Berliner Wirtschaft

Ukraine-Konflikt könnte Gaspreis steigen lassen

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Nach Angaben des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts ist Deutschland abhängig von der Gasversorgung Russlands. Mehr als 50 Prozent beziehe man aus dem Land.

Nach Angaben des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts ist Deutschland abhängig von der Gasversorgung Russlands. Mehr als 50 Prozent beziehe man aus dem Land.

Foto: Ina Fassbender / AFP

Die Gasversorgung ist laut Senatsverwaltung und Gasversorger sichergestellt, dennoch könnte ein Lieferstopp Auswirkungen haben.

Berlin.  Auch wenn am Dienstagvormittag von einem teilweisen Rückzug russischer Truppen aus der Ukraine die Rede war, eine Entspannung des Konflikts ist bislang nicht absehbar. Sollte die Situation eskalieren, könnte das auch wirtschaftliche Konsequenzen haben. Konkret befürchten Beobachter etwa, dass Russland die Gaslieferungen nach Europa als Druckmittel einsetzen und im Ernstfall gar den Gashahn zudrehen könnte. Und hierzulande ist man durchaus abhängig von den Lieferungen. Die Bundesrepublik gilt als größtes Importland für russisches Erdgas. Nach Angaben des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts bezieht Deutschland mehr als 50 Prozent des benötigten Erdgases aus Russland. Das Ausbleiben der Exporte könnte dann auch Berlin treffen. Doch wie steht es um die derzeitige Gasversorgung der Hauptstadt? Und was könnte der Ernstfall für die Verbraucher bedeuten?

Wie ein Sprecher der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe auf Nachfrage mitteilte, werde Berlin über das europäische Verbundnetz mit Erdgas beliefert. Das bedeutet, sollte es in Zukunft zu einer Reduktion von Liefermengen kommen, stünden den Lieferanten und Netzbetreibern Möglichkeiten zur Kompensation und zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit zur Verfügung, so der Sprecher. Konkret könne man das Gas vorerst aus anderen verschiedenen Quellen beziehen. Denn neben Russland komme das Gas auch aus Ländern wie Norwegen oder Niederlande.

Energiesenatsverwaltung: Keine unmittelbaren Auswirkungen für Verbraucher

Zudem gebe es auch in Deutschland Erdgasförderung. Da der Gasmarkt bundesweit organisiert sei, gebe es aktuell keine Erkenntnisse über Einschränkungen oder Gefährdungen der Belieferung mit Erdgas in Berlin, so der Sprecher der Energiesenatsverwaltung. Auch für die privaten Verbraucher gab die Senatsverwaltung Entwarnung. Der Konflikt habe keine unmittelbaren Auswirkungen, so der Sprecher. Bei Lieferbeschränkungen würden private Verbraucher bevorzugt beliefert werden. Das sei gesetzlich mit dem Energiewirtschaftsgesetz geregelt.

Zuletzt hatte eine Sprecherin des Ministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz die Gas-Speicherstände zumindest als „sicherlich besorgniserregend“ bezeichnet. Aktuell seien sie zu etwa 35 bis 36 Prozent gefüllt. Zugleich wies die Sprecherin aber auch darauf hin, dass die Versorgungssicherheit gewährleistet sei. Bei der Lieferung von Gas über Pipelines würden die Verträge derzeit eingehalten. Zudem komme nicht alles Gas aus Pipelines.

In Berlin ist die Gasag der größte Anbieter der Grundversorger. Das Unternehmen hat rund 700.000 Haushalte, Gewerbetreibende und Unternehmen als Gaskunden. Wie eine Sprecherin des Unternehmens auf Nachfrage mitteilte, sagte auch sie, dass die Gasversorgung für Berliner Verbraucherinnen und Verbraucher gesichert sei. „Wir haben ausreichend Erdgas für unsere Kundinnen und Kunden zur Verfügung.“ Da die Gaswirtschaft über ein breites Instrumentarium zur Gewährleistung einer stabilen Versorgung verfüge. Sie verwies auf die unterschiedlichen Lieferländer.

Gasag: Wegen reduziertem Angebot könnte Gaspreis steigen

Darüber hinaus seien die Unternehmen der Gaswirtschaft ständig im Austausch mit den zuständigen Behörden, wenn es um die Versorgungssicherheit gehe. Derzeit gebe es keine Anzeichen dafür, dass Vorsorge-Mechanismen aktiviert werden müssten, so die Sprecherin.

Sollte es aber aufgrund eines Lieferstopps aus Russland zu einem reduzierten Angebot kommen, könnte der Gaspreis ansteigen, so die Sprecherin. Wie die Preiserhöhung aussehen könnte, ließ sie offen. Das dürfte für viele private Haushalte allerdings ein weiteres Loch in die Kassen reißen. Denn seit Ende des vergangenen Jahres sehen sich Verbraucher deutschlandweit mit steigenden Gaspreisen konfrontiert. In Berlin hatte die Gasag zum Jahreswechsel die Preise um teilweise bis zu 16 Prozent erhöht. Betroffen waren Kunden in der Grundversorgung – das sind laut Unternehmen rund die Hälfte der 400.000 Berliner Abnehmer. Im Durchschnitt ging die Gasag für einen Haushalt von einer Mehrbelastung von 156 Euro im Jahr aus.

Habeck plädiert für andere Wirtschaftspolitik

Um einen möglichen Preisanstieg abzufedern, sei man laut der Gasag-Sprecherin im Austausch mit den zuständigen Bundesministerien. Als eine mögliche Lösung nannte sie etwa den Heizkostenzuschuss für einkommensschwache Haushalte, mit dem die Bundesregierung auf die zuletzt gestiegenen Gaspreise reagierte.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) betonte indes zuletzt, dass beim Thema Gas dringend eine andere Wirtschaftspolitik nötig sei. „Dass Deutschland, die Bundesregierung, die öffentliche Hand im Grunde überhaupt keine Möglichkeiten hat, die Versorgungssicherheit im Gas-Bereich zu gewährleisten, ist ein inakzeptabler Zustand“, sagte Habeck. Die Entwicklungen der vergangenen Monate müssten mit Blick auf die politische Verantwortung für den Gas-Markt zu anderen Rahmenbedingungen führen.