Immobilien

Aus Akelius wird Heimstaden: Womit Mieter nun rechnen müssen

| Lesedauer: 4 Minuten
Isabell Jürgens
Ein Transparent mit der Aufschrift "Stop Heimstaden, Vorkauf der Wilde3 jetzt" hängt an der Fassade eines Hauses unweit des Wildenbruchplatzes in Neukölln. In dem Kiez protestieren zahlreiche Mieter gegen die Übernahme verschiedener Häuser durch Heimstaden.

Ein Transparent mit der Aufschrift "Stop Heimstaden, Vorkauf der Wilde3 jetzt" hängt an der Fassade eines Hauses unweit des Wildenbruchplatzes in Neukölln. In dem Kiez protestieren zahlreiche Mieter gegen die Übernahme verschiedener Häuser durch Heimstaden.

Foto: Paul Zinken / dpa

Das Wohnungsunternehmen Heimstaden hat den Erwerb von rund 17.600 Wohnungen in Berlin und Hamburg abgeschlossen.

Berlin.  Das Wohnungsunternehmen Heimstaden hat den Erwerb der Gesellschaften von Akelius in Berlin und Hamburg erfolgreich abgeschlossen. Das teilte der schwedische Immobilienkonzern am Donnerstag mit. Insgesamt umfasst der Kaufvertrag mehr als 17.600 Wohnungen. Mit 14.000 Wohnungen befindet sich der größte Anteil des Portfolios in Berlin.

Heimstaden ist seit 2018 in Deutschland aktiv und hat seine Präsenz in den Jahren 2020 und 2021 erheblich ausgebaut. Durch die Übernahme der Akelius-Wohnungen vergrößert Heimstaden seinen Wohnungsbestand in Berlin, der zuvor bei rund 5500 Wohnungen lag, damit erheblich.

„Der Name Akelius wird nicht fortgeführt, in Zukunft agieren auch die übernommenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter dem Dach von Heimstaden, das europaweit für ,Friendly Homes’ und hohe Kundenorientierung steht“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Doch was bedeutet der Deal für die Berliner Mieter? Die Berliner Morgenpost nennt die wichtigsten Punkte.

Meldet sich der neue Eigentümer bei mir?

Ja. „Wir haben ein Informationsschreiben an alle Mieter verfasst. Wir sind erst seit dem 1. Dezember offizieller Eigentümer der früheren Akelius-Wohnungen in Berlin und Hamburg, deshalb standen uns die Mieterdaten aus Gründen des Datenschutzes erst jetzt zur Verfügung“, so Heimstaden-Deutschland-Sprecher Michael Lippitsch.

Ändert sich der Mietvertrag?

Nein, beruhigt Reiner Wild, Geschäftsführer des vom Berliner Mieterverein (BMV). In § 566 BGB sei der Rechtsgrundsatz „Kauf bricht nicht Miete” ausdrücklich geregelt worden. Der Erwerber ist demnach an den Mietvertrag, so wie er vorliegt, gebunden und kann den Mieter auch nicht zwingen, einen neuen Mietvertrag, eventuell mit veränderten, für den Mieter ungünstigeren Konditionen, abzuschließen. Kein Mieter muss sich auf einen neuen – schlechteren – Mietvertrag einlassen. Selbst dann nicht, wenn bisher nur ein mündlicher Mietvertrag bestand. Auch die Miete kann wie bisher überwiesen werden, ergänzt Heimstaden-Sprecher Lippitsch. Bereits erteilte Lastschriftmandate behalten ebenfalls ihre Gültigkeit.

Wer ist bei Problemen Ansprechpartner?

Seit dem 1. Dezember 2021 die 24-Stunden Service-Hotline der Heimstaden-Hausverwaltung unter der Telefonnummer: 0800 – 58 92 712 sowie unter info@heimstaden.de erreichbar.

Versprechen: Umwandlung in Eigentum wird gestoppt

Die größte Sorge vieler Mieter betrifft die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen in Folge eines Verkaufs. Doch Heimstaden versicherte am Donnerstag explizit: Der bislang von Akelius praktizierte Verkauf von Eigentumswohnungen wird gestoppt. „In den vielen Gesprächen mit der Politik und Mieterverbänden, die wir in den letzten Monaten geführt haben, wurden wir immer wieder auf Ängste von Mieterinnen und Mietern angesprochen, die fürchten, dass ihre Mietwohnungen als Eigentumswohnungen verkauft werden. Hier können wir beruhigen und eine klare Botschaft aussenden: Heimstaden ist ein leidenschaftlicher Vermieter und kein Verkäufer. Dementsprechend spielt der Verkauf von Eigentumswohnungen auch keine Rolle in unserem Geschäftsmodell“, erklärte Caroline Oelmann, Geschäftsführerin von Heimstaden Deutschland.

„Sozialcharta“ ist in Vorbereitung

Viele Akelius-Mieter hatten im Vorfeld des Verkaufs an Heimstaden darum gekämpft, dass der Senat die Möglichkeit die Anwendung des Vorkaufsrechts prüft. Weil es sich bei dem jetzt abgeschlossenen Geschäft jedoch nicht um einen Immobilienverkauf, sondern den Verkauf von Firmenanteilen, einen sogenannten „Share Deal“ handelt, war dies nicht möglich.

„Mit dem Land Berlin befindet sich Heimstaden weiterhin in einem konstruktiven Austausch zur Ausgestaltung einer freiwilligen Sozialcharta“, betonte Heimstaden-Sprecher Lippitsch. Diese werde voraussichtlich, ähnlich wie Regelungen bei einer klassischen Abwendungsvereinbarung, verpflichtende Vereinbarungen über sozialverträgliche Mieterhöhungen nach Modernisierungen, den Ausschluss von Luxusmodernisierungen und einen verbindlichen Umwandlungsstopp beinhalten. Über die noch zu verhandelnden Details hätten die zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sowie Heimstaden jedoch Stillschweigen vereinbart.

Dreistelliger Millionenbetrag für die Landeskasse

Bei dem Erwerb der gesamten Anteile der Akelius-Gesellschaften in Deutschland handelt es sich um einen „100 Prozent Share-Deal“, deshalb muss Heimstaden auch die volle Grunderwerbsteuer in Deutschland zahlen. „Dabei handelt es sich laut Unternehmenskenntnis um eine der höchsten Grunderwerbsteuerleistungen, die je von einem Wohnimmobilienunternehmen in Deutschland erbracht wurde“, teilt der schwedische Immobilienkonzern weiter mit. Die Summe liege im dreistelligen Millionenbereich. Die genaue Summe nennt Heimstaden indes nicht: „Über den Kaufpreis für die deutschen Akelius-Bestände wurde ebenfalls Stillschweigen vereinbart“, teilte der Sprecher auf Nachfrage mit.