Corona

Berliner Clubs öffnen für Genesene und Geimpfte

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Joachim Fahrun
Start der Booster-Impfungen: Debatte um Impfauffrischung

Start der Booster-Impfungen: Debatte um Impfauffrischung

Die Booster-Impfungen sollen im September starten. In Israel wird bereits die dritte Impfung verabreicht. Die Auffrischungsimpfung löst weltweit Diskussionen aus.

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Der Senat beschließt die Öffnung der Clubs und Diskotheken ab Sonnabend in Berlin. Es herrschen keine Masken- und Abstandspflichten.

Berlin. In Berlin dürfen ab kommenden Sonnabend alle Clubs und Diskotheken für Tanzveranstaltungen für geimpfte und genesene Personen öffnen. Masken- oder Abstandspflichten sollen dort nicht mehr gelten.

Der Senat reagierte damit am Dienstag auf ein entsprechendes Urteil des Verwaltungsgerichts, das den Betreibern des Charlottenburger Clubs „The Pearl“ erlaubt hatte, Genesene und Geimpfte einzulassen. Ein Vorschlag der Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD), das Tanzen nur mit Maske zuzulassen, wurde im Senat abgelehnt.

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Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und Kultursenator Klaus Lederer (Linke) machten sich dem Vernehmen nach dafür stark, auch Menschen mit negativen PCR-Tests den Zugang zu „Tanzlustbarkeiten“ zu gestatten. Dieser Gedanke fand aber auch nach längerer Diskussion keine Mehrheit im Senat.

Es kam zu einer der seltenen Abstimmungen, sie endete vier zu vier, wobei der Regierende Bürgermeister nach Morgenpost-Informationen aufseiten der Befürworter der 2G-Regel stand. Er wollte, so sagte er, keine Präzedenzfälle für andere Sektoren wie Gastronomie oder Kongresse schaffen, ohne die Details genauer zu erörtern. Lesen Sie auch: Booster-Impfung: Wer jetzt die dritte Corona-Spritze bekommt

2G-Regel nächsten Dienstag Thema im Senat

Vertagt wurde auch der Vorschlag der grünen Wirtschaftssenatorin Pop, generell wie in Hamburg auch größere Veranstaltungen nur nach der 2G-Regel (also ausschließlich Geimpfte und Genesene) zuzulassen und negativ getestete Personen auszuschließen. Ein Argument dagegen waren die vielen PCR-Tests, die etwa bei Großveranstaltungen mit 25.000 Teilnehmern benötigt würden.

Die Senatorin sagte, der Senat wolle sich nächste Woche ausgiebig über das Thema 2G und die damit verbundene unterschiedliche Behandlung von Geimpften und Genesenen auf der einen sowie Getesteten auf der anderen Seite austauschen.

„Durchseuchungsstrategie“: Kritik Kalaycis an Amtsärzten

Für Schulen und Kitas gilt weiterhin die Pflicht, enge Kontaktpersonen von infizierten Kindern und Jugendlichen in Quarantäne zu schicken. Das solle aber nicht ganze Klassen oder größere Gruppen umfassen, sagte Kalayci. Sie stellte klar, dass ein Strategiewechsel im Umgang mit Quarantäne an den Schulen nicht von den Amtsärzten, sondern nur von der Senatsverwaltung vorgenommen werden könne.

Die Chefs der Gesundheitsämter hatten verlangt, nur noch Kontaktpersonen aus dem häuslichen Umfeld positiv getesteter Schülerinnen und Schüler in Quarantäne zu schicken und dafür heftige Kritik an dieser „Durchseuchungsstrategie“ geerntet. Kalayci stellte klar, dass ein Verzicht auf Quarantäne für Kontaktpersonen in den Schulen rechtswidrig sei.

80 Prozent Impfquote an den Schulen

Dafür sollte die Dauer der Quarantäne für Kontaktpersonen, wie berichtet, von 14 auf fünf Tage verkürzt werden. Dass bisher Schülerinnen und Schüler in großen Gruppen in Quarantäne geschickt worden wären, lässt sich aus den Zahlen der infizierten und isolierten Kinder und Jugendlichen nicht ablesen. Aktuell seien 1050 Schülerinnen und Schüler mit bestätigenden PCR-Tests als infiziert ermittelt worden, 3886 seien in Quarantäne. „Das läuft ganz vernünftig“, kommentierte die Gesundheitssenatorin.

Es sei heutzutage nicht mehr vertretbar, ganze Klassenverbände für 14 Tage in Isolation zu schicken. Weiterhin werde aber an den Schulen zweimal pro Woche getestet. Ausgenommen sind nur bereits voll geimpfte Schülerinnen und Schüler. Das gleiche gilt für Lehrkräfte und anderes Personal. Aus der Quote derjenigen Pädagoginnen und Pädagogen, die sich von der Testpflicht befreien lassen, ergebe sich eine Impfquote des Personals an den Schulen von etwa 80 Prozent, sagte Kalayci.

Geimpfte und Genesene dürfen ab Sonnabend in die Sauna

In der Pflege, wo ähnliche Regeln gelten, liege sie bei 60 Prozent und damit auf dem Niveau des Durchschnitts der Bevölkerung. Das sei wenig, sagte Kalayci, die darüber nachdenkt, wie man in sensiblen Bereichen die Impfbereitschaft weiter steigern kann.

In der neuen Corona-Verordnung verpflichtet der Senat Gastwirte, den Zutritt zu ihren Lokalen so zu kontrollieren, dass wirklich nur Geimpfte, Genesene und negativ getestete Personen Zutritt haben. Bisher werde nach dem Eindruck der Gesundheitssenatorin das etwas frei gehandhabt. Geimpfte und genesene Saunafreunde dürfen ab Sonnabend wieder Aufgüsse genießen und Dampfbäder besuchen.

Warnampel für Hospitalisierungsinzidenz

Der Senat beschloss am Dienstag auch eine neue Warn-Ampel für die Kontrolle des Corona-Infektionsgeschehens. Die Sieben-Tage Inzidenz der Neu-Infizierten pro 100.000 Einwohner bleibt bestehen, dieser Indikator sei wichtig als Frühwarnsystem, um das Infektionsgeschehen zu überwachen, sagte Kalayci. Derzeit liegt die Inzidenz in Berlin bei 72,2 und damit im gelben Bereich, ab 100 wäre diese Ampel rot und unter 35 grün.

Ebenfalls als Element der Corona-Ampel erhalten bleibt die Auslastung der Intensivbetten, die derzeit bei etwa fünf Prozent und damit im grünen Bereich liegt. Ab 15 springt dieses Licht auf gelb.Anders als im Bund nutzt Berlin aber eine Ampel mit mehreren Indikatoren schon seit Mai 2020, wie Kalayci anmerkte. „Vieles von dem, was bundesweit diskutiert wird, machen wir schon längst.“

Neu unter den Indikatoren ist der Wert, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner wegen einer Corona-Erkrankung binnen sieben Tagen in ein Krankenhaus eingewiesen werden. Man wolle damit messen, wie viele Menschen schwer erkranken, sagte Kalayci. Ab einem Wert von vier springt dieses Licht auf gelb, ab acht dann auf rot. Derzeit liegt die Hospitalisierungsinzidenz in Berlin bei 1,3.

Zwei Impfzentren schließen

Unterdessen werden in Berlin zwei weitere Impfzentren geschlossen. Am Dienstag wurden im Erika-Hess-Eisstadion im Wedding und in der Arena in Treptow die letzten Dosen verspritzt. In den mehr als acht Monaten hat es dort rund 600.000 Impfungen gegeben, wie der Berliner Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes (DKR) am Dienstag mitteilte.

Die beiden verbleibenden Zentren in der Messe und im Flughafen Tegel seien aber nach Überzeugung des Senats noch nicht verzichtbar. „Ich gehe davon aus, dass die letzten Impfzentren voraussichtlich Ende des Jahres schließen werden», sagte der Regierende Bürgermeister, Michael Müller. „Dann können die Betriebs- und Hausärzte übernehmen, und jeder kann sich, wie man das auch von Grippeschutzimpfungen kennt, dort individuell einen Termin holen.“ Je mehr sich das durchsetze, desto weniger würden die Impfzentren benötigt. „Aktuell brauchen wir die Impfzentren aber noch.“

( mit dpa )