschaften führte. Hintergrund sind die Tarifverhandlungen, die Verdi mit dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen führt. Eine fünfte Runde ist für Donnerstag in Raunheim bei Frankfurt angesetzt.

Die Sicherheitskontrollen stehen unter Aufsicht der Bundespolizei und sind weitgehend an private Dienstleister ausgelagert. Verdi fordert, die Gehälter in den Luftsicherheitsdiensten um mindestens einen Euro pro Stunde zu erhöhen. Wesentlich kostspieliger könnten regionale Angleichungen sowie vereinheitlichte Tarifgruppen werden, die den Arbeitgebern zufolge für einzelne Beschäftigte bis zu 40 Prozent mehr Gehalt bringen würden.

Der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) kritisierte den erneuten Warnstreik. „Wir haben Verständnis für Warnstreiks im Rahmen von Tarifverhandlungen, aber diese Streikmaßnahmen sind ausufernd und unverhältnismäßig“, so BDLS-Verhandlungsführer Rainer Friebertshäuser in einer Mitteilung vom Montag. Die Arbeitgeberseite habe in der vergangenen Woche Lohnerhöhungen zwischen 5,2 und 22 Prozent angeboten. Diese habe Verdi erneut abegelehnt.

mit dpa