Pandemie

Corona: Sechs Impfzentren für Berlin - Notkrankenhaus bleibt

Der Senat plant im Kampf gegen Corona sechs Impfzentren über die Stadt verteilt. Dort sollen täglich 20.000 Menschen versorgt werden.

Corona-Impfstoff: Biontech macht Hoffnung

Ein Impfstoff gegen Covid-19 ist in Aussicht. Die deutsche Firma Biontech steht deshalb im Mittelpunkt des Interesses. Was hinter dem Unternehmen steckt, erfahren Sie im Video.

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Berlin. Der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer soll den Menschen in Deutschland und der EU nach der Zulassung rasch zur Verfügung stehen. In Berlin sollen zunächst diejenigen 400.000 Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden, die einen Schutz besonders benötigen. Der Senat richtet dazu sechs Impfzentren in der Stadt ein, in denen jeweils 15 Impfplätze zur Verfügung stehen. So sollen täglich bis zu 20.000 Berliner eine Schutzimpfung erhalten – wenn der Impfstoff zugelassen wird. Das ehrgeizige Ziel sieht demnach vor, an jedem der insgesamt 90 Plätze 22 Menschen pro Stunde zu impfen, vorausgesetzt, die Plätze sind zehn Stunden am Tag in Betrieb.

„Wir arbeiten mit Hochdruck an der Einrichtung der Impfstellen“, sagte Gesundheitsstaatssekretär Martin Matz am Dienstag nach der Senatssitzung. Matz vertritt derzeit Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) bei öffentlichen Auftritten, weil sich die Senatorin in Quarantäne befindet.

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Impfzentren in Berlin: Ex-Feuerwehr-Chef Broemme soll planen

Derzeit sucht der ehemalige Landesbranddirektor und Chef des Technischen Hilfswerks, Albrecht Broemme, nach geeigneten Gebäuden. Laut Matz laufen parallel Verhandlungen mit Unternehmen, die die Zentren einrichten können. Broemme hatte auch das Notfallkrankenhaus auf dem Messegelände geplant.

Doch noch sind viele Einzelheiten unklar. Wo genau sich die Berliner gegen das Virus impfen lassen können ist genauso offen, wie der Zeitpunkt, wann es losgehen kann. „Unser Ziel ist es, sofort mit den Impfungen zu beginnen, sobald der Bund den Impfstoff liefert“, so Matz.

Die Krankenhäuser haben zwar ihre Hilfe angeboten, reißen sich aber nach Informationen der Berliner Morgenpost nicht um diese Aufgabe. Schon allein Parkplätze für die Autofahrer unter den mehr als 300 Impfkandidaten pro Stunde stellten vielerorts ein erhebliches Problem dar. Auch die Frage nach dem Personal ist offen. Um wie geplant zehn Stunden lang täglich Spritzen zu setzen, würden mindestens 150 Fachkräfte, darunter viele Ärzte, benötigt.

CDU fordert ein Impfzentrum für jeden Bezirk

Berlins CDU fordert ein Impfzentrum für jeden der zwölf Bezirke. Außerdem seien vor allem in der ersten Phase mobile Teams nötig. Diese könnten etwa in Pflegeheimen die 29.000 Bewohner impfen und die 22.500 Pflegekräfte gleich mit. Auch für die 35.000 ambulant gepflegten Berliner wird es eine Lösung geben müssen, weil diese Menschen mehrheitlich nicht mobil sind. Fraglich ist auch, ob die 53.000 als kritisch eingeschätzten Mitarbeiter der Krankenhäuser die Zentren aufsuchen oder gleich an ihrem Arbeitsort geimpft werden könnten, ebenso wie die 68.000 Lehrkräfte und Erzieher in Schulen und Kitas.

Für einen wirksamen Schutz sind nach Angaben des Herstellers Biontech zwei Impfungen im Abstand von drei Wochen notwendig – für die erste Phase werden in Berlin also 800.000 Impfdosen benötigt. Biontech kündigte an, noch in diesem Jahr weltweit 50 Millionen Dosen zur Verfügung zu stellen, kommendes Jahr sollen es 1,3 Milliarden sein. Wie viel davon auf Deutschland entfallen und danach für Berlin vorgesehen sind, ist ebenfalls noch nicht geklärt. Die EU-Kommission gab am Dienstag bekannt, dass sie einen Vertrag mit Biontech über die Lieferung von 200 Millionen Impfdosen abgeschlossen hat.

Vivantes soll Serum in Spezialkühlschränken lagern

Die Bundesregierung ist zentral für die Bestellung des Impfstoffs zuständig und verteilt ihn dann an die einzelnen Bundesländer. Der Impfstoff soll in Berlin an einem Ort zentral gelagert werden, weil daran hohe Anforderungen geknüpft sind. So muss das Serum bei minus 80 Grad in Spezialkühlschränken aufbewahrt werden, damit es wirksam bleibt. Vivantes hat im Auftrag des Landes entsprechende Geräte bestellt.

Um an den Impfplätzen möglichst viele Berliner mit dem Serum zu versorgen, sollen in den Zentren gleichzeitig sogenannte Aufnahmeplätze eingerichtet werden. Hier führen Mitarbeiter des Gesundheitswesens Gespräche mit den Impfkandidaten. Die Gesundheitsverwaltung hielte es für hilfreich, wenn sich diese beim Hausarzt ihre Impffähigkeit bescheinigen lassen würden, um das Verfahren in den Zentren so kurz wie möglich zu halten. Wenn ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, sollen die Schutzimpfungen im Verlauf des Jahres 2021 in die Arztpraxen verlegt werden, um dann auch breitere Bevölkerungsschichten versorgen zu können.

Staatssekretär Matz bekräftigte, dass es keinen Impfzwang geben werde. Nach Erkenntnissen der Behörden sind etwa 50 bis 60 Prozent der Berliner bereit, sich impfen zu lassen.

Corona-Notkrankenhaus wird bis Ende Mai 2021 offen gehalten

Trotz der neuen Impfmöglichkeit soll das Corona-Notkrankenhaus auf dem Berliner Messegelände noch bis Mai 2021 offen gehalten werden. Es sei angesichts des Infektionsgeschehens nicht die Zeit, darüber nachzudenken, das Corona-Behandlungszentrum abzubauen, sagte Matz. Ursprünglich sei die Rückgabe an die Messe Berlin bis zum 31. Dezember geplant gewesen, mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen solle der Vertrag nun aber verlängert werden. Ob dort eines der Impfzentren entstehen soll, ließ Matz offen.

Das Nutzungsende ist bis zum 31. Mai vorgesehen; bis zum 30. Juni müssten die für das Behandlungszentrum genutzten Messehallen 24, 25 und 26 dann zurückgegeben werden. Im Februar oder März will sich der Senat noch einmal mit dem Thema befassen. Dabei solle geklärt werden, ob es möglich sei, die Messehallen früher zu räumen, sagte Matz.

Das Corona-Behandlungszentrum ist vor allem für die Versorgung leichterer Covid-19-Fälle gedacht, falls die Krankenhäuser überlastet sein sollten. Es könnte jederzeit in Betrieb genommen werden, wie Matz am Montag im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses erläutert hatte. Demnach wurden bereits Pflegekräfte für den dortigen Einsatz gefunden, die auf Abruf zur Verfügung stehen. Für die volle Inbetriebnahme aller Kapazitäten sei es aber notwendig, kurzfristig weitere hinzuziehen.

Corona-Warn-Ampel: Kritisch gesehen wird Aussagekraft der Reproduktionszahl

Außerdem hat sich der Senat darauf verständigt, die Berliner Corona-Warn-Ampel nicht grundlegend zu ändern. Es bleibe bei drei Ampeln, sagte Matz. Kritisch gesehen wird allerdings die Aussagekraft der sogenannten Reproduktionszahl. Mit diesem R-Wert, der angibt, wie viele andere ein Infizierter im Schnitt ansteckt, sei das Infektionsgeschehen in der Vergangenheit nicht plausibel erklärbar gewesen.

„Wir haben deswegen überlegt, ob wir einen anderen Wert stattdessen nehmen können“, sagte Matz. „Aber wir wollen den R-Wert in der Ampel lassen.“ Es sei indes geplant, Zahl zu ergänzen, die die Beschleunigung des Infektionsgeschehens verdeutlicht. Sie soll im täglichen Online-Lagebericht zu finden sein. Ein Sprecher der Gesundheitsverwaltung sagte, die Fachabteilung kläre noch Details.

Corona-Schnelltests für Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses

Dagegen steht fest, dass auch die Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses die Möglichkeit bekommen sollen, Corona-Schnelltests zu nutzen. Dabei sollen dieselben Regeln zur Anwendung kommen wie bei anderen Einrichtungen auch. Beabsichtigt ist, die sogenannten Antigen-Schnelltests etwa in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern oder der Wohnungslosenhilfe einzusetzen.

Das Abgeordnetenhaus müsse festlegen, welcher Personenkreis in welchem Rhythmus getestet werden soll, erklärte Matz. „Dann stellen wir entsprechend die Tests zur Verfügung.“ Dabei gehe es um kleine Größenordnungen. „In einem ersten Austausch war von 500 Tests die Rede.“

Nach Angaben des Staatssekretärs sollen für 2020 sechs Millionen Schnelltests beschafft werden; mehr als 600 000 seien bereits verfügbar. Insgesamt stehen für dieses und nächstes Jahr 71 Millionen Euro für 12,6 Millionen Schnelltests bereit. Der Antigen-Schnelltest, der ein Ergebnis innerhalb von rund 15 bis 30 Minuten liefert, gilt als weniger genau als PCR-Tests. Laut Robert Koch-Institut muss ein positives Ergebnis immer noch einmal mit Hilfe eines PCR-Tests bestätigt werden.