40. Berliner Halbmarathon

Halbmarathon in Berlin: 15.000 Sportler am Start

| Lesedauer: 10 Minuten
Charlotte Bauer und Andreas Gandzior

Mehr als 15.000 Läuferinnen und Läufer waren beim 40. Berliner Halbmarathon in der Hauptstadt unterwegs.

  • Beim Halbmarathon in Berlin starteten am Sonntag mehr als 15.000 Sportler aus 130 Nationen.
  • Profi-Läufer stellten einen Streckenrekord und eine Jahresweltbestzeit auf.
  • Straßensperrungen gelten teilweise noch bis Montag.
  • Alls Infos zum Berliner Halbmarathon in der großen Übersicht.

Berlin. Die Freude im Zieleinlauf war riesig und Kathrin Maurer und Walter Glück deutlich anzusehen. Der 58-Jährige war mit einer Stunde und 30 Minuten nur neun Minuten vor seiner 37 Jahre alten Freundin im Ziel angekommen. Insgesamt waren beim 40. Berliner Halbmarathon am Sonntag 15.096 Teilnehmende aus 130 Nationen gestartet. Damit war das Rennen über 21,095 Kilometer der weltweit bisher größte Lauf in diesem Jahr. Er war wie bereits in den Vorjahren ausgebucht.

Auch neue Streckenrekorde gab es bei dem Laufevent zu vermelden. Siegerin der Frauen wurde die Kenianerin Joyciline Jepkosgei mit einem Streckenrekord von 65:16 Minuten. Die 27 Jahre alte Kenianerin sorgte damit für das spitzensportliche Highlight bei dem Rennen, denn sie brach die Marke der Doppel-Olympiasiegerin Sifan Hassan. Die Holländerin war 2019 in Berlin 65:45 gelaufen.

Ebenfalls noch unter dem alten Kursrekord blieb überraschend die zweitplatzierte Nancy Meto mit 65:21. Auch Rang drei ging an eine Kenianerin: Valary Aiyabei war nach 67:32 im Ziel am Brandenburger Tor.

Bei den Männern lief Felix Kipkoech eine Jahresweltbestzeit: Der 23 Jahre alte Kenianer lief 58:57 und gewann vor seinen Landsleuten Josphat Tanui (59:40) und Philemon Kiplimo (59:54). Die schnellsten deutschen Läufer platzierten sich in dem internationalen Topfeld jeweils auf Rang acht: Philipp Pflieger (LT Haspa Marathon Hamburg) war nach 63:03 im Ziel, die Berlinerin Rabea Schöneborn (LG Nord) erzielte mit 70:35 eine persönliche Bestzeit.

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Halbmarathon Berlin 2021: Fans jubeln am Straßenrand

Um 9 Uhr war der Startschuss gefallen. Die erste Welle des Berliner Halbmarathons startete auf der Straße des 17. Juni. Bereits um 8.25 Uhr hatten sich die Inlineskater auf den rund 21 Kilometer langen Weg gemacht, um 8.50 Uhr dann die Rollstuhlfahrer und Handbiker. Fans feuerten die Läuferinnen und Läufer entlang der gesamten Strecke an, am Kurfürstendamm sorgte eine Percussiongruppe für Stimmung.

Auch Janine Slodcyk und Svenja Rojem hatten sich am Straßenrand postiert. „Wir freuen uns, dass der Marathon wieder stattfinden kann“, sagen sie. Leider können sie selber nicht mitlaufen, weil sie verletzt sind. „Dafür feuern wir unsere Männer an, mit Konfetti.“ Sicher fühlen sie sich auch. „Wir sind draußen und alle halten Abstand.“

Der CDU-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl Kai Wegner wünschte viel Erfolg und schöne Sightseeing-Erlebnisse. "Ich wünsche allen Läuferinnen und Läufern des #berlinhalf heute maximalen persönlichen Erfolg, aber vor allem richtig viel Spaß auf der Strecke! Und allen Gästen: Willkommen in Berlin, genießt die längste Sightseeingtour durch unsere Stadt!", schrieb er auf Twitter.

Als Läufer mit dabei war Michael Scharfschwerdt, Leiter der Wahlkampftour der Kanzlerkandidatin der Grünen Annalena Baerbock. "Laufen ist wie Wahlkampf. Entscheidend ist der Zieleinlauf", twitterte er.

Halbmarathon Berlin 2021 - Läufer am Gendarmenmarkt

Halbmarathon Berlin 2021: Keine Sorgen wegen Corona

Dicht nebeneinander standen zahlreiche Zuschauer am Potsdamer Platz. Abstand halten war hier kaum möglich. „Dennoch machen sich die Menschen keine Sorgen wegen Corona. „Wir sind hier ja an der frischen Luft und im Start- und Zielbereich muss man ja auch eine Maske tragen und geimpft, genesen oder getestet sein, das passt schon“, sagte Sylvia Tomka (45), die ihren Mann und Freunde anfeuert. Sie selber ist geimpft. „Wir freuen uns einfach alle, dass so ein Event wieder stattfinden kann.“

Knapp zweieinhalb Jahre liegt der letzte Berliner Halbmarathon zurück. Im Frühjahr 2020 wurde der Lauf erstmals wegen Corona aus dem Laufkalender gestrichen. In diesem Jahr gab es anfangs noch die Hoffnung, den Halbmarathon im April stattfinden lassen zu können. Dann entschieden sich die Organisatoren, den Jubiläumslauf auf den 22. August zu verschieben. Jürgen Lock, Geschäftsführer des SCC Events, sprach am Freitag bei der Präsentation von der „größten Laufveranstaltung Europas seit der Pandemie“ und einem „Restart der Laufveranstaltungen“.

Mit dem Halbmarathon verbunden sind wie in all den Jahren zuvor auch wieder zahlreiche Straßensperrungen und Halteverbote. Es wird in der gesamten Innenstadt zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen kommen. Hier ein Überblick:

Halbmarathon Berlin 2021: Sperrungen bis Montagmorgen

  • Seit Freitag, 20. August 2021, 12 Uhr, bis Montag, 23. August 2021, 6 Uhr, wird die Straße des 17. Juni zwischen Yitzhak-Rabin-Straße und Platz des 18. März (jeweils exklusive) gesperrt.
  • Seit Freitag, 18 Uhr, bis Montag, 6 Uhr, wird die Straße des 17. Juni beidseitig zwischen Großer Stern (ausschließlich) und Platz des 18. März gesperrt.

In diesem Zeitraum sind auch der Platz des 18. März und die Ebertstraße zwischen Behrenstraße (ausschließlich) und Scheidemannstraße (einschließlich) sowie die Yitzhak-Rabin-Straße ab Straße des 17. Juni (einschließlich), die Heinrich-von-Gagern-Straße, die Paul-Löbe-Allee und die Scheidemannstraße für den Fahrzeugverkehr gesperrt.

Strecke: Diese Route wurde beim Halbmarathon in Berlin gelaufen

Straße des 17. Juni – Ernst-Reuter-Platz – Otto-Suhr-Allee – Spandauer Damm (Gegenfahrbahn) – Schloßstraße – Kaiserdamm (Gegenfahrbahn) – Sophie-Charlotten-Straße – Wundtstraße – Neue Kantstraße – Kantstraße – Windscheidstraße – Droysenstraße – Nestorstraße – Kurfürstendamm (in Richtung Joachim-Friedrich-Straße) – WENDE (Kurfürstendamm/Johann-Sigismund-Straße) Kurfürstendamm – ab Nestorstraße (Gegenfahrbahn - nördliche Fahrbahn) – Tauentzienstraße (Gegenfahrbahn) – Wittenbergplatz (Gegenfahrbahn) - Kleiststraße (Gegenfahrbahn) – Nollendorfplatz (Gegenfahrbahn) – Bülowstraße (Gegenfahrbahn) - Potsdamer Straße – Potsdamer Platz – Leipziger Straße – Wilhelmstraße – Kochstraße – Friedrichstraße – Leipziger Straße (erst Gegenfahrbahn, ab Axel-Springer-Straße beidseitig) – Breite Straße (Gegenfahrbahn) – Schloßplatz – Werderscher Markt – Französische Straße– Markgrafenstraße – Mohrenstraße – Charlottenstraße – Französische Straße – Glinkastraße – Unter den Linden (Gegenfahrbahn) – Pariser Platz (Gegenfahrbahn) – Brandenburger Tor – Platz des 18. März – Straße des 17. Juni

Eine interaktive Karte gibt es auf der offiziellen Seite des Berliner Halbmarathons.

Halbmarathon in Berlin: Diese Corona-Regeln galten

Das Rennen fand unter strikten Hygienemaßnahmen statt. An dem Konzept hat der SCC Events monatelang getüftelt und auch Experten zurate gezogen. „Der 40. Generali Berliner Halbmarathon ist ein Pilotprojekt für weitere große Events in Berlin und darüber hinaus“, ist sich Geschäftsführer Lock sicher.

Hauptsächlich sollten die drei Gs - geimpft, genesen, getestet - die Gesundheit aller Sportler und der Mitarbeiter garantieren. Als wichtigen Baustein des Gesamtkonzeptes nannte Lock die Kommunikation mit den angemeldeten Sportlerinnen und Sportlern. Jedem Teilnehmer wurden zwei Videoclips per Email zugesandt, in dem alle Hygienemaßnahmen erklärt werden. Die Zeichentrickclips wurden in deutscher und englischer Sprache produziert.

Erfüllte ein Teilnehmer eins der drei Gs, war er startberechtigt. Alle Teilnehmer mussten ihre Startunterlagen auf der Messe Halbmarathon Expo abholen. Um auf die Messe auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof zu kommen, musste der Nachweis über eine Genesung oder die Impfung erbracht werden. Dann erhielt der Teilnehmer ein Armband, dass er bis nach dem Rennen am Sonntag nicht mehr abnehmen durfte.

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Sportler mussten vor dem Start Mund-Nasen-Schutz tragen

Auf der Expo gab es dann ein zweites Teilnehmerarmband aus Stoff. Auch dieses Armband musste bis nach dem Rennen getragen werden. Ohne die beiden Armbänder gab es keinen Zutritt zum Startbereich am Sonntag. Neben der Startnummer mussten alle Sportler auch einen Mund-Nasenschutz vor dem Start tragen. Erst als der Lauf begann, durften die Masken abgenommen werden.

Die Sportler, die weder geimpft noch genesen waren, mussten für den Zutritt auf die Messe einen PCR-Test oder einen Schnelltest vorlegen. Für das Rennen selber musste auf der Messe ein PCR-Test gemacht werden. Im Anschluss daran erhielt der Teilnehmer ein Armband mit einem QR-Code, auf dem das Testergebnis später hinterlegt war. Das Ergebnis lag nach spätestens acht Stunden vor und war 48 Stunden gültig. Im Anschluss daran gab es das zweite Teilnehmerarmband aus Stoff mit der Startnummer.

Auch die Zuschauer sollen Maske tragen und Abstand halten

Auch die Helfer mussten eines der drei Gs nachweisen oder einen PCR-Test machen. Zudem sollten sie alle einen Mund-Nasen-Schutz tragen und Abstand untereinander halten. „Zuschauer an der Strecke sind aufgefordert, Abstände einzuhalten und einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Das hat vor Kurzem bei der adidas Runners City Night sehr gut funktioniert“, sagte Lock.

„Der Halbmarathon steht und fällt mit der Akzeptanz des Hygienekonzeptes und das ist nicht verhandelbar“, sagte Lock. „Das müssen wir bestmöglich umsetzen.“ Als Generalprobe für den Marathon am letzten Septemberwochenende wollte der Geschäftsführer den Halbmarathon nicht sehen, eher als einen weiteren Schritt. „Der erste Schritt war die Runners City Night und der Halbmarathon am Sonntag ist der zweite Schritt“, sagte Lock. Dann würde eine eingehende Daten- und Fehleranalyse der Veranstaltung folgen. „Der dritte Schritt wird dann der Marathon am 26. September sein.“

Auch andere deutsche, europäische und weltweite Laufveranstalter wollten die Pilotveranstaltung am Sonntag verfolgen. Es herrsche ein reger Austausch von Erfahrungen und Informationen untereinander, so Lock. Er selber habe in den vergangenen Monaten mehrere Vorträge zum Berliner Hygienekonzept bei anderen Lauforganisationen gehalten.

Lob und Dank von Sportsenator Andreas Geisel

Lob und Dank kam bereits von Sportsenator Andreas Geisel (SPD). „Ohne die akribische Vorbereitung und das gute Hygienekonzept des Veranstalters SCC Events wäre eine solche Veranstaltung nicht möglich“, teilte Geisel mit. „Dafür danke ich SCC Events ausdrücklich.“