Der Umbau und damit das Entschärfen von Unfallschwerpunkten in Berlin wird noch viele Jahre beanspruchen. So schreibt das Berliner Mobilitätsgesetz vor, jährlich mindestens 30 Knotenpunkte, an denen sich Unfälle mit verletzten und schwer verletzten Personen häufen, so zu verändern, dass die Gefahrenquellen bestmöglich beseitigt werden. Wie Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) am Mittwoch im Mobilitätsausschuss des Abgeordnetenhauses sagte, sei diese Zahl im vergangenen Jahr auch erreicht worden und werde auch in 2022 geschafft werden.

Aber: Damit wird nur ein Bruchteil der Gefahrenstellen in Berlin angegangen. Jarasch verwies auf eine Übersicht von sogenannten Unfallhäufungsstellen, die anhand von Kriterien der Unfallforschung der Versicherer erstellt wird. „Auf dieser Liste gibt es derzeit 1900 Einträge“, sagte Jarasch, die daher auch einräumte: „Wir sind da noch lange nicht am Ziel und werden sicher einiges priorisieren und beschleunigen müssen.“

39 Personen sind 2021 bei Unfällen in Berlin gestorben

Konkrete Zeitangaben, bis wann zumindest die 25 führenden Unfallschwerpunkte in der Stadt entschärft werden sollen, machte Jarasch auf Nachfrage des FDP-Abgeordneten Felix Reifschneider aber nicht. Die Grünen-Politikerin verwies einerseits darauf, dass man das Ziel habe, in allen Bezirken Maßnahmen umzusetzen, zum anderen sei der Umbau gerade von großen Kreuzungen mit vielen Fahrstreifen und Verkehrsteilnehmern kompliziert.

Als Beispiel nannte sie den Knotenpunkt Otto-Braun-Straße/Mollstraße in Mitte. „Das ist ein Großprojekt“, sagte Jarasch. Zufrieden mit dem, was bislang an der Kreuzung – seit Jahren ein Unfallschwerpunkt in der Stadt – passiert sei, sei sie aber nicht.

In Berlin sind im vergangenen Jahr 39 Personen bei Verkehrsunfällen gestorben, 2020 waren es 50, im Jahr zuvor 40. Berlin verfolgt eigentlich das Ziel der „Vision Zero“, nach der im Straßenverkehr also keine Personen mehr getötet oder schwer verletzt werden sollen. In den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres summierte sich die Zahl der Schwerverletzten auf gut 1800 Menschen, sieben Prozent weniger als 2020. Mit Blick auf die Unfallschwerpunkte fordert der FDP-Abgeordnete Reifschneider, diese zügig umzubauen und dafür mehr Mittel bereitzustellen. „Der Berliner Senat trägt hier die Verantwortung und muss konsequenter handeln.“